Nach dem Allzeittief im ersten Quartal 2026 (1 Prozent) stieg der durchschnittliche Prämiensatz bei Kautionsversicherungen im zweiten Quartal leicht auf 1,06 Prozent. Gleichzeitig sanken die Ratinganforderungen deutlich von 4,67 auf 5,60 (Allianz Trade) beziehungsweise von BBB auf BB (S&P-Skala). Der aktuelle Gracher Kautionspreisindex (Gracher KPI) zeigt, dass das Verhältnis von Prämie zu Ratinganforderung seit Beginn der Erhebung im Jahr 2020 so günstig ist wie nie.
„Angesichts steigender Insolvenzzahlen ist diese Entwicklung überraschend“, sagt Alfons-Maria Gracher, Gründer und Geschäftsführer von Gracher. Denn üblicherweise folgt der Markt der Logik: Sinken die Preise, ziehen die Ratinganforderungen an. Dieser Mechanismus ist laut Gracher auch im zweiten Quartal nicht völlig außer Kraft. Doch der Preisanstieg fiel diesmal sehr moderat aus, während die Ratinganforderungen vergleichsweise kräftig sanken.
Bau, Energie und Defence treiben den Markt
Hinter der ungewöhnlichen Entwicklung stecken dem Kautionsdienstleister zufolge die allgemeinen Insolvenzstatistiken: Sie verzerren das Bild auf die Branchen, die Kautionsversicherungen derzeit intensiv nutzen. „Das sind aktuell besonders Energie, Bau, Defence – hier ist der Absicherungsbedarf hoch, weil die Unternehmen zahlreiche Aufträge erhalten,“ erklärt Gracher. Der Bedarf an Neuverträgen in wirtschaftlich schwächeren Branchen wie Automotive oder Maschinenbau war hingegen niedrig.
Die aktuelle Entwicklung spiegelt sich auch in der Statistik wider: Im zweiten Quartal entfiel rund jeder fünfte Neuvertrag auf Erneuerbare Energien. Im Vergleich zum Vorjahr, als der Anteil bei rund 13 Prozent lag, hat sich dieser spürbar erhöht.
Große Nachfrage nach hohen Volumina
Basis der aktuellen Analyse bilden 83 Neuverträge von Kautionsversicherungen im Volumen von 100.000 Euro bis 10 Millionen Euro. Laut Gracher ist das der höchste Wert für ein zweites Quartal seit Beginn der Erhebung im Jahr 2020. Dies sei auch oberhalb des Gracher-KPI-Segments zu sehen: „Seit Jahresbeginn vermitteln wir signifikant mehr Neuverträge als zuvor, deren Volumen deutlich über 10 Millionen Euro liegt,“ sagt Gracher.
Das liege an den anlaufenden Großinvestitionen in Energieinfrastruktur, Defence sowie die IT-Infrastruktur sowie an Private-Equity-Transaktionen wie Carve-outs. Aval-Linien im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich seien keine Seltenheit mehr.
