Treasury ist Technologie. Zumindest zu einem großen Teil – und dieser Anteil dürfte weiterwachsen, nicht zuletzt vor dem Hintergrund rasanter Fortschritte bei Künstlicher Intelligenz, Automatisierung und Themen wie Stablecoins. Vor diesem Hintergrund überrascht es kaum, dass Treasury Management Systeme (TMS) heute zum Standardrepertoire vieler Unternehmen gehören.
Eine aktuelle Umfrage von DerTreasurer („Treasurer-Panel“) unter rund 150 Treasurern bestätigt dieses Bild: Knapp 80 Prozent der Befragten setzen bereits ein TMS ein, rund 20 Prozent hingegen noch nicht. Ein entscheidender Einflussfaktor ist dabei die Unternehmensgröße. Bei Unternehmen mit einem Umsatz von 1 Milliarde Euro oder mehr nutzen fast 90 Prozent ein TMS. In der Gruppe unterhalb dieser Schwelle sind es lediglich 56 Prozent. Oder anders formuliert: Je größer das Treasury, desto höher der Grad an Professionalisierung – und Technisierung.
Welches TMS-wird am meisten genutzt?
Wie die Umfrage zeigt, wird in deutschen Treasury-Abteilungen bevorzugt das TMS von Coupa (ehemals Tm5 von Bellin) eingesetzt. Das System liegt mit deutlichem Abstand an der Spitze (siehe Abbildung unten). Ein wesentlicher Grund für diese Dominanz dürfte sein, dass es dem Anbieter aus Ettenheim gelungen ist, nicht nur Großkonzerne, sondern auch Unternehmen unterhalb der Milliarden-Umsatzgrenze erfolgreich anzusprechen. Gleichwohl liegt auch bei Coupa der Schwerpunkt klar bei den größeren Organisationen.
Mit etwas Abstand folgt die Ion Group. Bemerkenswert ist hier die Vielfalt der angebotenen Lösungen – ein Ergebnis der stark akquisitionsgetriebenen Wachstumsstrategie. Besonders präsent ist ITS, lange Zeit einer der schärfsten Wettbewerber von Bellin und bis heute im gehobenen Mittelstand stark vertreten. Mit der Wallstreet Suite adressiert Ion hingegen das obere Marktsegment und zählt Dax-Konzerne wie Mercedes-Benz oder Henkel zu seinen Kunden.
SAP gilt als kostenintensiv
Deutlich an Boden gewonnen hat in den vergangenen Jahren SAP. Die Walldorfer haben ihr Treasury-Modul unter SAP S/4 Hana konsequent weiterentwickelt und profitieren vom Trend zu integrierten, einheitlichen Prozesslandschaften. Gleichzeitig gilt SAP nach wie vor als kostenintensiv – sowohl in der Lizenzierung als auch in der Implementierung. Hinzu kommen begrenzte Beratungskapazitäten und begrenzte Möglichkeiten, das Treasury-Modul individuell zuzuschneiden. All das sind Faktoren, die das Wachstum bremsen, ohne den grundsätzlichen Reiz des integrierten Ansatzes zu schmälern.

Klar im oberen Marktsegment positioniert ist FIS. Der Anbieter bedient größere Konzerne und bietet mit Quantum und Integrity die früheren Sungard-Lösungen an. Für viele Treasury-Abteilungen im Konzernumfeld oder im gehobenen Mittelstand ist FIS damit eine etablierte, wenn auch spezialisierte Option.
Die nächsten Ränge teilen sich mehrere Anbieter mit durchaus unterschiedlichen Profilen – und einer Gemeinsamkeit: Sie stammen aus dem hohen Norden. Technosis aus Hamburg positioniert sich mit einem klassischen TMS, das insbesondere im Risikomanagement überzeugt. Serrala (ehemals Hanse Orga) aus Norderstedt verfolgt einen breiteren Ansatz und bündelt unter dem Label „Finance Platform“ Lösungen von Payments über Order-to-Cash bis hin zu Treasury-Funktionalitäten – teils als SAP-Add-on, teils ERP-unabhängig.
Welche neuen Anbieter gibt es auf dem TMS-Markt?
Zu den neueren Herausforderern zählt Nomentia, hervorgegangen aus dem Zusammenschluss des ehemaligen SLG-Spin-offs Tipco sowie den finnischen Unternehmen Opus Capita und Analyste. Auch wenn der Name neu ist, handelt es sich keineswegs um einen Newcomer – das Unternehmen befindet sich jedoch noch in der Phase der Neupositionierung.

Mit Kyriba versucht zudem ein internationaler Anbieter, auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen, den er lange Zeit eher gemieden hat – aus Respekt vor der hohen Wettbewerbsintensität. Mit dem Gewinn des Continental-Spin-offs Aumovio als Kunde ist Kyriba jüngst ein Achtungserfolg gelungen. Nun wird sich zeigen, ob weitere Referenzen folgen.
Daneben tummelt sich eine ganze Reihe weiterer Anbieter im Markt: TIS aus Walldorf, spezialisiert auf Zahlungsverkehr, sowie Trinity, Cops, Enventa (ehemals Litreca) oder Omikron wurden ebenfalls genannt. Für Treasurer bedeutet das vor allem eines: Auswahl gibt es genug; die richtige Entscheidung wird dadurch allerdings nicht einfacher.
Interessant ist der Blick auf jene Unternehmen, die bislang noch kein TMS einsetzen. Rund jeder dritte Befragte (31 Prozent) plant innerhalb der nächsten zwölf Monate eine Einführung – sowohl im Segment unterhalb als auch oberhalb der Umsatzmilliarde. Auffällig ist jedoch: Während sich die Lücke bei größeren Unternehmen weiter schließt, bleibt ein erheblicher Teil der kleineren Organisationen auch künftig ohne TMS. Die geplanten Wechsel gehen dabei vor allem zu Nomentia, Litreca und FIS. Marktführer wie Coupa, Ion oder SAP wurden in diesem Zusammenhang nicht genannt – ein bemerkenswertes Signal.
Welche Entwicklungen zeigen sich aktuell am TMS-Markt?

