Wie Gea sein Working Capital entrümpelte

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Der Maschinen- und Anlagenbauer Gea hatte lange mit sich selbst zu kämpfen: Zahlreiche Gewinnwarnungen, schlecht integrierte Zukäufe und ein versemmelter Konzernumbau ließen die Profitabilität und den Aktienkurs zwischen 2016 und 2019 einbrechen. Vor allem der IT-Wildwuchs bereitete dem Treasury Probleme: „Wir hatten in der Spitze zwischen 80 und 90 Enterprise-Resource-Planning-Systeme. Das hat uns gelähmt“, sagt Geas langjähriger Treasury-Chef Bernd Becker rückblickend.

Gea-Treasury vernachlässigt wichtige Hebel

Unter unklaren Zuständigkeiten litt letztlich auch das Net Working Capital Management. Kam das Nettoumlaufvermögen, gemessen am Umsatz, Ende 2014 noch auf solide 9,4 Prozent, kletterte der Wert bis September 2019 auf den unrühmlichen Höhepunkt von 19,2 Prozent. „Wir haben eigentlich alle Hebel vernachlässigt“, ergänzt Alexander Kocherscheidt, Head of Group Finance bei Gea: „Offene Zahlungen einzutreiben war ein Problem, Vorräte wuchsen unkontrolliert.“

Finanzmanager Kocherscheidt ging das Thema als Projektverantwortlicher mit seinem Team schnell an – und definierte zwei Ziele: Bis Ende 2019 wollte Gea das Net Working Capital „merklich“ reduzieren. Mittelfristig peilte man bei der NWC-Quote einen Wert zwischen 12 und 14 Prozent an.

Den Gea-Finanzern ging es vor allem darum, das Thema Net Working Capital bei den zahlreichen regionalen Einheiten präsenter zu machen. Als besonders wertvoll beschreibt Kocherscheidt die regelmäßigen Jour-fixe-Termine mit den lokalen Verantwortlichen. „Net Working Capital ist kein Finanzprojekt, der Hebel liegt letztlich in den Einheiten“, sagt er. „Der Vertrieb verhandelt die Zahlungsziele, die Lagerhaltung muss dafür sensibilisiert werden, dass Sicherheitsvorräte nicht immer sinnvoll sind, auch wenn der Konzern viel Liquidität hat.“

Working Capital ist kein Finanzprojekt

Intern werden die Telefonate deshalb „Cash is King“-Calls genannt. Erfolge stellten sich schnell ein: Ende 2019 lag die NWC-Quote – nur wenige Monate nach Projektbeginn – bereits bei 14 Prozent im Zielkorridor. Waren die Ziele also zu niedrig gesteckt? „Nein. Das hat uns selbst überrascht. Das war harte und vor allem hartnäckige Arbeit“, entgegnet Kocherscheidt. In den Halbjahreszahlen 2021 konnte Gea die NWC-Quote sogar auf 8,3 Prozent drücken. „Wir ziehen jetzt nach und geben ein Ziel zwischen 8 und 10 Prozent aus.“

Die ganze Geschichte zum Gea-Treasury, inklusive Informationen zur Finanzierungs- und M&A-Strategie, können Sie in der Titelgeschichte von DerTreasurer 03/2021 nachlesen.

Jakob Eich ist Redakteur der Fachzeitungen FINANCE und DerTreasurer des Fachverlags F.A.Z Business Media, bei dem er auch sein Volontariat absolviert hat. Der gebürtige Schleswig-Holsteiner ist spezialisiert auf die Themen Digitalisierung im Finanzbereich und Treasury.