Die Zinsen für Unternehmenskredite sind wieder auf über 4 Prozent gestiegen, da Banken die Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) kaum an ihre Firmenkunden weiterreichen. Das zeigt eine Analyse des Beratungshauses Fox Corporate Finance (FCF) für das zweite Quartal 2025.
Laut FCF nimmt die Kreditbereitschaft der Institute ab – insbesondere gegenüber Unternehmen mit schwacher Bonität oder aus risikobehafteten Branchen wie Bau, Maschinenbau oder Automotive. Für Firmen mit solider oder mittlerer Bonität – also im Investmentgrade- oder Crossover-Segment – bleiben Finanzierungen zwar verfügbar, allerdings zu spürbar höheren Kreditmargen.
Kreditzinsen verharren auf gleichem Niveau
Trotz der Zinssenkungen der EZB hätten die Banken die dadurch erzielten Ersparnisse kaum weitergegeben, so FCF. Vielmehr verharren die Unternehmenskreditzinsen seit Monaten auf einem stabilen bis leicht steigenden Niveau.
„Wir erleben derzeit einen Kreditmarkt, der trotz Leitzinssenkungen kaum Entlastung für mittelständische Unternehmen bietet“, erklärt Kai Frömert, Managing Director Mittelstand bei FCF. „Wer in den nächsten zwölf bis 24 Monaten Refinanzierungsbedarf hat, sollte nicht abwarten, sondern jetzt handeln – auch wenn die Konditionen härter sind als noch vor einem Jahr.“
„Kreditmarkt bietet kaum Entlastung für den Mittelstand.“
Kai Frömert, FCF Fox Corporate Finance
Nach vier Jahrzehnten kontinuierlich sinkender Kreditzinsen habe sich der Trend endgültig umgekehrt. Zwischen August 2022 und August 2025 seien die durchschnittlichen Unternehmenskreditzinsen in Deutschland um rund 160 Basispunkte gestiegen – von etwa 2,5 Prozent auf prognostizierte 4,1 Prozent. Zwar hat die EZB seit Juni 2024 acht Leitzinssenkungen vorgenommen (von 4,5 Prozent auf 2,15 Prozent). Auf die tatsächlichen Unternehmenskreditzinsen habe dies jedoch nur begrenzten Einfluss gehabt. Stattdessen nutzten die Banken die Senkungen, um ihre Margen auszuweiten, erläutert Frömert.
Akuter Handlungsbedarf
Zwar liegt die Inflation im Euro-Raum inzwischen wieder nahe dem Zielwert von 2 Prozent. Doch die Kerninflation bleibt mit 2,3 bis 2,5 Prozent leicht erhöht, wie FCF betont. In 14 von 20 Ländern der Euro-Zone liegt sie sogar noch über dem Ziel. Hinzu kommen geopolitische Unsicherheiten – etwa die Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump –, die das europäische Wachstum belasten.
Für Unternehmen mit auslaufenden Kreditverträgen entstehe dadurch akuter Handlungsdruck: Finanzierungen mit kurzen Restlaufzeiten sollten frühzeitig und langfristig abgesichert werden, rät FCF.
Jakob Eich ist Redakteur der Fachzeitungen FINANCE und DerTreasurer des Fachverlags F.A.Z Business Media, bei dem er auch sein Volontariat absolviert hat. Der gebürtige Schleswig-Holsteiner ist spezialisiert auf die Themen Digitalisierung im Finanzbereich und Treasury.