Die Freitextantworten der Umfrage zeichnen das Bild eines Marktes im Umbruch – und nicht unbedingt zum Vorteil der Anwender. Konsolidierung, steigende Preise und eine spürbar nachlassende Servicequalität prägen die Wahrnehmung vieler Treasurer. Nach Übernahmen berichten Kunden von Performance-Problemen, unflexibleren Preisverhandlungen und deutlich längeren Reaktionszeiten im Support.
Funktional gleichen sich viele TMS-Lösungen zunehmend. Cloud-basiert, modular aufgebaut, technisch solide – die Unterschiede liegen oft weniger im Produkt als im Drumherum. Der eigentliche Differenzierungsfaktor ist heute die Qualität der Betreuung und die pragmatische Unterstützung im laufenden Betrieb. Gleichzeitig wächst der Wunsch nach hochstandardisierten Lösungen mit mini-malem Customizing, hoher Automatisierung und vollständiger Datenintegration. Insofern verwundert es, dass gerade das Alleinstellungsmerkmal Service nachlässt.
Was muss ein Treasurer bei der Auswahl des TMS-Anbieters beachten?
Die Auswahl eines Treasury-Management-Systems ist komplexer und strategischer denn je. Tiefe Systemintegration, regulatorische Anforderungen und geopolitische Rahmenbedingungen erhöhen die Wechselhürden erheblich. Wer sich heute entscheidet, bindet sich langfristig – technisch wie organisatorisch.
Eine sorgfältige Anbieterauswahl jenseits wohlklingender Marketingversprechen wird damit zur zentralen Voraussetzung für eine zukunftsfähige Treasury-IT-Architektur. „Sales sollte ehrlicher an Requests for Proposals herangehen, um in Workshops einen fundierten Austausch zuzulassen, und die Erwartungen nicht enttäuschen“, kritisiert ein Befragter in diesem Zusammenhang. Ein anderer klagt gar: „Leider ein Fehlgriff.“ Wenn eine Entscheidung für ein System gefallen ist, lässt sich diese in aller Regel nicht einfach revidieren. Oder zugespitzt formuliert: Ein Treasury Management System wechselt man nicht mal eben – und sollte es deshalb gleich richtig machen.
Die wichtigsten Fragen über Treasury-Management-Systeme
Laut der Umfrage nutzen knapp 80 Prozent der befragten Treasurer bereits ein TMS. Die TMS-Nutzung hängt stark von der Unternehmensgröße ab. In Unternehmen mit mindestens 1 Milliarde Euro Umsatz setzen fast 90 Prozent ein TMS ein, unter dieser Umsatzschwelle sind es nur 56 Prozent. Gleichzeitig plant rund jeder dritte Befragte ohne TMS innerhalb der nächsten zwölf Monate eine Einführung. Dennoch dürfte ein relevanter Anteil kleinerer Unternehmen auch künftig ohne TMS bleiben – etwa wegen Kosten, Komplexität oder geringerer Spezialisierung.
In deutschen Treasury-Abteilungen liegt Coupa (ehemals Bellin/Tm5) laut Umfrage klar vorn. Dahinter folgt die Ion Group. SAP (S/4Hana Treasury) liegt auf Platz 3 und hat damit deutlich aufgeholt. Die Walldorfer profitieren vom Trend zu integrierten Prozesslandschaften, gilt aber als teuer und weniger flexibel im Customizing. Auf Platz 4 folgt FIS mit den Lösungen Quantum und Integrity.
Zu den Herausforderern zählt Nomentia. Auch der internationale Anbieter Kyriba versucht stärker in Deutschland Fuß zu fassen und konnte mit einem prominenten Kunden (Continental-Spin-off Aumovio) einen Achtungserfolg erzielen. Daneben werden in der Umfrage weitere Anbieter genannt, etwa TIS (Schwerpunkt Zahlungsverkehr) sowie Trinity, Cops, Enventa oder Omikron. Bei geplanten TMS-Wechseln werden Nomentia, Litreca und FIS eher genannt als die Marktführer.
Die Entscheidung ist strategisch und vor allem langfristig: Eine tiefe Systemintegration, regulatorische Anforderungen und geopolitische Rahmenbedingungen erhöhen die Wechselhürden beim TMS. Viele Systeme ähneln sich funktional zunehmend – der Unterschied liegt oft weniger im Produkt als in Servicequalität, Support und pragmatischer Implementierungsbegleitung.
Markus Dentz ist Chefredakteur von DerTreasurer und der Fachzeitschrift FINANCE. Seine journalistischen Schwerpunktthemen sind Unternehmensfinanzierung, Restrukturierung und Treasury.
