Neuer Finanzierungsbaustein für Traton-Treasury

Artikel anhören
Artikel zusammenfassen
Teilen auf LinkedIn
Teilen per Mail
URL kopieren
Drucken

Die VW-Tochter Traton hat ihre Finanzierungspalette diversifiziert: Seit Mitte September kann der Nutzfahrzeughersteller kurzlaufende Anleihen mit bis zu einjähriger Laufzeit über ein 2,5 Milliarden Euro schweres Commercial-Paper(CP)-Programm emittieren. „Das Programm ist der nächste logische Schritt nach dem Aufsetzen unseres European-Medium-Term-Notes(EMTN)-Programms in Höhe von 12 Milliarden Euro im ersten Quartal 2021 und vervollständigt die Fremdkapitalaktivitäten auf Traton-Ebene“, erklärt Wolfgang Herberger, Head of Treasury München bei Traton, gegenüber DerTreasurer.

Hohe Auslastung für neues Commercial-Paper-Programm

Genau genommen handle es sich um ein European-Commercial-Paper(ECP)-Programm, wie Philipp Lotz, Head of Corporate Finance & Financial Markets, ergänzt: „Es ist also stark auf Investoren in Europa fokussiert. Die vier involvierten Banken sprechen gezielt Anleger in unterschiedlichen Regionen an, etwa Benelux, Frankreich, Großbritannien, Skandinavien und Deutschland.“ Zudem ermögliche das CP-Programm Emissionen in Fremdwährungen, insbesondere in der für Traton wichtigen Schwedischen Krone.

Von der neuen Finanzierungsquelle hat der SDax-Konzern in den ersten drei Monaten bereits rege Gebrauch gemacht: „Die ausstehenden Emissionen, die im Wesentlichen der Finanzierung von Traton Financial Services dienen, belaufen sich zwischenzeitlich auf mehr als 1 Milliarde Euro, verteilt auf über 40 Tranchen. Wir haben uns insbesondere auf Laufzeiten zwischen drei und sechs Monaten fokussiert. Bis zum Jahresende planen wir, die Auslastung des Programms weiter zu erhöhen“, sagt Lotz.

Mehr Flexibilität für Traton-Finanzierung

Durch das neue Programm habe das Unternehmen größere Flexibilität bei der Fremdkapitalaufnahme und eine bessere Steuerung der Fälligkeitenstruktur. Zudem seien neue Investorengruppen erschlossen worden. Wie Herberger erklärt, treibe Traton mit dem neuen Programm zudem die Zentralisierung der eigenen Finanzierungsaktivitäten weiter voran. So sei geplant, bestehende CP-Programme auf Ebene der Tochtergesellschaften, zu denen die Marken MAN, Scania, Navistar und Volkswagen Truck & Bus gehören, mittelfristig zurückzufahren.

In diesem Zusammenhang hatte Traton bereits Mitte Juli dieses Jahres wesentliche Teile des Finanzdienstleistungsgeschäfts von MAN und Volkswagen Truck & Bus erworben und begonnen, diese in Traton Financial Services, die Anfang 2022 gegründete gruppenweite Geschäftseinheit für Finanzdienstleistungen, zu integrieren. Bis zum zweiten Quartal 2025 soll diese Integration abgeschlossen sein. Das bleibt nicht ohne Folgen für den künftigen Refinanzierungsbedarf: „Mit der fortschreitenden Integration dieser unter anderem von Volkswagen übernommenen Financial-Services-Aktivitäten wird der Finanzierungsbedarf von Traton Financial Services in den nächsten Jahren stark ansteigen“, so Herberger.

Traton-Treasury will Kapitalmarktdruck reduzieren

Das Traton-Treasury werde deshalb den Kapitalmarkt fortlaufend beobachten, um geeignete Emissionsfenster kurzfristig nutzen zu können. So geschehen zuletzt Ende November: Da platzierte das SDax-Unternehmen eine Anleihe über das EMTN-Programm. Das Papier im Volumen von 750 Millionen Euro stellt die zweitgrößte Bondtransaktion der VW-Tochter seit ihrer Debütemission über 3 Milliarden Euro im März 2021 dar. Mit Letzterer hatten die Münchener den Löwenanteil der rund 3,7 Milliarden US-Dollar teuren Übernahme des US-Nutzfahrzeugherstellers Navistar refinanziert.

Grundsätzlich soll die Bedeutung der Kapitalmarktfinanzierung aber nicht überhandnehmen: „Unser Fokus ist es aktuell, den Kapitalmarktdruck durch eine weitere Diversifizierung unseres Funding-Mixes zu reduzieren“, sagt Herberger, der seit Dezember 2021 dem aktuell 42 Mitarbeiter zählenden Treasury-Team in München vorsteht, in dem alle Kernaktivitäten des Traton-Treasury angesiedelt sind. Er übernahm damals die Treasury-Aktivitäten von Rolf Woller, der zum Leiter Group Treasury & Investor Relations bei Volkswagen berufen wurde.

Digitalisierung des Treasury im Fokus

Auch wenn die Kapazitäten im Treasury aktuell zum großen Teil noch mit dem Aufbau von Traton Financial Services gebunden sind, will Herberger die Digitalisierung im Treasury nicht aus den Augen verlieren: „Im Handel haben wir kürzlich begonnen, die ersten Geschäfte über Algo Trading abzuschließen. Im Bereich Global Transaction Banking nutzen wir mittlerweile Swift KYC for Corporates für unsere weltweiten Marken.“

Weitere Aktivitäten seien in Planung, so soll unter anderem die digitale Signatur im Jahr 2024 angegangen werden. Zudem strebe man mittelfristig grüne Finanzierungen für Traton an.

hafner[at]dertreasurer.de

Philipp Hafner ist Redakteur bei DerTreasurer und FINANCE. Er hat Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth sowie an der University of Amsterdam studiert. Zuvor arbeitete Philipp Hafner mehr als sechs Jahre bei der Verlagsgruppe Knapp/Richardi, zunächst als Volontär, anschließend dann als Redakteur für die Fachzeitschrift „Immobilien & Finanzierung“.