Kommentar zum Rückzug aus dem Cash Management außerhalb Großbritanniens

26.03.15 09:00

Die Royal Bank of Scotland auf Schrumpfkurs

Von Markus Dentz

Bei der Royal Bank of Scotland regiert derzeit der Rotstift. In London fallen tausende Stellen weg, beim Cash Management wollen sich die Schotten auf UK fokussieren. Damit verliert die Bank an Attraktivität für internationale Unternehmen.

Bei der Royal Bank of Scotland regiert derzeit der Rotstift. Beim Cash Management wollen sich die Schotten auf UK fokussieren.

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Bei der Royal Bank of Scotland regiert derzeit der Rotstift. Beim Cash Management wollen sich die Schotten auf UK fokussieren.


Die Royal Bank of Scotland hat in diesen Tagen wieder Schlagzeilen gemacht. Die britische Bank will im Investmentbanking radikal Arbeitsplätze abbauen, von bis zu 14.000 Stellen ist die Rede. Die Pläne kommen höchstens in ihrem Ausmaß überraschend, hatte Konzernchef Ross McEwan den Abbau doch immer wie - der angedeutet. Bereits im Frühjahr 2014 hatte die Bank verkündet, kleiner und stärker fokussiert werden zu wollen. Zu den Bereichen, die die Bank zurückfahren will, gehört auch das Transaktionsgeschäft, das Teil des Investmentbankings ist. Es umfasst das Cash Management, die Handelsfinanzierung und den Zahlungsverkehr. Künftig sollen diese Dienstleistungen nur noch für Kunden mit dem Fokus Großbritannien angeboten werden.  Bestehende Kundenbeziehung will die RBS auch nicht über Nacht abbauen, was schon allein wegen der vertraglichen Vereinbarungen nicht ginge. Nach DerTreasurer-Informationen orientieren sich einige Kunden bereits neu.

Zwar wird der Rückzug aus dem Bereich kaum für große Probleme bei Firmenkunden sorgen, doch ist der jüngste Schachzug ein schlechtes Signal für Kunden und Mitarbeiter der Bank. Obwohl die RBS in den vergangenen Jahren immer wieder beteuerte, dem deutschen Markt treu bleiben zu wollen, ist das Angebot für deutsche Firmenkunden de facto kleiner geworden. Neben dem Cash Management verabschiedete sich die Bank bereits 2012 aus dem M&A- und Eigenkapitalgeschäft. In diesen Segmenten, die 2008 im Zuge der Übernahme der Großbank ABN Amro zur RBS kamen, konnte sich die Bank nie zu einem Top-Player entwickeln.

Zurück zu den Wurzeln?

Damit konzentrieren sich die Briten hierzulande im Firmenkundengeschäft auf zwei Bereiche: Der eine ist die Fremdkapitalfinanzierung, wozu neben klassischen Krediten auch weitere Produkte wie das Anleihegeschäft („Debt Capital Markets“) gehören. Das zweite wesentliche Standbein sind die Lösungen für das Risikomanagement, wozu unter anderem die Wechselkursabsicherung, vornehmlich für US-Dollar, Euro und britisches Pfund, zählen. Damit ähnelt das Angebotsspektrum wieder den Zeiten vor der verhängnisvollen ABN-Amro-Übernahme, als die RBS in Deutschland ein anerkannter Nischenspieler in Bereichen wie dem Leveraged-Finance- und Corporate-Finance-Geschäft war. Allerdings hat die Bank im wettbewerbsintensiven Umfeld keine ausgeprägten Wachstumsambitionen. Damit verliert sie an Attraktivität bei Unternehmen, besonders bei denjenigen mit internationalen Ambitionen. Banken, die die Cash-Management-Mandate übernehmen wollen, werden darüber nicht traurig sein. Sie können jetzt bei den Firmenkunden der britischen Bank Schlange stehen.

Dentz[at]derTreasurer.de