Derivatereporting unter Emir

19.11.13 09:00

„Das Reporting dient auch der Kundenbindung“

Von Andreas Knoch

Der Starttermin für das Derivatereporting unter Emir am 12. Februar 2014 konkretisiert sich. Unternehmen die ohne interne Derivategeschäfte auskommen können ihr Reporting an den Kontrahenten, in der Regel die Bank, delegieren. Martin Weibeler, Sales Representative Emir, und Robert Munsche, Subject Matter Expert Market Operations, erklären das Angebot der Commerzbank.

Esma

Mit der Ankündigung der europäischen Wertpapieraufsicht Esma, vier Transaktionsregistern die Betriebserlaubnis zu erteilen, hat sich der Starttermin für das Derivatereporting unter Emir konkretisiert.

Herr Weibeler, nicht alle, aber viele Banken übernehmen das Derivatereporting für ihre Unternehmenskunden. Wie hält es die Commerzbank?
Wir haben bereits im Juli dieses Jahres unsere Firmenkunden in der Mittelstandsbank angeschrieben und ihnen mitgeteilt, dass wir das Derivatereporting auf Wunsch übernehmen. Das Angebot richtet sich primär an die NFC-Minus-Klientel, bei der die Commerzbank Kontrahent ist. Übersetzt heißt das: Unternehmen der Realwirtschaft, die unterhalb der Clearingschwelle liegen. Die Kunden können dabei unter verschiedenen Leistungspaketen wählen. Das umfasst auch das sogenannte Backloading, die rückwirkende Meldung aller Derivatekontrakte, die nach dem 16. August 2012 Bestand hatten. Wir haben auch Anfragen von Unternehmen bekommen, bei denen die Commerzbank nicht Kontrahent ist. Aus rechtlichen und aus Praktikabilitätsgründen bieten wir das Reporting für diese Unternehmen zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht an.

Martin Weibeler

Welches Feedback bekommen Sie von den Unternehmen?
Stand heute und jetzt wollen rund 40 Prozent unserer Unternehmenskunden das Reporting an die Commerzbank delegieren. Bei unserer mittelständischen Kundschaft, die ohne gruppeninterne Derivategeschäfte auskommt, dürfte der Anteil mit geschätzten 80 Prozent aber wesentlich höher sein. Allerdings haben viele Unternehmen das Thema noch gar nicht auf der Agenda. Deshalb wird Emir inzwischen bei jedem Gespräch, das wir mit Kunden führen, thematisiert.

Welche Voraussetzungen müssen Unternehmen mitbringen, damit Sie das Reporting übernehmen?
Zunächst einmal muss jeder Kontrahent einen entsprechenden Reportingvertrag mit der Commerzbank abschließen. Darin ist beispielsweise die Belegung der geschäftsbezogenen Meldefelder geregelt. Im Detail heißt das, dass wir per se alle Transaktionen als Hedging deklarieren. Ist das nicht der Fall, müssen die Kontrahenten uns das im Vorfeld melden. Darüber hinaus benötigen die Unternehmen spätestens bis zum 12. Februar 2014 einen sogenannten Pre-LEI. Ohne diesen Identifier können wir das Reporting nicht übernehmen. An dieser Stelle sei auch noch einmal darauf hingewiesen, dass die Übernahme des Reportings durch die Bank die Unternehmen nicht von ihrer Verantwortung gegenüber der Esma entbindet. Das schließt beispielsweise die Speicherung der Meldedaten über fünf Jahre ein. Wir sind gerade in einem intensiven Dialog mit unseren Kunden, wie das am effektivsten zu managen ist.

Robert Munsche

Wie regeln Sie die Vergabe der Unique Trade Identifier (UTI) bei OTC-Derivaten, Herr Munsche?
Da die Esma in diesem Punkt keine Vorgaben gemacht hat, haben wir den Vorschlag der ISDA übernommen, die von den meisten Marktteilnehmern unterstützt wird. In der Praxis wird das so aussehen, dass bei Geschäften, die auf Handelsplattformen wie beispielsweise 360T abgeschlossen werden, der Plattformbetreiber die Unique Trade Identifier vergibt. Bei bilateralen Kontrakten übernimmt das die Bank.

Herr Weibeler, eine direkte Anbindung an ein Transaktionsregister ist mit Gebühren verbunden, die gerade bei kleinen Mittelständlern derivative Geschäfte unattraktiv machen können. Was verlangt die Commerzbank für ihre Dienstleistungen?
Dieser Punkt ist in der Bank durchaus kontrovers diskutiert worden. Der Kostenaspekt ist dabei nämlich nur eine Seite der Medaille. Die Reportingdienstleistungen eröffnen für die Bank auch Geschäftschancen und dienen der Kundenbindung. Letztendlich sind wir zu dem Entschluss gekommen, unseren Kunden das Derivatereporting kostenlos anzubieten.

Herr Munsche, an welches Transaktionsregister meldet die Commerzbank die Geschäfte mit Unternehmenskunden?
Wir haben uns für eine europäische Lösung entschieden und melden die Geschäfte unserer Unternehmenskunden an Regis-TR, ein Joint Venture von Clearstream und Iberclear. Die Gründe dafür sind zwar primär anbindungs- und managementtechnischer Natur. Allerdings sind wir von unseren Unternehmenskunden in dieser Entscheidung bestärkt worden. Viele wollen nicht, dass Transaktionsdaten an Dritte weitergegeben werden, die organisatorisch oder technisch außerhalb der Europäischen Union angesiedelt sind.

Knoch[at]derTreasurer.de