Berliner Agentur breitet sich im Leitindex aus

27.04.17 12:03

Scope ratet mit Daimler sechstes Dax-Unternehmen

Von Sabine Paulus

Scope macht den US-Ratingagenturen zunehmend im Dax Konkurrenz. Mit Daimler haben die Berliner nun das sechste Dax-Unternehmen geratet. Weitere dürften folgen.

Die Ratingagentur Scope hat mit Daimler ein weiteres Dax-Unternehmen bewertet.

Daimler

Die Ratingagentur Scope hat mit Daimler ein weiteres Dax-Unternehmen bewertet.

Die Ratingagentur Scope wird im Dax immer präsenter: Wie die Berliner Agentur heute mitteilte, hat sie nun auch den Autobauer Daimler, seine finanzierenden Tochtergesellschaften und die unter dem Euro-Medium-Term-Note-Programm begebenen Anleihen bewertet. Daimler wird auch von den drei großen US-Agenturen S&P, Moody’s und Fitch geratet. Das langfristige Rating für den Daimler-Konzern, seine Finanzierungsgesellschaften und die emittierten Bonds sehen die Ratinganalysten von Scope bei A. Der Ausblick ist stabil. Das kurzfristige Emittentenrating der Daimler AG liegt bei S-1.

Die Analysten begründen ihre Einschätzung mit der starken Marktposition, die der deutsche Autobauer in seinen Schlüsselgeschäftsfeldern Mercedes-Benz Cars und Daimler Trucks innehat sowie mit der starken geographischen Diversifikation des Autobauers nach Ländern und Produkten. Das starke Finanzrisikoprofil und die große finanzielle Flexibilität sind für Scope weitere Gründe für die sehr gute Bewertung.

Einschränkungen für das Rating sehen die Analysten in den hohen zyklischen Risiken, insbesondere im Nutzfahrzeuggeschäft. Auch der hohe Investitionsbedarf – unter anderem für Forschung und Entwicklung – sowie die technologischen Risiken, denen die Automobilwirtschaft unterliegt, seien limitierend für die Bonität.

Scope bewertet Daimler auf gleichem Niveau wie S&P und Moody's

Damit sieht Scope Daimler auf dem gleichen Niveau wie die die beiden US-Ratinghäuser Standard & Poor’s und Moody’s. S&P beurteilt den Autobauer ebenfalls mit A, Moody’s bewertet den Dax-Konzern mit A2, bei beiden Agenturen ist der Ausblick stabil. Lediglich bei Fitch steht Daimler mit einer Bonitätsnote von A-, (Ausblick ebenfalls stabil) um eine Stufe schlechter da.

Auf Anfrage von DerTreasurer erklärte eine Unternehmenssprecherin, dass Daimler derzeit alle vier Ratings behalten wolle. Die Mehrheit der Dax-Unternehmen stellt ihren Investoren nur zwei externe Bonitätseinschätzungen zu Verfügung. Die Konzerne scheuen den administrativen Aufwand und die hohen Kosten für weitere Ratings, deren zusätzlicher Nutzen mit jeder weiteren Agentur tendenziell abnimmt.

Scope sagt S&P, Moody’s und Fitch den Kampf an

„Mit Daimler konnten wir ein weiteres global aufgestelltes Industrieschwergewicht von unserem Rating-Ansatz überzeugen“, sagt Scope-Ratings-CEO Torsten Hinrichs, der bis zu einem Wechsel vor zweieinhalb Jahren 15 Jahre Deutschlandchef von S&P war.

Scopes Bewertungskriterien weichen von der Methodik der großen US-Häuser etwas ab: Scope unterscheidet sich von den US-Ratingagenturen insbesondere dadurch, dass die Berliner die Pensionsrückstellungen anders bewerten als die US-Konkurrenten. Je nachdem, wie hoch das im Unternehmen angelegte Pensionsvermögen relativ zur jährlichen Pensionszahlung ist, und wie transparent Unternehmen das Pensionskapital offenlegen, rechnet Scope nur Teile der nicht über einen Fonds finanzierten Rentenverpflichtungen als Schulden an.

Auch hohe Liquiditätsbestände sollen die US-Agenturen indirekt bestrafen, wie Scope-Gründer und Gruppen-CEO Florian Schoeller im vergangenen Jahr gegenüber FINANCE, einer Schwesterpublikation von DerTreasurer, erklärte.

Sechs Dax-Mandate hält Scope in der Hand

Mit dem Daimler-Mandat kann Scope sein sechstes Dax-Rating vorweisen. Seit vergangenem Sommer hat die Berliner Agentur schon Linde, BASF, Merck, die Deutsche Lufthansa und die Commerzbank bewertet. Weitere Dax-Mandate sollen folgen: „Es ist unser klares Ziel, über alle Asset-Klassen hinweg die europäische Alternative in der bislang angelsächsisch dominierten Rating-Welt zu sein“, sagte Hinrichs im Sommer vergangenen Jahres bei der Verkündung des Erstratings für Linde.

Für diese ehrgeizige Strategie hat Scope in den vergangenen Jahren weitere Büros aufgebaut und seine Analyseteams deutlich ausgebaut. Hinrichs hatte nach seinem Weggang von S&P einige alte Weggefährten zur Berliner Agentur geholt, darunter auch den renommierten Unternehmensrating-Spezialisten Olaf Tölke. Im vergangenen Jahr verstärkte sich Scope auch noch mit einem Zukauf: Im August 2016 hatten die Berliner die Übernahme von Feri Eurorating Services abgeschlossen.

Paulus[at]derTreasurer.de

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