Der deutsche Leveraged-Buy-out-Markt spürt die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs, der steigenden Energie- und Materialkosten sowie der Inflation. Im dritten Quartal wurden in Deutschland nur 31 Transaktionen abgeschlossen. Das sind 28 Prozent weniger als im zweiten Quartal 2022, wie aus dem MidCap Monitor von Houlihan Lokey hervorgeht. Allerdings sei der LBO-Markt von April bis Juni mit 43 Transaktionen auch „sehr stark“ gewesen, betont die Investmentbank.
Houlihan Lokey analysiert seit 2013 LBO-Finanzierungen mit Kreditvolumen zwischen 20 Millionen und 500 Millionen Euro. 45 Prozent der Transaktionen im dritten Quartal haben Banken finanziert, den Rest Debt-Fonds. Das zeige, dass die Kreditinstitute auch unter herausfordernden Umständen offen für Geschäft blieben, zieht Houlihan Lokey als Fazit. Allerdings ziehen sich auch einige Banken derzeit aus dem riskanten Leveraged-Finance-Geschäft zurück. Wenn man sich die ersten neun Monate dieses Jahres anschaut, haben die alternativen Kreditgeber 58 Prozent der Transaktionen finanziert, 42 Prozent die Banken.
Branchen Software, Tech und Healthcare bleiben im Fokus
„Die Liquidität und der Deal-Fluss im deutschen LBO-Markt haben sich im dritten Quartal etwas reduziert, und die Kreditgeber fokussieren sich auf ausgewählte Branchen und resiliente Credits“, so Norbert Schmitz, Managing Director in Houlihan Lokeys Capital Markets Group, zu DerTreasurer.
Die Branchen Software und Tech sowie Healthcare, die wenig von den wirtschaftlichen Negativeffekten betroffen sind, seien dabei gefragt: Diese Schlüsselbranchen seien im dritten Quartal „weitgehend stabil geblieben“, betont die Investmentbank. Software- und Tech-Deals machten 26 Prozent aus, Healthcare 24 Prozent. „Diese Branchen repräsentieren auch rund die Hälfte der Deals in den ersten neun Monaten 2022“, sagt Schmitz weiter. Dort werde auch immer noch aggressiv finanziert. In den anderen Sektoren ginge hingegen Finanzierungssicherheit vor Finanzierungsoptimierung. „Der deutsche MidCap-LBO-Markt bleibt resilient und ist deutlich weniger volatil als die Kapitalmärkte.“
Auf Jahressicht geht Houlihan Lokey von einem positiven Ergebnis aus. „2022 wird nach 2021 voraussichtlich das zweitbeste Jahr am deutschen LBO-Markt seit Beginn unserer Analyse werden“, sagt Thorsten Weber, Head of Sponsor Finance DACH bei Houlihan Lokey. Er geht von 140 bis 150 Transaktionen insgesamt aus. Insbesondere das „sehr starke“ erste Halbjahr habe dazu beigetragen, sagt Weber.
Sabine Paulus ist Redakteurin bei DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Finanzierung, Fintechs sowie Personal und Organisation im Treasury.

