Die Hintergründe zum neuen Schuldschein von Claas

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Der Landmaschinenhersteller Claas hat erstmals nach fast dreieinhalb Jahren wieder den Schuldscheinmarkt angezapft. Die 350 Millionen Euro schwere Transaktion wurde in drei Tranchen mit Laufzeiten von 3,25 Jahren, 5,25 Jahren und 7,25 Jahren begeben und bietet Investoren sowohl fixe als auch variable Verzinsungskomponenten. Jeweils 100 Millionen Euro entfielen auf die kurz- und langlaufende Tranche, die mittlere über 5,25 Jahre wurde mit 150 Millionen Euro etwas übergewichtet.

„Wir freuen uns sehr, dass der Schuldschein vielfach überzeichnet war und wir das ursprünglich anvisierte Volumen von 150 Millionen Euro mehr als verdoppeln konnten“, sagt Claas-Treasury-Chefin Verena Westrup-Alfermann im Gespräch mit DerTreasurer. Positiv überrascht habe sie insbesondere auch die hohe Nachfrage von Sparkassen und Volksbanken, zu denen Claas als Familienunternehmen traditionell enge Beziehungen pflegt. Während sich Sparkassen 36 Prozent des Gesamtvolumens sicherten, entfielen auf Volksbanken 8 Prozent.

Claas-Schuldschein beliebt bei Sparkassen

Dies sei Mitte 2022, als das Unternehmen aus Harsewinkel erste Sondierungen für seinen neuen Schuldschein vornahm, so nicht absehbar gewesen. Da sich das Depot-A- Management aufgrund der Zinswende zunehmend anspruchsvoller gestalte, hätten sich viele Institute damals noch zurückhaltend geäußert, erinnert sich Westrup. „Im Zuge der Platzierung war davon nun aber erfreulicherweise gar nichts mehr zu spüren.“ Weitere 47 Prozent des Darlehensbetrags gingen an allgemeine Geschäftsbanken, die ihren Sitz mehrheitlich außerhalb von Europa haben.

Keine Details gibt Claas zum Pricing bekannt. Gegenüber DerTreasurer lässt sich Treasurerin Westrup aber immerhin entlocken, dass man an der unteren Schwelle der vorab kommunizierten Vermarktungsspanne herausgekommen sei. Klar ist aber auch: An die geradezu paradiesischen Konditionen ihres zweiten Schuldscheins aus dem Jahr 2020 (der erste stammt aus dem Jahr 2015) wird Claas nicht herangekommen sein: Die damals, quasi auf dem Höhepunkt der Niedrigzinsphase, platzierten Darlehen hatte Claas mit Kupons von lediglich 0,60 und 0,75 Prozent versehen müssen.

Der Bedarf für den jetzt neu emittierten Schuldschein ergab sich laut Westrup zum einen infolge einer im November 2022 fällig gewordenen Privatplatzierung in den USA, deren Refinanzierung im laufenden Jahr mittels teilweiser Ziehung eines syndizierten Loans überbrückt wurde. Zum anderen ist die Transaktion Ausdruck der zuletzt guten Geschäftsentwicklung von Claas. „Je höher unsere Orderbücher, desto größer ist unser unterjähriger Liquiditätsbedarf“, erklärt die Treasurerin.

Um dies besser verstehen zu können, müsse man sich das stark zyklische Geschäftsmodell von Claas vergegenwärtigen: Um eine möglichst gleichmäßige Auslastung der Fabriken sicherzustellen, baut Claas seine Produkte ganzjährig. Die Auslieferung, insbesondere mit Blick auf die Erntemaschinen, erfolgt dann schwerpunktmäßig in den Monaten Juni und Juli. Bezahlt werden die Harsewinkeler anschließend überwiegend im August und September, also sobald die Landwirte ihre Ernte eingefahren haben.

Treasury eng verknüpft mit Erntezyklus

„Das Claas-Treasury ist also sehr eng mit dem Erntezyklus verknüpft. Dies impliziert einen starken Working Capital Swing, der entsprechend vorfinanziert werden muss“, so Westrup. Und momentan sei dieser aufgrund der hohen Nachfrage besonders ausgeprägt. Die frischen Gelder des Schuldscheindarlehens kämen Claas da also gelegen. Insgesamt fuße das Fremdfinanzierungsprofil des Landmaschinenproduzenten auf vier Säulen: Schuldscheindarlehen, einem ABS- Programm, bilateralen Linien sowie einer syndizierten Kreditfazilität über insgesamt 500 Millionen Euro als Back-up.

Bei Letzterer habe man kürzlich die erste Verlängerungsoption (Mitte 2026) gezogen, berichtet Westrup. Damit sei Claas erstmal sehr gut gerüstet. Bis zum nächsten Auftritt am Schuldscheinmarkt könnte also wieder etwas Zeit ins Land gehen.

Claas-Treasury treibt hohes Wachstum um

Die zuletzt gute Geschäftsentwicklung beschäftigt Westrup und ihr Team im Übrigen weit über den neuen Schuldschein hinaus: Das Umsatzniveau von Claas lag viele Jahre bei rund vier Milliarden Euro. Seit zwei Jahren wurde das Wachstumstempo deutlich erhöht und erreichte 2022 fast 5 Milliarden Euro – Tendenz weiter steigend, so Westrup. „Damit einher geht natürlich die wichtige Frage, ob wir als Treasury- Abteilung gut aufgestellt sind für dieses kräftige Wachstum.“

Die wird sie sicher auch mit Claas-CFO Henner Böttcher diskutieren, der als ehemaliger Heidelberg-Cement-Treasurer das Thema „zyklisches Geschäftsmodell“ gut kennt. Intensiv prüfen Westrup und ihre sechs Mitarbeiter zudem derzeit Systeme und Prozesse auf etwaiges Automatisierungspotential.

hafner[at]dertreasurer.de

Philipp Hafner ist Redakteur bei DerTreasurer und FINANCE. Er hat Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth sowie an der University of Amsterdam studiert. Zuvor arbeitete Philipp Hafner mehr als sechs Jahre bei der Verlagsgruppe Knapp/Richardi, zunächst als Volontär, anschließend dann als Redakteur für die Fachzeitschrift „Immobilien & Finanzierung“.