Refinanzierung unter erschwerten Bedingungen

Artikel anhören
Artikel zusammenfassen
Teilen auf LinkedIn
Teilen per Mail
URL kopieren
Drucken

Auf Unternehmen in der DACH-Region rollt eine gewaltige Refinanzierungswelle zu. Laut einer neuen Studie des Beratungshauses Alix Partners belaufen sich die bis 2029 fällig werdenden Unternehmensschulden auf über 600 Milliarden Euro. Der Großteil davon entfalle mit 441 Millionen Euro auf deutsche Unternehmen, auf 142 Milliarden Euro belaufe sich der Corporate-Schuldenberg in der Schweiz und 35 Milliarden Euro in Österreich.

Alix Partners spricht von einer „enormen Belastungsprobe“, da viele Unternehmen parallel mit hohen Leverage Ratios, schwächerer Profitabilität sowie volatilen Märkten – nicht zuletzt infolge der US-Zollpolitik – zu kämpfen hätten. Erschwerend hinzu komme, dass 70 Prozent der betroffenen Unternehmen kein Rating und somit nur eingeschränkten Zugang zum Kapitalmarkt hätten. Gleichzeitig müssten sich die Unternehmen auf verschärfte Kreditbedingungen von Seiten der Banken einstellen.

Restriktive Banken und US-Zölle im Fokus

Zwar hätten sich die Zinsen jüngst etwas entspannt, doch Banken bleiben laut den Studienautoren zurückhaltend – insbesondere Unternehmen ohne Rating müssten mit restriktiveren Konditionen rechnen.

Eine Belastung seien darüber hinaus die US-Zölle: Top-Exporteure aus dem DACH-Raum verzeichneten aktuell eine deutlich schlechtere Kursentwicklung als der Gesamtmarkt. Besonders die Automobil-, Stahl- und Aluminiumbranchen litten unter den neuen Importabgaben.

Private Debt im Kommen

„Viele Unternehmen müssen ihre Schulden unter deutlich schwierigeren Bedingungen refinanzieren – ein herausforderndes Umfeld, das gerade exportorientierte Branchen trifft“, sagt Rainer Bizenberger, Co-Head Turnaround und Restrukturierung bei Alix Partners in der DACH-Region.

Laut dem Beratungshaus gewinnen vor diesem Hintergrund alternative Finanzierungsformen an Bedeutung. So habe sich etwa das Volumen des von Private Debt bereitgestellten Fremdkapitals im DACH-Raum seit 2020 von 36 auf 78 Milliarden Euro mehr als verdoppelt.

Philipp Hafner ist Redakteur bei DerTreasurer und FINANCE. Er hat Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth sowie an der University of Amsterdam studiert. Zuvor arbeitete Philipp Hafner mehr als sechs Jahre bei der Verlagsgruppe Knapp/Richardi, zunächst als Volontär, anschließend dann als Redakteur für die Fachzeitschrift „Immobilien & Finanzierung“.