Pensionsverpflichtungen: Dax-Konzerne nur scheinbar entlastet

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Im vergangenen Jahr erlitten angesichts der zahlreichen Krisenherde und der Zinswende nahezu alle Anlageklassen Kursverluste. Das schlägt sich auch in den Pensionsvermögen der Dax-Unternehmen nieder. Sie sind im Vergleich zum Vorjahr um rund 20 Prozent gesunken. Das zeigt eine aktuelle Schätzung des Beratungshauses Mercer. In konkreten Zahlen sind das 60 Milliarden Euro. Der aktuelle Zeitwert des Vermögens beläuft sich auf rund 240 Milliarden Euro.

Eigentlich sei der Ausblick zu Jahresbeginn 2022 noch recht positiv gewesen. Doch die Folgen des Ukraine-Kriegs auf die Rohstoffpreise und die weiteren Auswirkungen auf die Geldpolitik führten letztlich zu einem schweren Jahr für Aktien und Anleihen. Laut Mercer haben Unternehmen, die zur Absicherung der bilanziellen Zinsrisiken bei ihren Pensionsverpflichtungen eine längere Duration in ihrem Anleiheportfolio wählten als andere, noch höhere Verluste eingefahren.

Rechnungszins steigt deutlich

„Es kam für Investoren im Jahr 2022 also insbesondere darauf an, das Portfolio risikoärmer aufzustellen und den Verlust möglichst gering zu halten. Aufgrund der stark zinssensitiven Verpflichtungen konnten Pension-Investoren trotz der sinkenden Assets ihre Bedeckung merklich steigern“, kommentiert Jeffrey Dissmann, Leiter Investment Consulting in Deutschland bei Mercer.

Von der Zinswende profitieren die Unternehmen hingegen in anderer Hinsicht: Durch den deutlichen Anstieg des Rechnungszinssatzes ist der bilanzielle Wert der Pensionsverpflichtungen nach IFRS ebenfalls gesunken. Hier ist der Effekt noch größer, es war ein Rückgang um 120 Milliarden Euro von 412 auf 290 Milliarden Euro.

Ausfinanzierungsgrad auf Rekordhöhe

Damit erreicht der Deckungsgrad der Pensionsverpflichtungen bei den Dax-Konzernen einen Rekordstand. Bereits im Vorjahr lag er mit 72 Prozent auf einem hohen Niveau. 2022 erreichte er nun einen Grad von über 80 Prozent.

Durch die Zinsentwicklung ergibt sich für die Unternehmen aber laut Mercer keine „tatsächliche langfristige Entlastung“. Denn durch die gestiegene Inflation mussten Unternehmen nach Angaben des Beratungshauses auch die Annahme für die Rentendynamik anheben. Laut Mercer führt das zu versicherungsmathematischen Verlusten von rund 10 Milliarden Euro.

„Diese Erhöhung von etwa 10 Milliarden Euro bildet die in den nächsten Jahren deutlich erhöhten Rentenanpassungen ab, die zu einer Erhöhung der tatsächlichen Zahlungen führen wird“, schreibt Mercer. Der Rückgang der Pensionsverpflichtungen aufgrund der Zinsentwicklung verdecke also „das zusätzlich erwartete Verpflichtungsvolumen aufgrund zukünftiger Anpassungen und zeigt letztlich nur scheinbare Entlastungen“.

Koegler[at]dertreasurer.de

Antonia Kögler ist Redaktionsleiterin bei DerTreasurer. Sie schreibt über Finanzierung und Asset Management und verfolgt alle Entwicklungen rund um das Thema Sustainable Finance.