Noch läuft die Analyse von DerTreasurer zur Entwicklung des Treasury-Stellenmarkts im zweiten Halbjahr 2023. Was sich aber bereits deutlich abzeichnet: Der in den vergangenen zwei, drei Jahren zu beobachtende Nachfrageüberhang nach Treasury-Spezialisten zementiert sich weiter. Im Umkehrschluss bleiben viele Treasury-Abteilungen personell unterbesetzt.
Das Gehaltsniveau ist unterdessen weiterhin gut: Laut dem FINANCE-Gehaltsreport 2023 verdienten Treasurer in diesem Jahr je nach Berufserfahrung zwischen 48.000 und 130.000 Euro (siehe Tabelle). In einzelnen Fällen, speziell bei Konzernen, können Gehälter auch deutlich höher liegen.
Robert Walters erwartet stagnierende Treasury-Gehälter

Folgt man einem aktuellen Gehaltsausblick der Personalberatung Robert Walters, wird sich das Gros der Treasury-Community im kommenden Jahr allerdings eher mit stagnierenden Gehaltsniveaus begnügen müssen. „Der Trend in den Unternehmen geht eher Richtung Benefits statt zu Gehaltserhöhungen. Dieser Trend fällt in die Krisenprävention“, erklärt Thomas Hartenfels, Senior Director der Region South bei Robert Walters, gegenüber der DerTreasurer-Schwesterpublikation FINANCE. Das Umfeld bleibt also für viele Unternehmen schwierig, deshalb sind sie nicht zu großen Gehaltssprüngen bereit.
Das ist ein Problem, denn bei einem Wechsel erwarten Kandidaten einen deutlichen Lohnzuschlag. Das hat Paul Taaffe beobachtet, der deutsche Unternehmen beim Recruiting von Finanzpersonal bis hin zu CFOs berät. Ihm zufolge sind die Kandidatinnen und Kandidaten infolge von Corona, dem Ukraine-Krieg und der Inflation zuletzt sehr risikobewusst geworden: „Grundsätzlich kann man sagen, dass Leute nicht ohne eine attraktive Gehaltsverbesserung wechseln wollen.“ Unter 20 Prozent wechselten viele seiner Einschätzung nach derzeit nicht – außer sie seien sehr frustriert in ihrer jetzigen Stelle.
Geringe Wechselbereitschaft von Treasury-Spezialisten
Treasury-Personalspezialist Rudolf Schlett von der gleichnamigen Beratung zufolge können offene Positionen oft nicht besetzt werden, da es zu wenige wechselwillige Kandidaten gebe oder schlichtweg die Planstellen fehlten – weil die Gürtel bei den Unternehmen enger geschnallt werden müssten, auch im Treasury. „Es ist teilweise dramatisch, dass viele Projekte mit hoher Dringlichkeit nicht realisiert werden können“, beobachtet Schlett.
Ein Gehaltsplus von 20 Prozent würde die Budgetkapazitäten der meisten Treasury-Abteilungen indes wohl überstrapazieren. Um einen Senior Treasurer abzuwerben, könnten Paul Taaffes Rechnung folgend bis zu 155.000 Euro Jahresgehalt fällig werden.
Zweifellos dürften solche Gehaltssprünge 2024 eher die Ausnahme bleiben. Laut der Personalberatung Robert Walters besteht im kommenden Jahr nur für Interim-Treasurer Aussicht auf ein Plus – und zwar ein durchaus ansehnliches: So schätzt Robert Walters, dass die Tagessätze von derzeit 900 bis 1.300 Euro auf eine Spanne von 1.000 bis 1.500 ansteigen werden.
Bessere Gehaltsperspektiven für Interim-Treasurer
Berater Schlett überrascht das nicht: „Es werden verstärkt Beratungsunternehmen und Interim-Kräfte engagiert, weil Flexibilität das Gebot der Stunde zu sein scheint.“ Dass das Business der Treasury-Beratungen und Treasury-Interim-Manager aktuell brumme wie seit Jahren nicht, sei ein klarer Indikator dafür.
Zumindest für Nachwuchs-Treasurer würden die mauen Aussichten an der Gehaltsfront etwas erträglicher dank mehr (nicht-monetärer) Benefits: „Beratungen wie Unternehmen sind endlich bereit, auszubilden und in Treasury-Juniors zu investieren. Sie haben die Absolventen als Zielgruppe entdeckt, der verstärkt Hospitationen, Praktika, die Betreuung von Bachelor-/Masterarbeiten sowie Einstiegspositionen angeboten werden. Das ist auch ein untrügliches Zeichen, wie eng der Treasury-Arbeitsmarkt momentan ist,“ sagt Schlett.
Dieser Artikel ist in E-Magazin 24/2023 erschienen. Die komplette Ausgabe finden Sie hier.
Philipp Hafner ist Redakteur bei DerTreasurer und FINANCE. Er hat Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth sowie an der University of Amsterdam studiert. Zuvor arbeitete Philipp Hafner mehr als sechs Jahre bei der Verlagsgruppe Knapp/Richardi, zunächst als Volontär, anschließend dann als Redakteur für die Fachzeitschrift „Immobilien & Finanzierung“.

