Die deutschen Kreditversicherer machen sich große Sorgen. Laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) müssen die Warenkredit- und Kautionsversicherer 2024 für Schäden in Höhe von fast 1 Milliarde Euro geradestehen – das entspricht einer Steigerung von rund 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Gegenüber 2021 habe sich die Summe der versicherten Zahlungsausfälle gar verdoppelt. Besonders stark betroffen ist laut dem GDV die Delkredereversicherung (Exportkredit-, Investitionsgüterkredit-, Konsumentenkredit- und Warenkreditversicherung). Hier hätten die Versicherer im vergangenen Jahr Schäden von 475 Millionen Euro (+35 Prozent) übernehmen müssen.
Versicherer kämpfen mit steigenden Ausfällen
Zu den vier größten Warenkreditversicherern zählen R+V, Allianz Trade, Atradius und Coface. Sie alle spüren die schlechte wirtschaftliche Lage. „Mit der schwächelnden Konjunktur einher geht eine Zunahme an Insolvenzen, was zu steigenden Forderungsausfällen in der Warenkreditversicherung führt und vermutlich auch weiterhin führen wird“, sagt ein R+V-Sprecher gegenüber DerTreasurer.
Auch die anderen Versicherer rechnen im laufenden Jahr mit spürbar mehr Zahlungsausfällen. Die Experten von Allianz Trade schätzen, dass nach einem Insolvenzanstieg im Jahr 2024 die Fälle auch in diesem Jahr weiterhin steigen werden.
Große Unternehmen mit höheren Schäden
Coface-Risikochef Jochen Böhm ergänzt: „Allerdings steigt nicht nur die Gesamtzahl der Insolvenzen, sondern auch die Höhe der Schäden aus Insolvenzen. Ein Grund ist, dass aktuell auch größere Unternehmen pleitegehen.“
Laut dem GDV sehen die Versicherer ein besonderes Risiko in der Bauwirtschaft und Automobilindustrie. Auch R+V bestätigt das: „Für die Warenkreditversicherung werden wir ein besonderes Auge auf Unternehmen haben, die abhängig von der Automobilindustrie sind.“
Einzelhandel und Energie unter Beobachtung
Frank Liebold, Country Director Deutschland bei Atradius Kreditversicherung, sagt, dass es neben den genannten Branchen auch einen Anstieg an Ausfällen im Textil-/Einzelhandel und „neuerdings auch verstärkt im Energiebereich“ gebe. Darüber hinaus gebe es strengere Zeichnungsrestriktionen für einzelne Branchen.
Auch die anderen Versicherer geben an, dass noch keine Branchen grundsätzlich ausgeschlossen werden. In Restrukturierungskreisen ist jedoch zu hören, dass die Warenkreditversicherer angesichts der hohen Ausfallrate derzeit eher zurückhaltender sind.
Sarah Backhaus ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, Transformation, Zahlungsverkehr und Cash Management.

