ESG-Berichte im Dax lückenhaft

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Die Nachhaltigkeitsinitiativen der Dax-Konzerne lassen zu wünschen übrig, meint Verena Kienel, die beim Vermögensverwalter Ökoworld die Research-Abteilung leitet. „Bei den deutschen börsennotierten Unternehmen sehen wir in Sachen ESG noch viel Nachholbedarf, was das Geschäftsmodell sowie die ESG-Berichterstattung angeht“, erläutert Kienel. „Die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Teamviewer war beispielsweise immer schwach, mittlerweile haben sie etwas nachgezogen.“

2020 erfolgte die nicht-finanzielle Berichterstattung des Unternehmens nur knapp im Rahmen des Geschäftsberichts und nicht nach einem internationalen Standard, erläutert Kienel. Es gebe aber auch positive Beispiele: „Im Dax gibt es aus unserer Sicht nur vier Firmen, die Vorreiter in Sachen ESG sind. Dazu zählen Henkel, DHL, Sartorius und Qiagen.“

ESG: Mittelstand besser als Dax

Gleichzeitig hat Ökoworld einen politischen Ansatz und schließt schon deswegen einige Konzerne per se aus. „Rheinmetall, Bayer oder BASF veröffentlichen sicherlich umfassende gute Nachhaltigkeitsberichte, aber wir investieren nicht in die Rüstungsindustrie oder in Chemiekonzerne“, merkt Kienel an. Das perfekte Unternehmen gebe es nicht, erklärt die ehemalige JP-Morgan-Bankerin, aber ein Wille zur Änderung zusammen mit ausreichender Transparenz über die eigenen Praktiken sollte gegeben sein. Das Wichtigste sei jedoch der Produktnutzen: „Beispielsweise bewerten wir den Nutzen von Halbleitern als positiv, trotz des hohen Wasserverbrauchs bei der Herstellung.“

Ökoworld achtet neben den Scope-Emissionen und dem Energieverbrauch außerdem besonders auf die Ziele des Unternehmens hinsichtlich Reduktionen beim Wasser-, Energieund Ressourcenverbrauch. Hierbei komme es darauf an, wie glaubhaft diese angegangen werden. „Ist die Zielsetzung bei Emissionen und Energieverbrauch ambitioniert und am 1,5-Grad-Pfad orientiert? Das ist eine wichtige Frage“, betont Kienel. Auch der Umgang mit Kontroversen biete dem Investor, der sich Nachhaltigkeit auf die Fahnen schreibt, wichtige Anhaltspunkte.

Besser als die börsennotierten Unternehmen stehe der Mittelstand da, so Kienel. „Zwar sind viele mittelgroße und kleine Unternehmen aus den USA häufiger börsennotiert, aber auch im deutschen Mittelstand gibt es einige börsennotierte Firmen, die sich durch ihre Produkte und nachhaltige Geschäftsmodelle auszeichnen. Beispiele sind Nemetschek, Compu Group Medical, Aixtron und Hello Fresh.“

brendel[at]dertreasurer.de

Eva Brendel ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Ihr Themenschwerpunkt ist Unternehmensfinanzierung.