Hillebrand mit erstem Dollar-Schuldschein auf Sofr-Basis

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Mitte Dezember hat der Logistikdienstleister J.F. Hillebrand Group als erstes Unternehmen einen US-Dollar-Schuldschein auf Basis des neuen Referenzzinssatzes Secured Overnight Financing Rate, kurz Sofr, begeben. Das Papier war Teil einer Emission im Gesamtvolumen von umgerechnet 200 Millionen Euro und gliedert sich in neun Tranchen, die zwischen drei und sieben Jahren laufen. Ungefähr zwei Drittel des Volumens stammen aus Euro-Tranchen. Den Rest hat Hillebrand in US-Dollar eingesammelt.

„Wir wollten einen hohen zweistelligen Millionenbetrag in US-Dollar erzielen und konnten unsere Finanzierungskonditionen noch einmal im Vergleich zur letzten Transaktion 2017 senken“, sagt Ralf-Jörg Weigold, Vice President Global Treasury and Financing bei der J.F. Hillebrand Group, ohne Details zu nennen.

Der Nachfolgezins im US-Dollar-Raum: Sofr

„Sofr-Schuldscheine werden die Zukunft für in US-Dollar denominierte Papiere sein“, ist Weigold überzeugt. Der Grund: Überwiegend werden im US-Dollar-Schuldscheinmarkt nur variabel verzinste Papiere angeboten. Die bislang verwendeten Libor-Zinssätze sind jedoch durch Skandale in Verruf geraten und mussten deshalb in den vergangenen Jahren ersetzt werden. Im US-Dollar-Raum ist für einige Libor-Laufzeiten seit Jahresbeginn schon Schluss, das Groß der Laufzeiten soll Mitte 2023 vom Markt verschwinden.

Als Ersatzzins wurde der Sofr auserkoren. Er wird von der New York Federal Reserve veröffentlicht und basiert auf echten Transaktionen, was das Manipulationsrisiko reduzieren soll. Die mit der Umstellung verbundene Unsicherheit hatte die Unternehmen aber zuletzt vorsichtig agieren lassen. „Der Dollar-Schuldscheinmarkt war in den vergangenen eineinhalb Jahren nahezu ausgetrocknet“, so Weigold.

Der Mainzer Logistikdienstleister wollte sich davon nicht abhalten lassen und gab nun den Startschuss. „Wir wollten bei allen Tranchen eine variable Verzinsung haben“, begründet der Treasury-Chef den Schritt aufs Neuland. Das gebe im Schuldschein die größtmögliche Flexibilität. Unternehmen könnten bei fixer Verzinsung ihre Papiere nur mit großen Problemen vorzeitig tilgen und müssten in der Regel eine Vorfälligkeitsentschädigung zahlen. „Bei einer variablen Verzinsung ist es den Unternehmen hingegen möglich, Schuldscheine am Ende jeder Zinsperiode zurückzahlen“, sagt der Treasurer. Gegen steigende Zinsen könnten sie sich zudem mit Swaps absichern.

Als Pionier hatte Hillebrand aber einige Herausforderungen bei der Sofr-Transaktion zu bewältigen. Welche das sind, erfahren Sie nach dem Login im E-Magazin 2-2022.

Sabine Paulus ist Redakteurin bei DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Finanzierung, Fintechs sowie Personal und Organisation im Treasury.