Roland MaussOryx Stainless hat eine Credit Facility über 125 Millionen Euro refinanziert. Der Edelstahlschrotthändler aus Dordrecht/Mülheim an der Ruhr löst damit vorzeitig seine laufende Kreditlinie ab, die bei 80 Millionen Euro lag.
Das Besondere ist: Es handelt sich um eine sogenannte Borrowing-Base-Finanzierung, mit der vor allem „das Umlaufvermögen der europäischen Konzerngesellschaften und Sicherheitsleistungen im Zusammenhang mit Rohstoffabsicherungsgeschäften“ finanziert werden, wie es in einer Pressemitteilung heißt. „Wir setzen bereits seit 2008 auf Borrowing Base“, erklärt Finanzvorstand Roland Mauss. „Das Modell hat sich für uns über viele Jahre hinweg bewährt, weil wir damit gut die schwankenden Rohstoffpreise finanzieren können.“
Info
Roland Mauss ist seit 1997 CFO bei Oryx Stainless und etablierte dort schon vor Jahren ein Borrowing-Base-Finanzierungsmodell.
„Volatile Preise sind uns nicht fremd“
Dem CFO zufolge hat Oryx Stainless schon frühzeitig – Ende 2021 – damit angefangen, die Finanzierung neu aufzusetzen. Im Hinterkopf hatte Mauss dabei neben dem Umsatzwachstum die sich anbahnende Zinserhöhung und das unsichere Makroumfeld.
Doch infolge des Ukraine-Kriegs kam es im Frühjahr 2022 zu enormen Preiserhöhungen bei Nickel und anderen Rohstoffe sowie Verwerfungen an der London Metal Exchange (LME): So stieg der Preis für eine Tonne Nickel von rund 20.000 US-Dollar zu Jahresbeginn auf über 45.000 Dollar Anfang März. Inzwischen hat sich der Kurs bei 22.000 Dollar wieder stabilisiert. „Volatile Preise sind uns nicht fremd, auch in der Vergangenheit waren sie schon mal auf dem heutigen Niveau – oder deutlich niedriger“, erinnert sich Mauss.
Angesichts der davontrabenden Preise im Frühjahr 2022 musste Oryx Stainless Margin Calls der Broker und Banken bedienen und Geld als Sicherheit hinterlegen. „Nach den Verwerfungen am Nickelmarkt haben wir damals schon eine Reservelinie über 25 Millionen Euro bei unseren Banken gesichert, die wir jetzt bei irrationalen Kursentwicklungen in der Hinterhand haben“, sagt Mauss. Der Abschluss dieser Reservelinie geschah noch, bevor die neue, zuvor schon geplante Finanzierung in trockenen Tüchern war. „Das hat den Prozess etwas verzögert“, räumt Mauss ein. Die zusätzlichen 25 Millionen Euro seien nun aber auch Teil des neuen Deals geworden. Den ganzen Artikel lesen Sie in unserem E-Magazin.
Markus Dentz ist Chefredakteur von DerTreasurer und der Fachzeitschrift FINANCE. Seine journalistischen Schwerpunktthemen sind Unternehmensfinanzierung, Restrukturierung und Treasury.
