Der Autovermieter Sixt hat erstmals ein Rating eingeholt. S&P bewertet das Unternehmen „BBB“ mit stabilem Ausblick. „Wir haben ein Rating nie kategorisch ausgeschlossen und hatten auch keine grundsätzliche Ablehnung dagegen, was aber bei Unternehmen ohne Rating gern so interpretiert wird“, stellt Franz Weinberger, Leiter des Bereichs Corporate Finance von Sixt, klar.
Foto: SixtSchon seit etwa zehn Jahren habe Sixt die Vor- und Nachteile eines Ratings betrachtet. „In der Vergangenheit haben die Nachteile – also vor allem die transaktionsbezogenen Kosten – überwogen. Seit 2020 haben wir festgestellt, dass nicht-geratete Bonds deutlich seltener geworden sind, und seither ist auch der Spread-Unterschied zwischen Bonds von Unternehmen mit und ohne Rating größer geworden“, sagt Weinberger.
Dieser Unterschied zeigt sich deutlich bei der aktuellen Bondemission von Sixt. Das Unternehmen hat eine geratete Anleihe mit fünfjähriger Laufzeit und einem Volumen von 500 Millionen Euro platziert. Der Spread betrug 128 Basispunkte. Bei der vorherigen Bondemission im Juni 2023 lag der Spread bei 215 Basispunkten – bei einer sogar kürzeren Laufzeit von vier Jahren. „Wir haben natürlich mit einem Unterschied gerechnet, aber, dass dieser so deutlich ausfällt, hat uns schon überrascht“, sagt Weinberger.
Sixt: Neue Investoren wegen Rating
Auch das Orderbuch übertraf mit über 2,4 Milliarden Euro das vorherige Orderbuch in Höhe von rund 600 Millionen Euro um ein Vielfaches. „Bei unserer aktuellen Emission haben uns viele Investoren gesagt, dass sie uns seit langem folgen und nun wegen des Ratings erstmals investieren konnten.“
Zudem habe Sixt neue Investorenkreise ansprechen können, da es sich bei der jüngsten Anleihe neben der Besonderheit des Ratings auch erstmals um eine Benchmark-Anleihe handelte, berichtet der Corporate-Finance-Leiter.
„Wir haben mit einem Unterschied gerechnet, aber, dass dieser so deutlich ausfällt, hat uns schon überrascht.“
Weg bis zum Rating
Die ersten Planungen für das Rating liegen schon länger zurück, berichtet Weinberger. Sixt habe schon seit einiger Zeit ein Schatten-Rating in der Schublade gehabt – wie lange genau, will der Finanzleiter nicht verraten. Nur so viel sagt er: Der Prozess bis zum Confidential Rating habe etwa drei bis vier Monate gedauert.
Für S&P als Ratingagentur hat sich Sixt aus mehreren Gründen entschieden: „S&P deckt die Autovermieterbranche gut ab, wir wollten eine der größten und, auch wegen unseres starken US-Footprint, international anerkannten Ratingagenturen. Auch die Methodologie hat uns überzeugt“, sagt Weinberger. Die Kosten des Ratings selbst seien überschaubar. „Die Kosten, die jeweils bei den Transaktionen anfallen, fallen demgegenüber viel mehr ins Gewicht.“
Veränderung durch Basel-III-Regulatorik
Für ein Rating sprechen Weinberger zufolge zwei Entwicklungen. „Wir stellen schon seit 2020 fest, dass Investoren am Bondmarkt zurückhaltender sind bei Emittenten ohne Rating“, sagt er. „Das ist nachvollziehbar, da Risikoeinschätzungen für Investoren bei gerateten Unternehmen leichter sind.“ Bei Unternehmen ohne Ratings müssten Analysten mehr Zeit aufwenden und die Berichte auch regelmäßig selbst updaten.
Laut Weinberger wird sich zudem etwas anderes mittelfristig auswirken: die Basel-III-Regulatorik. „Laut dem EU-Kommissionsentwurf würden nicht-geratete große Unternehmen abgestraft, da sie automatisch als BB angesehen werden“, sagt der Finanzleiter. „Dieses Vorhaben wird voraussichtlich bis 2032 schrittweise umgesetzt, was sich auf nicht-geratete Unternehmen unserer Größe stark auswirken wird.“
„Investoren am Bondmarkt sind bei Emittenten ohne Rating zurückhaltender.“
Finanzierung diversifizieren
Weinberger ist aber der Meinung, dass Banken Risiken auch ohne Rating gut einschätzen können. „Banken haben uns im Bereich BBB+ bewertet, daraus wird bei den angelsächsisch geprägten Ratingagenturen wegen unserer Unternehmensgröße im Vergleich zu größeren Mitbewerbern BBB. So haben wir von S&P ein sogenanntes Anchor-Rating von BBB+ erhalten und erst aufgrund der Comparable Rating Analysis wird daraus unser finales Rating von BBB.“
Für die Zukunft hat sich Sixt vorgenommen, die stark diversifizierte Finanzierung weiter aufrechtzuerhalten. „Wir werden weiterhin Frequent Issuer am Schuldscheinmarkt sein, aber werden uns noch häufiger mit Anleihen am Kapitalmarkt präsentieren“, sagt Weinberger. Auch Bankfinanzierungen und Commercial-Paper-Programme sollen weiterhin ein wichtiger Teil des Finanzierungsmixes bleiben.
Eva Brendel ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Ihr Themenschwerpunkt ist Unternehmensfinanzierung.

