Uniper steckt wegen der gedrosselten Gaslieferungen in finanziellen Schwierigkeiten.

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13.07.22
Risiko Management

Update: Diese Banken sind bei Uniper engagiert

Steigende Energiepreise und die Drosselung russischen Gases machen Energiekonzernen und -versorgern zu schaffen. Nun ist eine Liste der Banken aufgetaucht, die bei Uniper involviert sind.

Steigender Energiepreisen und die Drosselung russischen Gases machen Energiekonzernen und -versorgern schwer zu schaffen. Gaskonzerne wie Uniper rufen nach Staatshilfen und auch die Stadtwerke warnen vor einer Insolvenzwelle der kommunalen Versorger.

Erst kürzlich rief Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck die Alarmstufe des Notfallplans Gas aus, da eine erhebliche Verschlechterung der Gasversorgung nicht auszuschließen sei. Zuletzt drosselte Russland die Gaslieferungen durch die Pipeline Nord Stream 1 auf 40 Prozent der ursprünglich zugesicherten Menge. Die Begründung des russischen Präsidenten: Unter anderem Verzögerungen der Reparaturarbeiten durch Siemens würden den regulären Gasfluss verhindern. 

Nun steht am 11. Juli eine routinemäßige Kontrolle an der Pipeline Nord Stream 1 bevor. Dies hat zur Folge, dass für zehn Tage kein Gas mehr durch die Pipeline fließen wird. Beobachter fürchten, dass dieser vollständige Gaslieferstopp auch nach den Wartungen anhalten könnte. Ausgang ungewiss, speziell in Zeiten, in denen Putin maximalen Druck auf die EU-Länder ausüben möchte, die seit Kriegsbeginn hinter der Ukraine stehen.

Folgen des Gaslieferstopps für Uniper

Schon jetzt hat die Drosselung der Gaslieferungen erhebliche Auswirkungen. Der Energieversorger Uniper nahm in Folge der verminderten Gaslieferungen seine Ergebnis- und Gewinnziele für das Geschäftsjahr 2022 vergangene Woche zurück und bat die Bundesregierung um Staatshilfe. Das Unternehmen prüfe, wie die Liquidität der Gesellschaft weiter gesichert werden könne, heißt es in einer Mitteilung. Der Kapitalmarkt sieht die ehemalige E.on-Tochter sehr kritisch. Der Aktienkurs hat sich seit Jahresbeginn von 42 Euro auf 15 Euro fast gedrittelt. Bei Kriegsausbruch und jüngst wieder waren Unipers Wertpapiere nahezu im freien Fall. 

Unter anderem spreche man mit der Bundesregierung über mögliche Maßnahmen wie Garantie- und Sicherheitsleistungen, heißt es in der Mitteilung. Eine Erhöhung der aktuell noch nicht in Anspruch genommenen Kreditlinien bei der staatlichen Förderbank KfW, aber auch über Beteiligungen in Form von Eigenkapital seien denkbar. Die Lage ist dringlich: Ökonom Jens Südekum sprach zuletzt von einer möglichen Uniper-Insolvenz als „Lehman-Moment“ für den deutschen Gasmarkt.

Update 13.07.2022:

Der Bloomberg-Journalist Steven Arons hat ausgegraben, welche Banken bei Uniper engagiert sind. Der syndizierte Kredit kommt auf ein Volumen von 1,8 Milliarden Euro. Wie groß die einzelnen Ticketgrößen sind, ist nicht bekannt. Diese 16 Geldhäuser sind bei Uniper involviert:

  • BayernLB
  • BNP Paribas
  • Citi
  • Commerzbank
  • Deutsche Bank
  • Goldman Sachs
  • ING
  • Mizuho
  • Morgan Stanley
  • Santander
  • SEB
  • Société Générale
  • Standard Chartered
  • Sumitomo Mitsui
  • The Bank of Tokyo-Mitsubishi
  • Unicredit

Wirtschaftsministerium arbeitet an Lösungen

Am Montag teilte das Wirtschaftsministerium mit, man arbeite „unter Hockdruck“ an Lösungen wegen der angespannten Lage des Energiekonzerns Uniper. Die Sprecherin Habecks erläuterte, dass der Energiekonzern einen bestehenden KfW-Kreditrahmen über zwei Milliarden Euro bisher nicht gezogen habe. 

Gleichzeitig berichtete die Nachrichtenagentur Reuters, dass die Bundesregierung aktuell an einer Reform des Energiesicherungsgesetzes arbeite. Demnach plant die Bundesregierung die Stützung von Gaskonzernen wie Uniper bis hin zu einem staatlichen Einstieg, der gesetzlich verankert wird. Ziel sei es, sich für eine weiter angespannte Lage auf den Energiemärkten zu wappnen und den Instrumentenkasten zu füllen. Orientieren will man sich an Instrumenten des Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF), der in der Corona-Krise aufgelegt wurde. Der Entwurf soll schon am Freitag in Bundesrat und Bundestag beschlossen werden.

Bisher nutzten einige Energiekonzern KfW-Kredite im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg, beispielsweise nahm der ostdeutsche Braunkohlekonzern Leag im März einen Kredit in Höhe von 5,5 Milliarden Euro auf. Steag beantragte eine Kreditlinie über 400 Millionen Euro, die EnBW-Tochter VNG zog einen Kredit in Höhe von 1 Milliarde Euro.

Stadtwerke in der Krise

Auch die Stadtwerke schlagen Alarm. Sie sind die größte Kundengruppe des Konzerns Uniper. „Bei erheblich reduzierten Gesamtimportmengen nach Deutschland kann die Situation eintreten, dass Gasversorger nicht die langfristig gekauften Gasmengen erhalten, sondern zu den aktuell sehr hohen Großhandelspreisen Ersatz beschaffen müssen“, kommentiert Kerstin Andreae, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Es bestehe in diesem Falle das Risiko, dass Energieversorger diese dann extrem teuren Zukäufe finanziell nicht mehr stemmen und ins Straucheln geraten könnten. Droht hier ein Flächenbrand?

Letztlich wäre so die Gewährleistung der Energieversorgung bedroht, warnt Andreae. Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) schlägt unter anderem ein Insolvenzmoratorium für kommunale Unternehmen vor, um das Versorgungssystem zu stützten.

Im Juni hat der Staat – zusätzlich zu dem bisherigen Maßnahmenpaket zur Abfederung der Folgen des Ukrainekriegs – ein Margining-Finanzierungsinstrument an den Start gebracht, um Energieversorger zu stützen, die von steigenden Preisen betroffen sind. Das Problem: Das Programm soll Unternehmen unterstützen, die an Terminbörsen mit Strom, Erdgas und Emissionszertifikaten handeln. Das ist bei fast allen der rund 800 Stadtwerke nicht der Fall.

Brendel[at]dertreasurer.de

Korrektur: In einer früheren Version des Artikels war davon die Rede, dass eine Börsennotierung Voraussetzung für die Nutzung des Hilfsprogramms sei. Das ist nicht korrekt und wurde entsprechend korrigiert.

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