Green-Washing-Gefahr bei grünen Anleihen

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Weltweit wurden 2020 Green Bonds über etwa 226 Milliarden US-Dollar (188 Milliarden Euro) emittiert, 2015 waren es nur 38 Milliarden Dollar (32 Milliarden Euro). Der rasant wachsende Markt birgt allerdings auch Risiken. „Mit der größeren Anzahl von Emittenten müssen Investoren kritischer werden, um zu verhindern, Opfer von Green Washing zu werden“, sagt James Rich von Aegon Asset Management.

„Der Markt ist hier noch wenig standardisiert“, erklärt er. Zudem nutzten viele Emittenten den Markt opportunistisch, um von den geringeren Finanzierungskonditionen zu profitieren. „Ich sehe deshalb eine große Gefahr von falschen Versprechungen seitens der Emittenten“, erklärt er.

Wie viele Emissionen das betrifft, ist schwer zu beziffern. Bei immerhin 10 bis 20 Prozent der Green Bonds in den USA sieht der Portfoliomanager aber Anzeichen dafür, dass Emittenten mehr versprechen, als sie letztendlich halten: „Manche Unternehmen versprechen, über die Verwendung der Mittel im Nachgang zu berichten, tun das dann aber nicht.“

Nicht nur bei Green Bonds wird getrickst

Andere wiederum berichteten zu wenig oder über Kennzahlen, die in keinem direkten Zusammenhang zu den finanzierten Projekten stehen. Rich sieht den Mangel an belastbaren Informationen nicht nur bei Green Bonds, sondern auch bei Social oder Sustainable Bonds.

Als Anleger sollte man deshalb genauer hinschauen: „Zum einen muss man genau prüfen, wofür die Erlöse verwendet werden sollen und wie die Governance-Strukturen rund um das Thema ESG in dem Unternehmen aufgebaut sind“, erklärt Rich. Ein rotes Tuch sind für ihn ESG-Gremien, in denen keine Top-Level-Führungskräfte sitzen, sondern Mitarbeiter ohne wirkliche Entscheidungsgewalt im Unternehmen. Das zeige, dass dem Thema nicht der nötige Stellenwert eigenräumt wird.

Second Party Opinions können helfen

Zudem sollten Investoren auf die Einhaltung freiwilliger Marktstandards achten, auch eine Second Party Opinion einer Nachhaltigkeitsagentur sei hilfreich. Während das in Europa quasi zum Standard gehört, ist das auf dem globalen Green-Bond-Markt noch nicht überall so. Außerdem sollten Investoren darauf achten, welchen Rahmen der Emittent für die eigene Berichterstattung steckt und ob die ausgewählten Projekte auch zu einer langfristigen Nachhaltigkeitsstrategie passen, so Rich.

Auch wer nicht direkt in Green Bonds, sondern in nachhaltige Produkte von Asset Managern investiert, sollte vorsichtig sein. „Auch von Seiten der Asset Manager wird vieles als nachhaltig deklariert, was diesen Namen nicht verdient“, warnt er.

Antonia Kögler ist Redaktionsleiterin bei DerTreasurer. Sie schreibt über Finanzierung und Asset Management und verfolgt alle Entwicklungen rund um das Thema Sustainable Finance.