Von Geopolitik bis Realtime Treasury: Was Treasurer aktuell bewegt

Artikel anhören
Artikel zusammenfassen
Teilen auf LinkedIn
Teilen per Mail
URL kopieren
Drucken

Neue Technologien, veränderte Anforderungen im Zahlungsverkehr und ein schwierigeres geopolitisches Umfeld beschäftigen derzeit viele Treasury-Abteilungen. Beim „14. Cash Management Campus“ in Köln diskutierten über 170 Treasury-Experten darüber, wie Unternehmen darauf reagieren sollten. Den Auftakt bildete eine Diskussionsrunde mit Andrej Ankerst (BNP Paribas), Peter Schädelbauer (NIQ/GfK) und Derk Wetzold (Covestro).

Hier wurde deutlich, dass politische Risiken für Treasury-Abteilungen nicht mehr als Ausnahmefall gelten. Entscheidend ist demnach weniger die Frage, ob sich Krisen vermeiden lassen, sondern wie Unternehmen handlungsfähig bleiben. Für Covestro-Treasurer Derk Wetzold bedeutet das vor allem, stärker in Szenarien zu denken und mögliche Entwicklungen frühzeitig durchzuspielen.

Wie unmittelbar sich politische Entwicklungen auf Finanzentscheidungen auswirken können, zeigte Treasurer Schädelbauer am Beispiel des Börsengangs von NIQ/GfK. Wegen der Diskussionen um mögliche Zölle musste das Unternehmen das Timing seines IPOs anpassen. Die Vorbereitung sei ein bloßes „Herantasten“ gewesen.

Für Treasurer bedeutet das Umfeld eine zusätzliche Herausforderung: Risiken treten selten isoliert auf und lassen sich oft nur im Zusammenspiel politischer, wirtschaftlicher und marktbezogener Faktoren bewerten. Neben internen Risikoteams können deshalb auch Netzwerke aus Analysten und Experten helfen, Entwicklungen besser einzuordnen, waren sich die Experten einig.

BMW arbeitet am Realtime Treasury

Oliver Brecheisen ist Leiter Treasury Governance,
Enabling und Operations bei der BMW Group. Foto: F.A.Z. Business Media/Johannes Jost

Wie stark sich das Cash Management durch Echtzeitprozesse verändert, zeigte der Praxisvortrag von Oliver Brecheisen und Christian-Max Ullrich von BMW. Der Konzern stellt seinen Zahlungsverkehr im Euroraum auf SEPA Instant Payments um und hat auch im globalen Zahlungsverkehr Lösungen entwickelt, um Geld nahezu in Echtzeit zu transferieren.

Für BMW steht dabei nicht allein die verfügbare Liquidität im Vordergrund, sondern vor allem deren Beweglichkeit. „Nicht die Höhe der Liquidität ist entscheidend, sondern die Schnelligkeit, in welcher wir sie transferieren können“, sagte Ullrich. Der Konzern skizziert eine Zukunft, in der Geld rund um die Uhr bewegt werden kann. Noch ist das keine Realität, doch der Autokonzern stellt bereits die Weichen.

Datenqualität als Grundlage  

Dass der Einsatz neuer Technologien im Treasury zunächst bei den Grundlagen beginnt, zeigte der Vortrag von André Pointke (Miele) und Jens Kretschmar (PwC). Der Hersteller von Haushaltsgeräten nutzt SAP S/4 Hana inzwischen unter anderem für Cash Management und Risk Management. Der Zahlungsverkehr ist über TIS integriert. Künftig soll in diesem Set-up auch KI zum Einsatz kommen.

Treasurer Pointke machte jedoch deutlich, dass eine KI-Transformation Zeit braucht. Bevor KI-Anwendungen in der Datenanalyse sinnvoll eingesetzt werden könnten, müssten zunächst die Grundlagen stimmen: „Daten müssen aus verschiedenen Systemen integriert, verlässlich aufbereitet und in einer Struktur verfügbar sein, mit der Cash Manager arbeiten können. Fehlt diese Basis, bringt auch die beste Anwendung keinen Mehrwert”, betonte Pointke.

BASF entwickelt eigenes KI-Tool

Joanna Scheinker ist für Financial Planning bei
BASF verantwortlich. Foto: F.A.Z. Business Media/Johannes Jost

Wie KI im Treasury bereits praktisch eingesetzt werden kann, zeigte Joanna Scheinker, am Beispiel des Chemiekonzerns BASF. Der Konzern hat mit dem „Algorithm-Based Cashflow Forecast“ ein eigenes Tool entwickelt, mit dem der Sechsmonats-Liquiditätsplan automatisiert erstellt wird.

Das Modell greift nicht nur auf historische Cashflow-Daten zurück, sondern bezieht auch weitere Indikatoren ein. Dadurch erreiche es eine hohe Prognosequalität, sagte Scheinker. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass der Einsatzbereich begrenzt ist: Geeignet sei das Tool vor allem für Sachverhalte, die sich regelmäßig wiederholen und aus der Historie bekannt sind.

Neue Anforderungen im Zahlungsverkehr

Auch regulatorische und technische Anforderungen standen auf der CMC-Agenda. Dass etwa die Anforderungen im Zahlungsverkehr weiter steigen, berichtete Björn Scharfschwerdt (Deloitte). Er sprach über strukturierte Adressdaten in Zahlungsnachrichten. Hintergrund ist, dass E-Rechnungspflicht, ISO 20022 und verschärfte Tax Compliance den Anpassungsdruck erhöhten. Damit wachse auch der Abstimmungsbedarf zwischen verschiedenen Unternehmensbereichen, erläuterte Scharfschwerdt.

Cyrille Oudard, Business Value Advisory Director EMEA bei Kyriba, sprach ebenfalls über KI und Realtime Treasury, legte den Schwerpunkt jedoch vor allem auf die Frage, wie Treasurer und CFOs der KI im täglichen Doing vertrauen können – Stichwort „Trusted AI“.  Während Echtzeitdaten zunächst für mehr Transparenz sorgten, gehe es aus seiner Sicht vor allem darum, daraus mehr Kontrolle über Cashflows und bessere Entscheidungsgrundlagen zu gewinnen.

In dem abschließenden On-Stage-Interview griff Martin Postweiler, COO von Fin API, die Potentiale von Stablecoins im Zahlungsverkehr auf. Diskutiert wurde, welche Rolle sie künftig im Corporate Treasury spielen könnten. Während einige Teilnehmer skeptisch hinsichtlich der Akzeptanz waren, sieht Postweiler perspektivisch im Cross-Border-Bereich einen echten Use Case.