Binnen der vergangenen zwei Wochen hat sich etwas zusammengebraut, mit dem wohl die wenigsten Treasurer gerechnet hätten: eine handfeste Bankenkrise. Sie startete weit weg in den USA bei einer Nischenbank. Die Silicon Valley Bank sagte bis kurzem wohl den wenigsten deutschen Finanzentscheidern etwas, plötzlich war sie in aller Munde. Bankexperten raufen sich die Haare, dass die US-Amerikaner sich bei der Fristentransformation so verspekuliert haben. Weitere US-Banken wankten danach.
Dass die Krise dann aber nach Europa überschwappen würde, dachten die wenigsten. Mitte vergangener Woche gab es die ersten Signale, dass Credit Suisse Unterstützung erhalten müsste. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion am vergangenen Wochenende übernahm der Schweizer Konkurrent UBS die wankende Bank. Seither ranken sich viele Fragen um diesen Deal: Übernahmepreis, Effekte für die AT1-Anleihegläubiger, Garantien der Schweiz und so weiter.
Führende Treasurer zeigen sich alarmiert
Führende Treasurer zeigten sich angesichts der Ereignisse jedenfalls alarmiert. „Wir schauen mit Sorge auf die Krise“, sagte etwa ein Treasurer eines Großkonzerns, der anonym bleiben möchte. Der CFO des Baustoffherstellers Heidelberg Materials, René Aldach, war ebenfalls wenig begeistert von dem Bankenbeben. „Wir haben am Montag den Markt getestet und Commercial Papers platziert“, sagte er auf der „Green FINANCE“-Digitalkonferenz. Das Ergebnis sei positiv gewesen, schließlich konnten offenbar Papiere zu guten Konditionen platziert werden.
Das Schlimmste ist also erst einmal ausgeblieben. Doch der Fall der Silicon Valley Bank – und für Treasurer aus dem deutschsprachigen Raum noch relevanter – der von Credit Suisse wirft ein Schlaglicht auf Kontrahentenrisiken. Dieses Thema, das speziell in den Zeiten nach der Lehman-Pleite 2008 sehr präsent war, ist zuletzt etwas in den Hintergrund gerückt. Durch die Pleite der Bremer Greensill Bank vor zwei Jahren wurde es zeitweise wieder wichtiger. Hier verbrannten sich speziell die Kämmerer zahlreicher deutscher Kommunen die Finger und verloren teils Millionen-Euro-Beträge. Pikant: Auch in den Fall Greensill war Credit Suisse als Kooperationspartner involviert.
Wo weitere Risiken lauern und wie Bafin-Chef Mark Branson die Lage einschätzt, können Sie in unserem E-Magazin 06/2023 nachlesen.
Markus Dentz ist Chefredakteur von DerTreasurer und der Fachzeitschrift FINANCE. Seine journalistischen Schwerpunktthemen sind Unternehmensfinanzierung, Restrukturierung und Treasury.
