Mit European Private Placement Facility Kosten und Zeit sparen

22.01.18 09:48

Neue Anleihe-Emissionsplattform gestartet

Von Sabine Paulus

Es gibt eine neue Plattform für die Emission jeglicher Art von Anleihen. Wie viel Zeit und welche Kosten Emittenten über diese Plattform sparen können, sagt Robert Koller, Executive Chairman der EPPF im Gespräch mit DerTreasurer.

Erster Emittenten auf der neuen Anleihe-Emissionsplattform EPPF war die DZ Bank.

DZ Bank

Erster Emittenten auf der neuen Anleihe-Emissionsplattform EPPF war die DZ Bank.

Vor rund einem Monat ist eine neue Plattform für die Emission jeglicher Art von Anleihen an den Markt gegangen. Bei der Debüttransaktion handelte es sich um ein Commercial Paper der DZ Bank mit einer Laufzeit von zwei Wochen. Die Plattform namens European Private Placement Facility (EPPF) wirbt damit, dass „die meisten der für den Emissionsprozess notwendigen Schritte wie Dokumentation und Abwicklung weitgehend standardisiert sind und viele Vorbereitungen nur einmalig beim Beitritt des Kunden anfallen“.

Dadurch könnten die Emittenten einen Preisvorteil gegenüber herkömmlichen Anleiheplatzierungen erzielen, bei denen die Kosten mehrere hunderttausend Euro betragen. Dank der höheren Effizienz sei eine Anleiheemission auch für kleinere oder nur sporadisch am Kapitalmarkt aktive Emittenten ab einem Volumen von 10 Millionen Euro je Transaktion rentabel möglich, betont die EPPF.

„Von den Transaktionskosten her liegen wir auf dem Niveau eines Schuldscheins “, sagt Robert Koller, Executive Chairman der EPPF. „Für einen Frequent Issuer kann die Kostenersparnis sogar 80 bis 90 Prozent betragen.“ Grundsätzlich gibt es zwei Gebührenmodelle: Für Unternehmen, die den Kapitalmarkt nur gelegentlich nutzen, bietet die EPPF das sogenannte „Pay-As-You-Print“-Modell an. Hier entstehen nur Kosten, wenn wirklich eine Kapitalaufnahme erfolgt. Regelmäßige Emittenten können sich für die Variante einer EPPF-Jahresgebühr entscheiden.

EPPF-Emittenten müssen Kreditqualität von mindestens BB haben

Zielgruppe der Plattform sind Unternehmen, die eine Kreditqualität von mindestens BB haben. Ein externes Rating ist aber nicht nötig. „Wir empfehlen einen Umsatz von 100 Millionen Euro, aber das ist kein hartes Kriterium“, sagt Koller. Partner der EPPF sind unter anderem die Banken ABN Amro, BNY Mellon, Berenberg, Commerzbank, DZ Bank und LBBW, aber auch Ratingagenturen und Kanzleien.

Die Dokumentation der Plattform entspricht im Kern einem Standard-EMTN-Programm und ist in deutschem und englischen Recht verfügbar. „Großkonzerne brauchen deshalb mit uns kein eigenes EMTN-Programm mehr“, behauptet Koller. Aufgrund der Standardisierung reduziert sich der Zeitaufwand für Debütemittenten dem Fintech zufolge auf wenige Wochen, und bei etablierten Kapitalmarktteilnehmern ist ein Abwicklungszeitfenster von T+1 möglich. „Ab diesem Jahr können wir sogar gleichtägig setteln“, sagt Koller. „Vergleicht man das mit dem Aufsetzen eines EMTN-Programms, sparen Unternehmen Monate.“

Paulus[at]derTreasurer.de

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