Das sind die Top-Banken im Firmenkundengeschäft 2025

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Schon zehn Monate – und bald ein Jahr: So lange zieht sich der Übernahmekrimi mit der Commerzbank bereits hin. Zuletzt zeigte sich Widerstand gegen die Transaktion, besonders aus Regierungskreisen. Doch noch immer ist offen, wie die Übernahme ausgehen wird. Denn Anfang Juli wurde bekannt, dass Unicredit Derivate in direkte Anteile wandelt und mit 20 Prozent zum größten Aktionär aufsteigt – der Bund hält hingegen 12 Prozent.

Und die weitergehende Frage ist: Halten CFOs und Treasurer aus Unternehmen der Commerzbank in der schwierigen Lage die Stange? Oder orientieren sie sich schon strategisch weg von der gelben Bank am Frankfurter Kaiserplatz?

Einblicke in die Gedankenwelt der Corporate-Finance-Spezialisten gibt der aktuelle Banken-Survey von FINANCE und F.A.Z. Business Media | research. 250 Finanzentscheider haben daran in diesem Jahr im April und Mai teilgenommen. Unter den Befragten sind 89 Treasurer, womit sie 36 Prozent der Teilnehmer stellen. Weitere häufige Positionen sind Leiter Finanzen (25 Prozent) und CFOs (23 Prozent). Eine sonstige Position bekleiden 6 Prozent der Befragten. Keine Angabe zu ihrer Rolle haben 3 Prozent gemacht.

Commerzbank auf Rang 1

Um die Frage nach der Stellung der Commerzbank im Übernahmekrimi zu beantworten: Die Finanzentscheider geben ihr trotz spezieller Situation Rückendeckung. Sie zieht sogar an der Deutschen Bank vorbei, die in den Vorjahren die Spitzenposition im Ranking einnahm und jetzt auf Rang 2 landet. Auch im für Treasurer zentralen Cash Management ist die Bank als führend eingeschätzt. Andere starke Bereiche von Firmenkundenvorstand Michael Kotzbauer sind der Mittelstand, die Kreditvergabe und ESG.

Das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Deutsche Bank in vielen Kategorien weiter top ist. Insgesamt konnte das Institut im Jahr 2025 drei Bereiche gewinnen: das DCM-Geschäft, das ECM-Geschäft und im Bereich Handels- und Exportfinanzierungen. Damit wiederholt das Institut die Siege aus dem Vorjahr und bestätigt erneut seine Produktexpertise in diesen Segmenten.

Außerdem landet die Deutsche Bank in acht von elf Einzelkategorien auf dem Siegertreppchen – eine Bilanz, die nicht einmal die Commerzbank als diesjährige Siegerin aufweisen kann. Auffallend: Die Probleme bei der IT-Integration der Postbank scheinen endgültig verdaut, im Service-Level ging es für die Deutsche Bank um viele Plätze nach oben.

Hypovereinsbank/Unicredit verteidigt Platz 3

Auf dem dritten Platz hat sich die Hypovereinsbank/Unicredit festgesetzt, die ebenfalls in vielen Produktkategorien unter den ersten drei ist. Das zeigt, was für eine Macht durch eine potentielle Fusion entstünde, wenn Andrea Orcel die Münchener mit der Frankfurter Commerzbank zusammenbrächte.

Allerdings fürchten Finanzentscheider weniger Kreditengagements, wenn die beiden zusammengingen. „Banken mit Fokus auf das Mittelstandsgeschäft sind eher dünn gesät. Durch eine Zusammenlegung gehen Kredit-/Bilanzvolumen und Preiswettbewerb verloren“, schreibt ein Treasurer, in einer Freitextantwort des Surveys.

Treasurer beurteilen Fusionspläne unterschiedlich

Größere Unternehmen und Konzerne sehen hingegen Vorteile für den europäischen Wirtschaftsraum. Etwa sechs von zehn Befragten bewerten den Schritt mit Blick darauf als (sehr) positiv, wobei besonders die großen Konzerne die Vorteile am häufigsten nennen. Stark international aufgestellte Unternehmen erhoffen sich Synergieeffekte innerhalb Europas, wenn ein „relativ großer und breit vernetzter Bankenpartner für Firmenkunden entstehen würde“, so ein Befragter.

