Bald keine Cut-off-Zeiten mehr?

18.12.14 08:00

Swift mit System für Echtzeitzahlungsverkehr

Von Desiree Backhaus

Zahlungsverkehr in Echtzeit ist bislang noch die Ausnahme. Mit der Ankündigung des Finanznachrichtendienstleisters Swift, ein solches System in Australien einzuführen, könnte das Thema an Fahrt gewinnen. Davon würden auch Treasurer profitieren. Doch die EZB warnt.

In Australien können Zahlungen bald in Echtzeit abgewickelt werden. Weitere Länder sollen folgen.

Backyard Production/iStock/Thinkstock/Getty Images

In Australien können Zahlungen bald in Echtzeit abgewickelt werden. Weitere Länder sollen folgen.

Swift schlägt ein neues Kapitel im Zahlungsverkehr auf: Der Finanznachrichtendienstleister hat gemeinsam mit zwölf australischen Banken eine Lösung für inländischen Echtzeitzahlungsverkehr im Retailgeschäft entwickelt. Die neue Infrastruktur schafft einen Kommunikationskanal, der es den teilnehmenden Banken ermöglicht, auf 24-Stunden-Basis an sieben Tagen in der Woche Nachrichten auszutauschen sowie das Clearing und Settlement der Zahlung durchzuführen.

Zwar liegt der Fokus zunächst auf dem Einzelhandel und dem Massenzahlungsverkehr. Mit dieser neuen Technologie werden Banken Echtzeitzahlungsverkehr aber auch ihren Firmenkunden für B2B-Zahlungen anbieten können, teilte Swift auf Anfrage von DerTreasurer mit. Verschiedene Studien – darunter etwa der jährliche Payments-Report von Capgemini und der Royal Bank of Scotland sowie ein Bericht von BNY Mellon – hatten zuletzt festgestellt, dass immer mehr Unternehmen 24/7-Echtzeitzahlungsverkehr nachfragen. Für Treasurer gäbe es dann keine lästigen Cut-off-Zeiten mehr, um eine taggleiche Ausführung ihrer Zahlungsaufträge sicherzustellen.

EZB will Harmonisierung des Echtzeitzahlungsverkehrs

Swift will die neue Infrastruktur, die 2017 in Australien den Betrieb aufnehmen soll, auch auf andere Länder ausweiten: „Echtzeitzahlungsverkehr ist eine globale, strategische Priorität für Swift“, erklärte Juliette Kennel, Head of Market Infrastructures bei Swift in Brüssel. Aktuell betreiben nach Angabe des Finanznachrichtendienstleisters etwa 15 Länder Echtzeitzahlungssysteme, dazu gehören das britische Faster Payments System oder das gerade in Dänemark eingeführte RealTime24/7-System. Weitere acht Länder haben laut Swift mit dem Aufbau begonnen haben oder stellen entsprechende Überlegungen an. Deutschland gehört derzeit allerdings nicht dazu.

Angesichts der Vielzahl nationaler Entwicklungen springt jetzt auch der Regulator auf das Thema an: Man wolle eine Fragmentierung des Echtzeitzahlungsverkehrs vermeiden, erklärte EZB-Direktoriumsmitglied Yves Mersch. Stattdessen solle man Vorteile aus der durch Sepa geschaffenen Harmonisierung des Euro-Zahlungsverkehrs ziehen, so Mersch. Das Ende 2013 gegründete europäische Zahlungsverkehrskomitee Euro Retail Payments Board (ERPB), Nachfolger des Sepa-Councils, wird sich deshalb den Echtzeitszahlungsverkehr auf die Agenda nehmen.

Backhaus[at]derTreasurer.de