Am Anleihemarkt gibt es wegen der Coronakrise derzeit kaum Emissionen. Wie sieht es am europäischen Commercial-Papers-Markt aus?
Die Auswirkungen der Coronakrise sind spürbar. Anfangs haben Unternehmen noch versucht, eifrig European Commercial Papers (CP) zu emittieren. Allerdings waren Investoren nicht bereit, zu den Konditionen vor der Krise abzuschließen. Unternehmen mussten ihre Preise daraufhin deutlich anpassen, um Liquidität beziehungsweise Umsätze zu generieren. Dementsprechend hatte sich auch das Transaktionsvolumen in den vergangenen Wochen zunächst verbessert. Mittlerweile ist der Markt jedoch wieder nahezu ausgetrocknet.
Woran liegt das?
Die meisten Investoren halten sich von Aktivitäten in Commercial Papers fern, da sie erstens das Risiko scheuen und zweitens die Details des neuen Kaufprogramm der EZB abwarten möchten, welches als Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) bekannt gegeben wurde.
Käufer sind am CP-Markt derzeit nur rar unterwegs
Wer agiert derzeit überhaupt noch als Käufer und wie verhalten sich die Banken?
Der Markt zeigt sich deutlich belastet, Käufer sind rar. Selbst Marktteilnehmer, die üblicherweise als Käufer auftreten, verkaufen derzeit und wollen ihre Investitionen liquidieren. Im Gegensatz zu den globalen Zentralbanken, die mit ihrer Überschussliquidität Papiere kaufen, betrachten die Geschäftsbanken das Geschehen derzeit von der Seitenlinie. Mit PEPP wird frische Liquidität in den Markt kommen. Allerdings warten alle Teilnehmer noch auf die genauen Details.
Der CP-Markt ist also nur für risikolose Zeiten geeignet.
Nicht unbedingt. Commercial Papers wären grundsätzlich auch dann noch ein geeignetes Produkt, wenn der Markt zumindest in Teilen intakt wäre . Wenn nur einzelne Branchen betroffen wären oder sich die Krise nur auf bestimmte Regionen beschränken würde, dann sollte der Markt immer noch für Emissionen der übrigen Sektoren und Regionen offen sein. Da derzeit aber nahezu alle Unternehmen und alle Investoren mit den negativen Implikationen der Krise konfrontiert sind, kann sich kaum ein natürlicher Markt entfalten.
„Commercial Papers wären grundsätzlich auch dann noch geeignet, wenn der Markt zumindest in Teilen intakt wäre.“
Was bedeutet das für Treasurer, die sich über CPs refinanzieren?
Commercial Paper sind meist kurzläufig, handelbar und daher im Vergleich zu anderen Refinanzierungsquellen sehr günstig. Dementsprechend sind sie als stabile, langläufige Refinanzierungsquelle ungeeignet. Als Produkt für das aktive Liquiditätsmanagement sind sie zu Krisenzeiten keine verlässliche Geldquelle, sondern dienen eher dazu, einen gewissen Bodensatz günstig zu refinanzieren. Die meisten Treasurer haben deshalb alternative Mittel zur Refinanzierung aufgebaut. In der derzeitigen Situation hängt das weitere Geschehen auf dem europäischen Markt von Hilfsmaßnahmen, wie beispielsweise Kaufprogramme oder TLTROs der EZB, expansiver Fiskalpolitik und Staatsbeteiligungen ab.
Info
David Demers arbeitet im Bereich Corporate Sales bei der ING.
Sabine Paulus ist Redakteurin bei DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Finanzierung, Fintechs sowie Personal und Organisation im Treasury.

