Krisen und Working Capital begünstigen ABS-Markt

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Über 15 Jahre liegt der Ausbruch der Finanzkrise inzwischen zurück. Die Schuldigen waren damals schnell ausgemacht. Neben gierigen Bankern rückte vor allem die Verbriefung – gemeinhin als „Teufelszeug“ tituliert – in den Fokus. „Im Eifer des Gefechts geriet die gesamte ABS-Branche in Verruf, obwohl gerade in Deutschland damit stets grundsolide die Realwirtschaft finanziert wurde“, erinnert sich Sascha Chevalier, Verbriefungsexperte bei der LBBW.

Vertrauenslust belastet ABS-Markt bis heute

An dem damals erlittenen Vertrauensverlust hat der Markt bis heute zu knabbern. Immerhin: Bei Verbriefungen von Handelsforderungen, Leasing- sowie Loan-Forderungen konnte hierzulande laut dem Lobbyverband TSI zuletzt meist ein jährliches Wachstum im hohen einstelligen Prozentbereich registriert werden.

TSI schätzt das europäische Marktvolumen auf knapp 196 Milliarden Euro. Chevalier beobachtet für das Segment der verbrieften Handelsforderungen (ABCP) gerade von deutschen Firmenkunden steigendes Interesse: „Das hat in den vergangenen zwei, drei Jahren erneut stark an Fahrt aufgenommen.“

ABS laut LBBW-Banker Chevalier ‚bulletproof‘

Die Gründe seien vielfältig, nicht zuletzt die multiplen Krisen hätten in den Finanzabteilungen aber für eine kleine Renaissance des Instruments gesorgt: „Es hat sich als absolut ‚bulletproof‘ erwiesen. Ich begleite das Thema nun seit über 22 Jahren, und sowohl unser Haus als auch die Investoren des von der LBBW gesponsorten Weinberg-Vehikels haben in dieser Zeit keinen Cent im Rahmen einer ABCP-Transaktion verloren“, wirbt Chevalier.

Darüber hinaus sei das Thema aber auch im Zuge des Comebacks von Working Capital Management sowie der Zinswende zurück auf die Agenda vieler Corporates gerückt. Im Vergleich zu Factoring etwa sei ein ABS-Programm in der Implementierungsphase zwar teuer. Langfristig – sprich im laufenden Betrieb – amortisierten sich aber die Kosten für das Aufsetzen eines Programms. Dann sei ein ABS-Programm in der Regel preislich attraktiver oder könne mindestens mithalten, so Chevalier.

Handelsforderungen dominieren ABS-Markt

Thematisch bildeten hierzulande wie gewohnt Verbriefungen über forderungsbesicherte Wertpapiere den Schwerpunkt, wobei insbesondere Handelsforderungen sowie Forderungen unterlegt mit Autokrediten beziehungsweise Leasingforderungen zum Einsatz kämen. „Der Bezug zur Realwirtschaft ist also immer gegeben“, betont Manfred Waldrich, Head Securitisation Grundsatzfragen & Conduit Management bei der LBBW.

Dem Zeitgeist entsprechend hat der Markt längst auch das Thema Nachhaltigkeit ins Auge gefasst. Die LBBW begleitete hier Ende vergangenen Jahres etwa den Hamburger Chemiehändler Biesterfeld, der sein ABCP-Programm erstmals an ESG-Kriterien koppelte. Außerdem wurde in 2022 das erste grüne Weinberg-ABCP begeben, welches Investoren Zugang zu einer innovativen grünen Anlagemöglichkeit im Bereich kurzer Laufzeiten bietet.

hafner[at]dertreasurer.de

Philipp Hafner ist Redakteur bei DerTreasurer und FINANCE. Er hat Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth sowie an der University of Amsterdam studiert. Zuvor arbeitete Philipp Hafner mehr als sechs Jahre bei der Verlagsgruppe Knapp/Richardi, zunächst als Volontär, anschließend dann als Redakteur für die Fachzeitschrift „Immobilien & Finanzierung“.