Es war ein Auftritt mit Seltenheitswert: Erstmals seit rund acht Jahren hat Roche Ende Februar wieder den Euro-Bondmarkt angezapft. Der Schweizer Pharmakonzern emittierte zwei Benchmark-Anleihen über 750 beziehungsweise 500 Millionen Euro mit Laufzeiten von 6,5 beziehungsweise 12 Jahren.
Britta Döttger, Head of Group Treasurer bei Roche, zieht im Gespräch mit DerTreasurer ein positives Fazit: „Trotz längerer Abwesenheit in diesem Markt verliefen die Emissionsvorbereitungen und die Execution mit allen Beteiligten sehr effizient und reibungslos. In den letzten Jahren waren wir vermehrt im Franken- und Dollar-Bondmarkt aktiv, so dass wir eine gute Aufnahme im Euro Raum erwarten konnten.“
Dokumentation unter Schweizer Recht
Zum effizienten Ablauf der Transaktion trug auch eine neue Herangehensweise bei der Dokumentation bei, wie Stephan Bohner, Head of Financing and Markets bei Roche, erklärt: „Nachdem wir bis 2016 unter einem EMTN-Programm (Euro Medium Term Note) im Euro-Bondmarkt unter englischem Recht mit Listing in Luxemburg emittiert hatten, wollten wir dieses Mal eine effizientere, schlankere Dokumentation etablieren. Mit einer Dokumentation unter Schweizer Recht, mit Primary Listing an der SIX und einer Zulassung zum Handel in Frankfurt konnten wir das umsetzen.“ Insbesondere die Anforderungen bezüglich Disclosures und Reporting konnten dadurch reduziert werden, so Bohner.
Gefragt nach den gewählten Laufzeiten der Bonds erklärt Döttger: „Wir achten hier auf unser Fälligkeitsprofil und stellen sicher, dass wir flexible Möglichkeiten haben, Bonds bei Fälligkeit aus dem operativen Cashflow zurückzuzahlen.“ Darüber hinaus habe das Roche-Treasury das Marktumfeld und Pricing-Effizienzen auf der Zinskurve berücksichtigt, um ein optimales Ergebnis zu erzielen.
Die 6,5-jährige Tranche ging mit einem Spread von 45 Basispunkten über Mid-Swap in die Vermarktung, für die 12-jährige Tranche wurden 60 bis 65 Basispunkten erwartet. Beide konnten jeweils noch deutlich enger bei 15 beziehungsweise 35 Basispunkten gepreist werden. Die Kupons liegen bei 3,2 und 3,35 Prozent: „Unser Ziel war es, Momentum zu kreieren und die Credit Spreads sowie die New-Issuer-Prämie im Verlauf der Transaktion zu optimieren. Dies konnte von unserem Bankenkonsortium sehr gut umgesetzt werden und resultierte bei der kürzeren Tranche sogar in einer negativen New-Issuer-Prämie“, erklärt Bohner und fügt hinzu: „Damit haben wir auch wieder eine Kreditkurve in diesem Markt etabliert, was künftige Finanzierungen erleichtern sollte.“
Weitere Emissionen abhängig vom operativen Geschäft
Die neuen Mittel werden für allgemeine Unternehmenszwecke verwendet, inklusive der Rückzahlung von fälligen Schulden, wie Döttger erklärt: „Wir hatten Ende Februar eine Euro-Bond-Fälligkeit, so dass wir Teile aus den neuen Bonds direkt zur Rückzahlung der Fälligkeiten nutzen konnten.“ Konkrete Planungen für weitere Emissionen gebe es derzeit nicht, das könne sich aber in Abhängigkeit vom operativen Geschäft auch ändern.
Dem Trend hin zu Green Finance hat sich Roche nicht angeschlossen. Der Grund dafür sei nicht zuletzt der enorme Zusatzaufwand, dies in den Bedingungen einer Anleihe zu integrieren, erklärt Döttger: „Wir investieren diese Ressourcen, bis auf weiteres, deshalb bevorzugt direkt in unsere Nachhaltigkeitsbemühungen, anstatt in eine ausgeklügelte Anleihedokumentation.
Strukturierte Finanzaktivitäten, die eine bessere Umweltbilanz gewährleisten, spielen für Roche aber eine wichtige Rolle. „Aus diesem Grund haben wir uns beispielsweise auch der Science Based Targets Initiative (SBTi) und der Sustainable Markets Initiative (SMI) angeschlossen. Für Roche ist die Entwicklung umweltfreundlicher Projekte keine buchhalterische Aufgabe, sondern eine Projektarbeit, die das gesamte Unternehmen betrifft“, so Döttger.
Digitalisierung genießt Priorität
Davon abgesehen stehen im Roche-Treasury aktuell vor allem technologische Innovationen und die Infrastruktur im Fokus: „Wir bereiten derzeit ein Upgrade unseres Treasury-Systems vor und werden auf SAP S/4 Hana gehen“, berichtet Bohner. Zudem ständen 2023 Investitionen in Technologien für Datenanalysen und -visualisierung im Fokus, genauso wie die Nutzung von APIs und ein Blockchain-Pilot zur Optimierung der End-to-end-Prozesse mit Procurement, ergänzt Döttger.
Philipp Hafner ist Redakteur bei DerTreasurer und FINANCE. Er hat Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth sowie an der University of Amsterdam studiert. Zuvor arbeitete Philipp Hafner mehr als sechs Jahre bei der Verlagsgruppe Knapp/Richardi, zunächst als Volontär, anschließend dann als Redakteur für die Fachzeitschrift „Immobilien & Finanzierung“.