Zudem resümiert ein Treasurer: „Aus europäischer Sicht sehe ich es als eine Stärkung unseres Finanzplatzes, wenn sich ein potentielles Gegengewicht zu den amerikanischen Finanzhäusern bildet.“

LBBW stärkste Landesbank

Unabhängig vom Fusionsgeplänkel zwischen Unicredit und Commerzbank positioniert sich die LBBW aus Stuttgart als stärkste Landesbank auf Rang 4. Sie kann zwei Kategorien – Service-Level und der ESG-Beratung (gemeinsam mit der Commerzbank) – für sich entscheiden. Aber die starke Kraft aus Stuttgart ist nicht die einzige Landesbank in den Top 10: Die BayernLB landet auf Platz 8 und direkt dahinter die Helaba aus Frankfurt auf Rang 9. Auf Nummer 10 findet sich die Hannoveraner NordLB wieder.

Das zeigt, welche starke Kraft die Landesbanken weiterhin im deutschen Firmenkundengeschäft sind und wie sie für einen guten Teil der Kreditversorgung des gehobenen Mittelstands und der Konzerne sorgen. Da soll auch das genossenschaftliche Spitzeninstitut DZ Bank, das ab Anfang August mit Stefan Beismann einen neuen Firmenkundenvorstand bekommt, nicht fehlen. Die Genossen spielen besonders im Mittelstand ihre Stärken aus.

BNP Paribas stark im Cash Management

Daneben spielen internationale Institute eine enorme Rolle für hiesige Treasurer und CFOs. Weiterhin auf Platz 6 steht die BNP Paribas, die Deutschland inzwischen als Heimatmarkt sieht. Sie ist besonders im Cash Management weiter eine Macht und brilliert auch in Investmentbanking-Disziplinen wie ECM-Geschäft und M&A.

Auf Platz 7 findet sich wie im Vorjahr HSBC wieder, der manche einen sinkenden Kredithunger nachsagen. Ihren Stimmenanteil kann die Bank jedoch nicht halten: Er sinkt deutlich von 14 Prozent auf 8 Prozent. Als Rückhalt erweisen sich besonders Konzerne ab 1 Milliarde Euro Jahresumsatz – sie nennen HSBC fast doppelt so häufig (15 Prozent) als führende Firmenkundenbank, verglichen mit allen Finanzentscheidern.

ING gelingt Achtungserfolg

Die Runde der Auslandsbanken in den Top 10 komplettiert die ING. Es sind besonders die umsatzstarken Unternehmen, die die ING als führend sehen. Im Hausbanken-Ranking verteidigt die ING ihren Rang 10 aus dem Vorjahr. Das Highlight für die ING ist die Kategorie aktivste Auslandsbank im Kreditgeschäft mit deutschen Firmenkunden: Die Vorjahreszweite steht nun an der Spitze. Mit einem Mittelwert von 7,71 auf der 10er-Skala – ein Plus von 0,44 Punkten – lässt sie die Dauersiegerin BNP Paribas hinter sich und rückt auf den ersten Platz.

Der FINANCE Banken-Survey 2025

Die gesamten Ergebnisse können Sie hier kostenpflichtig erwerben. Premiumabonnenten von FINANCE erhalten Auszüge davon.

In den Top-Ten steht die ING beim Cash Management, bei der Kreditvergabe, der ESG-Beratung und der Digitalisierung. Die meisten Plätze macht die ING beim Service-Level gut. Damit geht es für die Niederländer mit Firmenkundenchef Eddy Henning vom achten auf den fünften Platz nach vorne. Deshalb sind die Niederländer im aktuellen Survey auch Aufsteiger des Jahres.

Top-US-Banken auf den hinteren Plätzen

Die Top-US-Banken spielen für die breite Masse der Unternehmen hingegen keine Rolle. JP Morgan landet auf Platz 12, Citi auf Rang 14. Diese Institute, die zu den wichtigsten Netzwerkbanken der Welt zählen, kümmern sich speziell um sehr große Mittelständler und die Konzerne.

Aber auch JP Morgan & Co. werden mit Interesse verfolgen, wie sich der Krimi um die Commerzbank verändert. Sollte es wirklich zu der Übernahme kommen, wäre Unicredit der große Konsolidierer im deutschen Banking, verbergen sich doch hinter der Commerzbank, die einst die Dresdner Bank übernommen hat, und der Hypovereinsbank, die selbst aus der Fusion von Bayerischer Vereinsbank und der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank 1998 hervorgegangen ist, nicht weniger als vier Banken.

Markus Dentz ist Chefredakteur von DerTreasurer und der Fachzeitschrift FINANCE. Seine journalistischen Schwerpunktthemen sind Unternehmensfinanzierung, Restrukturierung und Treasury.