Innovatives Finanzierungsinstrument am Privatplatzierungsmarkt

25.09.14 08:30

Rewe mit erstem German Private Placement

Von Sabine Paulus

Klaus Wirbel, Leiter Finanzen bei der Rewe-Zentralfinanz, spricht mit DerTreasurer über das erste German Private Placement eines deutschen Unternehmens.

Rewe mit erstem German Private Placement

Rewe Group

Als erstes deutsches Unternehmen hat der Handels- und Touristikkonzern Rewe ein German Private Placement begeben.

Rewe hat Neuland betreten. Als erstes deutsches Unternehmen hat der Kölner Handels- und Touristikkonzern ein German Private Placement begeben und darüber bei sechs Versicherungsgruppen und Pensionsfonds im Rahmen eines Club Deals 175 Millionen Euro eingesammelt. Mit dem frischen Geld will Rewe eigenen Angaben zufolge intern langfristige Investments refinanzieren. „Während der Vorbereitung zur Umsetzung unserer Finanzierungsstrategie haben wir von der Investorenseite das Signal erhalten, dass Nachfrage nach diesem neuen Finanzierungsinstrument besteht“, sagt Klaus Wirbel, Leiter Finanzen der Rewe Group.

Dokumentation ähnelt der des Schuldscheins

Unter einem German Private Placement ist eine Privatplatzierung nach deutschem Recht zu verstehen, die sich vom Schuldschein durch eine etwas abgeänderte Dokumentation und einen kleineren, anders zusammengesetzten Investorenkreis abgrenzt. Da im Gegensatz zum traditionellen Schuldschein keine breite Vermarktung stattfindet, können die Versicherungen und Pensionsfonds größere Einzeltickets erhalten, und der Emittent bekommt im Vergleich zu einer Anleihe oder zu einem Schuldschein einen überschaubareren Gläubigerkreis. „Es war uns für eine gute Beziehungspflege sehr wichtig, dass wir die einzelnen Investoren persönlich kennen“, sagt Wirbel.

Mit dem neuen Finanzierungsinstrument konnte die Rewe Group nun auch wie gewünscht ihre Investorenbasis verbreitern und eine lange Laufzeit erzielen: „Wir haben bei der festverzinslich begebenen Transaktion ohne Probleme zehn Jahre bekommen“, sagt der Leiter Finanzen. Das sei am traditionellen Schuldscheinmarkt im Moment hingegen eher selten zu sehen. Die Dokumentation, die derjenigen eines Schuldscheins ähnelt, wurde beispielsweise bei Aspekten wie Rating und Übertragbarkeit angepasst, so dass die spezifischen Anforderungen von Versicherungen und Pensionsfonds zum einen und die des Emittenten zum anderen Berücksichtigung fanden.

Die Allianz, die den Arbeitskreis zur Entwicklung des German Private Placements leitet, gehört Unternehmensangaben zufolge zu den Investoren. Bankenseitig hat die HSBC, die ebenfalls Mitglied des Arbeitskreises ist und zu den Kernbanken der Rewe Group zählt, die neuartige Finanzierung des Handelskonzerns begleitet. Zu den restlichen Kapitalgebern wollte sich Wirbel nicht äußern.

Rewe: weitere Finanzierungen denkbar

Auch zu den Konditionen der Transaktion gibt es keine genauen Angaben. Bereits vor einem Jahr hatte Rewe einen siebenjährigen Kredit mit einer Marge von lediglich 70 Basispunkten abgeschlossen. Der Handelskonzern wird seit 2010 von S&P mit einem stabilen „BBB-“-Rating im Investmentgrade bewertet.

Bei der Preisfindung wurden Referenztransaktionen aus dem Schuldschein- und dem Anleihemarkt als Vergleichsbasis herangezogen. Auch nach dem Abschluss dieser innovativen Finanzierung will sich der Leiter Finanzen der Rewe Group noch nicht ruhig zurücklehnen: „Vorausgesetzt wir finden ein geeignetes Marktfenster sind weitere Finanzierungstransaktionen denkbar, auch im Schuldscheinmarkt“, sagt Wirbel. Diese würden sich dann aber in einem anderen Laufzeitenband bewegen.

Paulus[at]derTreasurer.de