Unruhe bei Worldline und Payone

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Beim Finanzdienstleister Worldline und der deutschen Tochter Payone ist es derzeit sehr unruhig. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hat in einer großangelegten Investigativrecherche, koordiniert vom Netzwerk European Investigative Collaborations (EIC), schwere Vorwürfe erhoben: Payone habe sich auf „dubiose Figuren“ eingelassen und Hinweise auf Geldwäsche ignoriert, so der Kern des Artikels. Es gehe dabei um Geschäfte mit Hochrisikokunden, etwa Betreibern von Dating- und Pornoseiten.

Der „Spiegel“ berichtete von internen Dokumenten, die darauf hindeuten würden, dass Payone zeitweise Zahlungen in dreistelliger Millionenhöhe im Jahr für solche dubiosen Anbieter abgewickelt habe. Payone gehört zu 60 Prozent Worldline, die übrigen Anteile gehören dem Deutschen Sparkassenverlag.

Payone: Erinnerungen an Wirecard

Ein Unternehmenskenner, der ehemals bei Worldline involviert war und mit DerTreasurer gesprochen hat, zeichnet von Worldline das Bild eines Finanzdienstleisters, dem es vor allem um Umsätze gegangen sei. Payone habe höhere Budgets als andere, solidere Einheiten erhalten, obwohl das Management gewusst haben müsse, wie die hohen Umsätze zustande gekommen seien.

Der Insider kritisiert, Worldline habe die großen Trends im Zahlungsverkehr verschlafen, stattdessen auf die kurzfristigen Umsätze von Payone vertraut und die finanziellen Mittel entsprechend allokiert. „Ohne Payone fehlt Worldline ein wesentlicher Renditetreiber“, konstatiert der Unternehmenskenner.

Der Großteil der Investitionen in neue Services und Innovationen sei in den vergangenen Jahren in Payone geflossen, während andere Geschäftsbereiche zunehmend strategisch vernachlässigt worden seien. „Was bleibt, ist ein Konzern mit renditeschwachen Einheiten und wenig Innovationskraft“, so der Insider. Payone und Worldline baten auf Anfrage von DerTreasurer um Verständnis, dass man Marktgerüchte und Spekulationen nicht kommentieren wolle.

„Ohne Payone fehlt ein wesentlicher Renditetreiber.“

Ein anonymer Unternehmenskenner

Payment-Dienstleister Adyen und Nexi straucheln

Auch andere Payment-Dienstleister wie Adyen oder Nexi straucheln. Worldline ist hiervon besonders betroffen: Die Aktie brach Ende Juni, nach Erscheinen des „Spiegel“-Berichts, in der Spitze um 40 Prozent ein und notierte zwischenzeitlich unter 3 Euro. Das Allzeithoch der an der Pariser Börse notierten Papiere lag bei fast 50 Euro im Jahr 2022.

Die Panik mag auch damit zusammenhängen, dass viele Aktionäre Angst vor einem zweiten Wirecard haben. Der frühere Dax-Konzern aus München war im Juni 2020 spektakulär untergegangen und in der gleichen Branche wie Worldline/Payone unterwegs. Auch Wirecard war einst als Zahlungsdienstleister für das Rotlichtmilieu und Wettanbieter groß geworden.

Mit dem insolventen Zahlungsdienstleister aus München besteht eine bemerkenswerte personelle Verflechtung. Jörg Brand hatte im Mai 2020 als Vorstand bei der Wirecard Bank angeheuert und diese nach dem Zusammenbruch abgewickelt. Seit Juni 2022 war er bei Equens Worldline tätig, das in der Folge des Zukaufs der Schweizer Six Payment Services entstanden ist.

Das Unternehmen ist eine Tochter von Worldline und ein Schwesterunternehmen von Payone. Er agiert dort seit Mai 2023 als Board Member und Deputy Head. Laut Worldline liegt der Hauptfokus seiner Aufgaben im Bereich Produktentwicklung, Implementierung und Vertrieb an Finanzinstitute.

Aufsichtsbehörde Bafin involviert

Schon vor einiger Zeit sind Aufsichtsbehörden auf Payone aufmerksam geworden: Die Finanzaufsicht Bafin hatte Payone im Juli 2023 „wegen hoher Geldwäscherisiken und gravierender Defizite in der Geldwäscheprävention“ untersagt, Transaktionen für bestimmte Geschäftskunden durchzuführen, die dem Hochrisikoportfolio angehören.

Belgische Behörden ermitteln nun gegen die dortige Niederlassung von Worldline. Die schwedische Finanzaufsichtsbehörde hat das Unternehmen jüngst zu einer Sitzung einberufen. Worldline erklärte darauf, dass es „die Einleitung einer Untersuchung wegen Geldwäsche anerkennt“ und kooperiere.

Worldline beauftragt Accuracy mit Prüfung

Worldline teilt mit, man habe, insbesondere seit 2023, die Anforderungen an Händler erhöht. Nach einer Aufsichtsmaßnahme der Bafin im Jahr 2023 habe Payone zahlreichen Händlern gekündigt, „die nicht mehr den regulatorischen Erwartungen oder aktualisierten internen Standards entsprachen“. Worldline hat auch die Finanzberatung Accuracy mit einer Prüfung seines Portfolios an Hochrisikokunden beauftragt. 

Payone schreibt, man habe 2023 im Zuge der Bafin-Prüfung umgehend Maßnahmen ergriffen, um diese Geschäftsbeziehungen sowohl mit Partnern als auch mit Händlern, die in Deutschland tätig sind, zu beenden. Um die „aufsichtsrechtlichen Feststellungen angemessen und wirksam umzusetzen“, habe Payone sofortige Verbesserungen an „ihrem Risikorahmenwerk, ihrer Governance-Struktur und ihrem Kontrollumfeld“ vorgenommen.

Jakob Eich ist Redakteur der Fachzeitungen FINANCE und DerTreasurer des Fachverlags F.A.Z Business Media, bei dem er auch sein Volontariat absolviert hat. Der gebürtige Schleswig-Holsteiner ist spezialisiert auf die Themen Digitalisierung im Finanzbereich und Treasury.