Kritik an Zahlungsverzugsverordnung

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Die Europäische Kommission will eine Änderung bei der Regulierung von Zahlungszielen durchsetzen und hat im Herbst vergangenen Jahres einen Entwurf vorgelegt. Demnach sollen Unternehmen ihre Rechnungen im Geschäftsverkehr ausnahmslos spätestens nach 30 Tagen bezahlen müssen. Diese Regel soll auch für B2B-Transaktionen gelten.

Bei solchen Transaktionen gab es bisher häufig vertragliche Sonderregeln. Nach Ablauf der 30-Tage-Frist sollen automatisch Verzugszinsen anfallen. Mitgliedsstaaten sollen zudem sogenannte Durchsetzungsbehörden einrichten, die die Vorgänge überprüfen sollen.

Laut Experten der SEB ist die EU-Zahlungsverzugsverordnung ein extrem unterschätztes Thema. Wenn sich die Regelung so durchsetze, werde das signifikante Auswirkungen auf die Liquiditätssituation vieler Unternehmen haben, die bei ihren Lieferanten bisher längere Zahlungsziele hatten.

Was wird aus Supply-Chain-Finance-Anbieter?

Auch Markus Federau, Senior Lecturer (Finance & Controlling) an der Fachhochschule Vorarlberg, warnt davor, dass die neue Regelung erhebliche Auswirkungen auf den Finanzierungsbedarf von Unternehmen haben könnte. Zwar könnte sich ein Kompensationseffekt auf der Forderungsseite ergeben, wenn nicht nur die Unternehmen, sondern auch die Kunden gezwungen werden, schneller zu bezahlen. Jedoch sei das je nach Branche schwierig durchzusetzen.

Sollte hier jedoch ein Ungleichgewicht bestehen, könnte dies negative Auswirkungen haben: „Die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen könnten sich überproportional reduzieren. Damit wird das Net Working Capital erhöht“, so Federau, der mehr als zehn Jahre in verschiedenen Finanzpositionen bei der Porsche SE sowie der ZF Group arbeitete.

Zudem könnte sich laut Federau der Free Cashflow verschlechtern, insbesondere in dem Jahr der Umstellung auf die verkürzten Zahlungsziele. Weiter könnten die Unternehmen einen zusätzlichen Finanzierungsbedarf haben, der möglicherweise durch höhere Finanzschulden gedeckt werden muss. Das hätte auch Folgen auf Finanzierungs- und Rating-KPIs wie den Financial Leverage.

Federau empfiehlt Unternehmen daher, jetzt schon die eigene Bilanz und die vereinbarten Zahlungsziele zu prüfen, um mögliche Auswirkungen zu simulieren und frühzeitig Maßnahmen zu ergreifen. Zudem merkt er einen anderen Punkt an: „Auch wird es spannend sein, wie sich die Änderungen auf Supply-Chain-Finance-Programme auswirken werden.“ Denn solche Anbieter seien besonders durch Programme mit langen Zahlungsziele attraktiv.

s.backhaus[at]dertreasurer.de

Autorenbild Sarah Backhaus

Sarah Backhaus ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, Transformation, Zahlungsverkehr und Cash Management.