Im Markt für Hybridanleihen bewegt sich was. Durch die starken Zinssteigerungen der vergangenen Monate ist es für einige Emittenten unattraktiv geworden, diese Anleihen zu „callen“. Zum Hintergrund: Hybridanleihen haben unendliche oder sehr lange Laufzeiten. Sie werden aber in der Regel nach fünf bis sieben Jahren vorzeitig zurückgezahlt. Warum? Dann ist eine Erhöhung der Zinsen („Step-up“) gesetzt, wodurch der Kupon steigt, was in normalen Zeiten für den Emittenten unattraktiv ist.
Doch die Zeiten sind nicht normal. Zuletzt gab es mehrere Unternehmen, die ihre nachrangigen Anleihen zum Call-Termin nicht zurückgezahlt haben, sondern diesen möglichen Kündigungstermin verstreichen lassen haben. Dazu zählt beispielsweise Aroundtown, ein Konzern mit Fokus auf Büro-, Hotel- und Gewerbeimmobilien und operativem Sitz in Berlin-Tegel.
Begründet wurde die Entscheidung damit, dass eine Rückzahlung wegen stark gestiegener Refinanzierungskosten „unökonomisch“ sei. „Den Call-Termin verstreichen zu lassen ist bei Hybriden grundsätzlich möglich“, meint Ingo Nolden, Co-Head European Corporate DCM bei HSBC. Allerdings sei es ratsam, eine proaktive Kommunikation mit dem Kapitalmarkt zu pflegen, um Überraschungen zu vermeiden.
Abwägung zwischen Aktionären und Investoren
Laut Nolden habe im Falle von Aroundtown weniger das Verstreichen-Lassen der Call-Termine bei einigen Investoren zu Irritationen geführt, sondern die Kommunikation an die Investoren. „Der Markt hatte bereits erwartet, dass der Konzern nicht callt. Überraschend kam allerdings ein Hinweis des Unternehmens, im Rahmen der Anleihebedingungen auch die Möglichkeit zu haben, Kuponzahlungen auszusetzen. Diese Option ist bei Hybridanleihen ebenfalls möglich, aber in der Regel wird nur im äußersten Fall davon Gebrauch gemacht.“ Die Investoren waren offensichtlich aufgrund dieser Kommunikation überrascht und die Kurse der Hybridanleihen des Unternehmens brachen nach diesem Hinweis drastisch ein. Sie notieren derzeit zwischen 30 und 40 Prozent des Nennwerts.
Noldens Meinung nach könne es durchaus sinnvoll sein, den Call-Termin verstreichen zu lassen. „Es ist immer einer Abwägungsfrage zwischen Interessen der Equity- und der Debt-Holder.“ Für Aktionäre könnte es unter Umständen vorteilhaft sein, wenn ein Unternehmen beschließe, eine Hybridanleihe nicht zu callen, um höhere Kosten für eine neue, ähnliche Anleihe zu vermeiden – besonders da die Finanzierungskosten im Zuge der Zinswende erheblich gestiegen seien. Dies treffe die Immobilienbranche verstärkt, da die Zinsbelastungen einen wesentlichen Kostenfaktor für diesen Sektor ausmachen.
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Eva Brendel ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Ihr Themenschwerpunkt ist Unternehmensfinanzierung.

