Am Markt für Treasury Management Systeme (TMS) mangelt es nicht an Wettbewerb, ganz im Gegenteil. Die etablierten Größen wie Coupa, Ion oder FIS dominieren das Geschäft. Sie verfügen über erhebliche Entwicklungskapazitäten und eine breite Kundenbasis.
Und doch wagen sich immer wieder neue Anbieter in dieses umkämpfte Feld, die ebenfalls ihren Anteil vom Markt abhaben möchten. Sie positionieren sich häufig mit innovativen Technologieansätzen und richten sich oft an spezielle Kundengruppen. DerTreasurer stellt die wichtigsten Akteure vor.
GTreasury: Mit Ripple auf Disruptionskurs
Ein Neuling ist das erste Haus in dieser Reihe sicherlich nicht: GTreasury blickt auf rund 40 Jahre Erfahrung im TMS-Markt zurück. In Deutschland spielte der US-amerikanische Anbieter jedoch lange nur eine untergeordnete Rolle. Vor wenigen Monaten übernahm der US-Konzern Ripple das TMS-Haus und bereitete damit den Einstieg der Amerikaner in den Treasury-Markt vor. Erst kürzlich wurde das Produkt Ripple Treasury, powered by GTreasury, auf den Markt gebracht.
Das Unternehmen plant, auch im deutschsprachigen Raum stärker zu wachsen. Gökhan Nazenin, Regional Sales Director DACH & CEE bei GTreasury, erklärte im Gespräch mit DerTreasurer im November: „Wir haben unsere personellen Kapazitäten verstärkt und wollen vor allem mittelständische Unternehmen ansprechen, nicht die großen Konzerne.“ Das Unternehmen fokussiert sich auf Firmen mit einem Umsatz von mindestens 200 Millionen Euro und bis zu 5 Milliarden Euro. Zuletzt konnte der Softwarekonzern die Treasury-Expertin Meltem Develioglu für sich gewinnen.
Neben klassischen Treasury-Themen setzen die Partner Ripple und GTreasury auch auf Blockchain-Technologie. Derzeit baut Ripple zudem ein eigenes Swift-Netzwerk auf, wie Nazenin verriet. Ripple verfügt bereits über eine bestehende Infrastruktur, die es ermöglicht, internationale Zahlungen rund um die Uhr in Echtzeit abzuwickeln.
Mit der finanziellen Power von Ripple und einem innovativen Technologieansatz kommen GTreasury und Ripple mit einem starken Angebot auf den DACH-Markt. Doch trotz dieser Voraussetzungen wird es eine Herausforderung sein, den etablierten Anbietern Marktanteile abzunehmen. Auch diese werden auf die neuen Angebote reagieren, wenn das Produkt von Ripple Treasury bei den Kunden gut ankommt.
Pleo: Soft Launch im Treasury-Markt
Vor genau einem Jahr kündigte das Softwarehaus Pleo seinen Einstieg in den Treasury-Markt an. Damals gab der Finanzsoftwareanbieter bekannt, seine Produktpalette um eine Cash-Management-Lösung zu erweitern. Pleo ist fokussiert darauf, dass Treasury-Abteilungen liquide Mittel, die nicht benötigt werden, über ein Anlagekonto verwalten können, auf dem eine monatliche Rendite erzielt wird. „Außerdem reduzieren wir mit unseren Multiwährungskonten, dem integrierten Währungstausch und der Multiwährungskarte Ihre Devisengebühren“, heißt es weiter.
Einen groß angelegten Angriff auf die Konkurrenz plant Pleo jedoch nicht. „Wir gehen mit einer gewissen Demut an die Sache heran“, sagte Amit Kahana, Head of Credit, Treasury und Cash Management Offering bei Pleo, im Gespräch mit DerTreasurer. Zunächst wurde die Treasury-Suite für bestehende Pleo-Kunden ausgerollt, die das Angebot optional hinzubuchen konnten. „Wir möchten Unternehmen zunächst dabei unterstützen, ihre bestehenden Prozesse zu automatisieren“, so Kahana. Für Neukunden soll das Produkt im Laufe dieses Jahres verfügbar werden.
Die Zielgruppe von Pleo sind kleinere und mittelgroße Unternehmen mit einem Umsatz zwischen 15 Millionen und 100 Millionen Euro. „Für diese Unternehmen war das Treasury lange wenig entwickelt und oft in der Buchhaltung angesiedelt. Wir nehmen jedoch eine stärkere Professionalisierung wahr“, erklärte Kahana. „Viele dieser Unternehmen haben mittlerweile eine ausgeprägte Treasury-Funktion. Sie benötigen Tools, die ihre Arbeit effizient unterstützen.“
Embat: Neuling aus Spanien
Im Sommer vergangenen Jahres trat auch das spanische Softwarehaus Embat in den deutschsprachigen Markt ein und eröffnete ein Büro in München. Andri Schrey und David Vortmeyer leiten seitdem das Geschäft in der DACH-Region.
Embat wurde 2021 von ehemaligen Führungskräften von JP Morgan gegründet und hat Büros in Madrid und London. Der Fokus der Software liegt auf einer transparenten und konsolidierten Echtzeitübersicht der Liquidität. Dazu gehört eine automatisierte Plattform mit einem integrierten KI-Analysten namens „Tell Me“. Dieser KI-Analyst erstellt laut Embat etwa Analysen, erkennt Anomalien und gibt Handlungsempfehlungen. Zusätzlich bietet Embat die klassischen Treasury-Lösungen für Zahlungsverkehr und Cash Management an.
Laut Embat nutzen bereits über 300 europäische Unternehmen die Software. Zu den Kunden zählen unter anderem der Logistiker Sennder Technologies, das Frankfurter Tech-Unternehmen Northern Data, die Supermarktkette Veganz sowie der Industriekonzern Siemens. Embat spricht also ähnliche Zielgruppen an wie die etablierten TMS-Anbieter. Marktteilnehmer berichten, dass Embat inzwischen als ernstzunehmende Konkurrenz wahrgenommen wird.
Treasuryview: Kleiner Anbieter mit kurzem Onboarding
Treasuryview ist ein vergleichsweise kleiner Anbieter im TMS-Markt, der sein Angebot kürzlich überarbeitet hat. Das Unternehmen, gegründet und geführt vom Esten Margo Karp, konzentriert sich vor allem auf kleinere Unternehmen. Treasuryview ist auf Finanzrisikomanagement spezialisiert und bietet keine Lösungen für Cash Management oder Zahlungsverkehr an. Die Anwendung richtet sich laut Karp vor allem an Unternehmen, die Bedarf an der professionellen Handhabung von Darlehens-, FX– oder Rohstoffmanagement haben.
Das Unternehmen will sich von der Konkurrenz durch ein unkompliziertes Onboarding abheben: Interessierte Unternehmen können sich über einen Webbrowser anmelden und das Tool 30 Tage kostenlos testen. Treasuryview ist zudem über den offiziellen SAP Store erhältlich.
Jakob Eich ist Redakteur der Fachzeitungen FINANCE und DerTreasurer des Fachverlags F.A.Z Business Media, bei dem er auch sein Volontariat absolviert hat. Der gebürtige Schleswig-Holsteiner ist spezialisiert auf die Themen Digitalisierung im Finanzbereich und Treasury.

