Europäisches Zahlungsnetzwerk: Wero bekommt Verbündete

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Europäische Zahlungsdienstleister wollen schon seit Jahren die Abhängigkeit von amerikanischen Anbietern wie Visa und Paypal verringern. Nun setzen Bancomat (Italien), Bizum (Spanien), EPI Company mit Wero (Deutschland, Frankreich und Benelux), Sibs-MB Way (Portugal) und Vipps Mobilepay (Skandinavien) auf Interoperabilität statt auf ein einheitliches System. Im Hintergrund sollen die Systeme sozusagen miteinander verbunden werden.

Dieses European Network for Payments (ENP) basiert auf Account-to-Account-Zahlungen. Hans Martin Henke, Zahlungsverkehrsexperte bei Capco, beschreibt den Nutzen so: „Ein deutscher Wero-Kunde kann im Spanien-Urlaub mit Wero bezahlen, als wäre er Teilnehmer von Bizum.“ Händler sollen zudem keinen Einzelvertrag mit jedem Netzwerk abschließen müssen, ein Vertrag soll alles abdecken. Technisch ist das Vorhaben anspruchsvoll: „Das ist keine Kleinigkeit und deutlich mehr als eine API-Schnittstelle“, sagt Henke. Viele frühere Initiativen seien an dieser Komplexität gescheitert. Die verschiedenen Systeme müssten sich für Kunden wie eine einzige Plattform anfühlen. Trotzdem ist er zuversichtlich: „Ich traue es ihnen zu.“

Zeitdruck entsteht durch den digitalen Euro, der ab Mitte 2029 starten soll. Bis dahin wollen die privaten Anbieter ihre Lösungen skalieren. Erste Pilotprojekte laufen bereits in Portugal. Capco-Experte Henke rechnet mit einem Start 2027.

Wero wird in der Breite noch nicht genutzt

Für Wero in Deutschland könnte das Netzwerk ein wichtiger Schub sein. In Frankreich sei Wero weiter verbreitet, weil dort bereits zuvor eine ähnliche Bezahlmethode existiert habe und in Wero überführt worden sei, erklärt Henke. „In Deutschland ist man von null gestartet.“ Zudem seien die Varianten für E-Commerce und Point of Sale erst seit kurzem live, vorher habe es nur die Peer-to-Peer-Zahlung gegeben. Hierzulande sind bislang vor allem die Sparkassen, die Volksbanken, die Deutsche Bank und die Postbank bei Wero dabei. Zuletzt kam die Commerzbank hinzu. Henke erwartet, dass sich weitere große Banken beteiligen.

Besonders in Ländern ohne nationales Kartensystem müssten Kunden wesentlich höhere Gebühren zahlen, weil nichts anderes zur Verfügung stehe. „Da wird das ENP einen großen Unterschied machen“, sagt Henke. Verdrängen werde das ENP die US-Anbieter aber nicht.

Autorenbild Sarah Backhaus

Sarah Backhaus ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, Transformation, Zahlungsverkehr und Cash Management.