EnBW sammelt 4,1 Milliarden Euro ein

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Der Energiekonzern EnBW war in den vergangenen Tagen äußerst aktiv, wenn es um die Beschaffung von frischem Kapital geht. Insgesamt 4,1 Milliarden Euro konnten die Karlsruher in den vergangenen sieben Tagen einsammeln.

Zuletzt platzierte EnBW eine neue grüne Hybridanleihe im Volumen von 500 Millionen Euro. Das gab das Unternehmen am gestrigen Montag in einer Pressemitteilung bekannt. Das Orderbuch des neuen Bonds soll nach Angaben des Konzerns in der Spitze bei stolzen 5 Milliarden Euro gelegen haben.

Die Ratingagenturen Moody’s und S&P bewerten die Hybridanleihe mit „Baa2“ beziehungsweise „BBB–“ und rechnen die Hybridanleihe zur Hälfte als Eigenkapital an. Dies wirke sich positiv auf die Rating-relevanten Finanzkennzahlen der EnBW aus, heißt es seitens des Konzerns.

„Vor dem Hintergrund unseres Ziels, solide Investment-Grade-Ratings zu erhalten, sind hybride Finanzierungsinstrumente ein wichtiges Element unserer Kapitalstruktur“, so Marcel Münch, Senior Vice President Finanzen, Mergers & Acquisitions und Investor Relations bei EnBW. „Unser angestrebtes Hybridvolumen liegt unverändert bei 2,5 Milliarden Euro.“ Mit dem neuen Bond haben die Karlsruher nun aktuell sogar Hybridanleihen in Höhe von 3 Milliarden Euro ausstehend.

Emissionserlöse fließen in grüne Projekte

Die grüne Hybridanleihe hat eine Laufzeit von 30 Jahren. Der anfängliche Kupon beläuft sich auf 4,5 Prozent. Erstmalig zurückzahlen kann EnBW die Hybridanleihe im April 2034. Als Joint Global Coordinators und Joint Structuring Advisers waren HSBC, Natwest und Société Générale an der Transaktion beteiligt. Barclays, Helaba, ING und MUFG waren als Active Bookrunners dabei.

Die Erlöse aus der neuen Anleihe sollen nun gemäß den Kriterien des Green Financing Framework von EnBW ausschließlich in klimafreundliche Projekte investiert werden. Hierzu zählen nach Angaben des Konzerns Solarparks, Onshore- und Offshore Windparks, Schnellladestationen für Elektrofahrzeuge sowie der Ausbau der Netzinfrastruktur.

Damit kommt das Kapital dem milliardenschweren Investitionsprogramm des Energiekonzerns zugute. Zwischen 2024 und 2030 plant EnBW Bruttoinvestitionen in Höhe von bis zu 50 Milliarden Euro in den klimaneutralen Umbau des Energiesystems. Dabei sollen allein von 2025 bis 2027 fast 26 Milliarden Euro bereitgestellt werden. Ein Großteil dieser Milliarden soll in den Ausbau der Übertragungs- und Verteilernetze, den Neubau von Wind- und Solaranlagen, wasserstofffähige Gaskraftwerke, das geplante Wasserstoffkernnetz sowie den weiteren Ausbau der Elektromobilität fließen.

Neues Darlehen mit italienischer Garantie

Dieser enorme Investitionsbedarf will finanziert werden. Auch deshalb hat EnBW nach eigenen Angaben in der vergangenen Woche einen neuen Kredit über 500 Millionen Euro aufgenommen.  Das Darlehen läuft sieben Jahre und wird von einem Bankenkonsortium bestehend aus BBVA, BNP Paribas und Commerzbank zur Verfügung gestellt. Das Besondere: 80 Prozent des Kreditbetrags, zuzüglichen Zinsen, sind mit einer Garantie der italienischen Exportkreditagentur „SACE“ besichert. Zudem sieht der Darlehensvertrag eine Kooperation des Einkaufsbereichs von EnBW mit SACE vor, die der Förderung und Vertiefung von Geschäftsbeziehungen mit italienischen Lieferanten dient.

Das neue Darlehen des Energiekonzerns ist ein KPI-linked Loan. Es ist laut EnBW an dieselben Nachhaltigkeitsziele gekoppelt wie die syndizierte Kreditlinie des Konzerns in Höhe von 2 Milliarden Euro aus dem Jahr 2024. Neben der Reduzierung der Scope-1- und Scope-2-CO2-Emissionen nahmen die Karlsruher damals zum ersten Mal auch einen Reduzierungspfad für Scope-3-CO2-Emissionen als Kriterium im Kreditvertrag auf. Zudem enthält das Darlehen ein Ziel, das den Anteil EU-Taxonomie-konformer Investitionen umfasst.

Milliardenschwere Kapitalerhöhung von EnBW

Zusätzlich zu den durch die Hybridanleihe und den neuen Kredit eingesammelten 1 Milliarde Euro, spülte eine in der vergangenen Woche abgeschlossene Kapitalerhöhung dem Energiekonzern weitere 3,1 Milliarden Euro in die Kassen. Die Bezugsrechtskapitalerhöhung hatten die Karlsruher bereits Ende Juni angekündigt. Insgesamt wurden rund 53,6 Millionen neue Aktien zu einem Preis von je 58 Euro verkauft.

Auch dieses Kapital soll für das milliardenschwere Investitionsprogramm des Konzerns genutzt werden. Mit den so innerhalb weniger Tage eingesammelten 4,1 Milliarden Euro, kommt EnBW den ambitionierten Investitionsplänen für die Energiewende also ein ganzes Stück näher.

Lea Teckentrup ist Redakteurin bei DerTreasurer und FINANCE. Zuvor arbeitete sie als Wirtschaftsjuristin im Bereich Debt Capital Markets in einer internationalen Großkanzlei. Sie hat Wirtschaftsrecht im Bachelor und im Master an der Universität Osnabrück sowie an der Universität Siegen studiert.