Scope: Mittelstands-ABS gerät in Coronakrise unter Druck

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Dass die Coronakrise dieses Ausmaß annehmen würde, konnte sich vor einigen Wochen kaum jemand vorstellen. Nun kommen aber verschiedene Finanzprodukte unter Druck  auch solche, die eigentlich als sicher gelten wie Verbriefungen von Mittelstandskrediten, die sogenannten SME ABS.

Laut einem aktuellen Report der Ratingagentur Scope sind speziell diejenigen ABS-Transaktionen bedroht, die ohnehin schon notleidende Kredite verbriefen, also die NPLs. Aber auch für die an sich gesunden Portfolien bestehen Risiken, gerade wenn es zu einer Reihe von Mittelstandsinsolvenzen kommen sollte und die Ausfälle in den Portfolien überproportional ansteigen.

Schrittweiser Ausstieg aus Shutdown in Deutschland

Zwar deuten sich gerade in wichtigen Volkswirtschaften wie in Deutschland oder den USA Ausstiegsszenarien aus dem Shutdown an. Doch es wird allenfalls eine schrittweise Rückkehr zur Normalität sein, noch ist die Lage ungewiss.

Eine scharfe Rezession steht aber zu befürchten: Fitch rechnet mit einem Einbruch des Bruttosozialprodukts in der Euro-Zone um 6 bis 16 Prozent. In der Vergangenheit haben Rückgänge dieser Größenordnung die Insolvenzen um bis zu 80 Prozent ansteigen lassen, so die Ratingagentur. Das gelte für anfällige Volkswirtschaften wie Italien und Spanien.

Besser stünden demnach Länder wie Deutschland, Frankreich oder Großbritannien da. Dort seien die Insolvenzraten in vergangenen Krisen deutlich weniger angestiegen als in Italien und Spanien. Downside-Risiken seien eine starke Rezession in den USA, die den Weltmarkt anstecken könnte. Auch zu geringe oder schlecht umgesetzte Regierungshilfen sowie ein erneutes Aufflammen der Epidemie in China könnten zu Insolvenzanstiegen führen, so Fitch. Als Referenzpunkt für das Negativszenario sehen die Autoren die Weltwirtschaftskrise von 1929.

Höhere Ausfallraten bei ABS-Leasingforderungen möglich

Im deutschen Markt beobachten Experten speziell die Auswirkungen auf die Verbriefung von Leasing- und Finanzierungsforderungen mit Sorge. Diese nutzen Banken, aber auch die Finanzierungssparten von Konzernen als Refinanzierungsmittel. Weniger problematisch sei hingegen die Verbriefung von kurzlaufenden Handelsforderungen ABCP, meinen Experten.

Für die Refinanzierung sind am zeitweise gestörten Commercial-Paper-Markt die Banken eingesprungen. Mit sinkenden Absätzen gehen auch die Volumina der in die Verbriefungsprogramm verkauften Forderungen zurück. Für ein klares Urteil sei es aber noch zu früh, momentan überwiege die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Pandemie, so Fitch.

Markus Dentz ist Chefredakteur von DerTreasurer und der Fachzeitschrift FINANCE. Seine journalistischen Schwerpunktthemen sind Unternehmensfinanzierung, Restrukturierung und Treasury.