Nicht alle Unternehmen werden in den kommenden Monaten ihr Investmentgrade-Rating halten können. Viele werden ins High-Yield-Segment rutschen.

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25.05.20
Finanzen & Bilanzen

Corona drückt Emittenten ins HY-Segment

Auf den High-Yield-Markt rollt eine Welle von Fallen Angels zu. Das hat handfeste Konsequenzen für die Finanzierung der betroffenen Unternehmen.

Die Zahl der Rating-Herabstufungen hat massiv zugenommen. Dies birgt gerade für Unternehmen am unteren Ende des Investmentgrades eine Gefahr: Sie rutschen nach einem Downgrade in das Crossover- oder gar High-Yield-Segment. Die Zahl dieser Fallen Angels ist in diesem Jahr bereits deutlich gestiegen: „Fallen Angels haben in zwei Monaten das Level erreicht, das wir normalerweise in einer Dreijahresperiode sehen“, sagt Frederic Gits, Group Credit Officer für Global Corporates bei Fitch.

Verschlechtert sich das Umfeld weiter, könnte es noch eine größere zweite Welle geben. Fitch rechnet damit, dass es in den USA und der Region EMEA bis zu 430 Milliarden US-Dollar an Fallen-Angel-Bonds geben könnte.

Für Unternehmen bedeutet der Abstieg in das Hochzinssegment höhere Finanzierungskosten bei Neuemissionen. Die Spreads an dem Markt sind zwar seit dem Krisenhöhepunkt im März wieder gesunken, liegen aber deutlich über dem Investmentgrade-Segment. Zudem müssen sich Fallen Angels mit einer neuen Investorenschaft auseinandersetzen, da viele IG-Investoren nicht am HY-Markt aktiv sind. Viele müssen sich sogar aktiv von den Papieren trennen, wenn diese ins Hochzinssegment rutschen.

Erste Unternehmen emittieren wieder HY-Bonds

Hinzu kommt, dass der HY-Markt deutlich volatiler ist. Während der Hochphase der Coronakrise war der europäische HY-Markt wochenlang geschlossen. In den vergangenen Wochen gab es aber vereinzelt wieder Anleihe-Emissionen im High-Yield-Segment. Mit dem Arzneimittelhersteller Stada und dem Labortechnikdienstleister Synlab haben auch zwei deutsche Unternehmen den Markt wieder angezapft. Am IG-Markt ist das Neuemissionsvolumen hingegen geradezu explodiert - auch dank des neuen EZB-Anleihekaufprogramms.

Einen akuten Finanzierungsengpass bedeutet ein Abstieg ins HY-Segment für die Fallen Angel aber nicht unbedingt. Sie haben häufig noch andere Finanzierungsoptionen. Zudem ist der Markt grundsätzlich offen. Und die Papiere von Fallen Angels sind bei HY-Investoren aufgrund ihrer hohen Güteklasse und des Risiko-Rendite-Verhältnisses äußerst beliebt.

Koegler[at]dertreasurer.de

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