EZB-Umfrage: Banken straffen Kreditvergabe weiter

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Die Nachfrage nach Unternehmenskrediten ist im zweiten Quartal weiter gesunken – mehr als die Banken erwartet hatten, wie der aktuelle EZB Bank Lending Survey zeigt. Zudem haben die Institute die Kreditrichtlinien verschärft, besonders für Immobiliengesellschaften und „braune“ – also weniger nachhaltig wirtschaftende – Unternehmen. 

Einmal pro Quartal befragt die EZB deutsche Banken zur Kreditvergabe, die Bundesbank veröffentlicht die Ergebnisse. Befragt wurden 33 repräsentativ ausgewählte Banken. Die Umfrage zielt vor allem auf drei Komponenten ab: die Kreditrichtlinien, -bedingungen und -nachfrage.

Kreditrichtlinien ziehen an

Die Banken berichteten, dass sie ihre Kreditrichtlinien weiter gestrafft haben. Den Geldinstituten zufolge hängt dies hauptsächlich mit einer gesunken Risikotoleranz und auch mit den gestiegenen Kreditrisiken zusammen. Relevante Risiken sind vor allem die Verschlechterung der allgemeinen Wirtschaftslage und der Konjunkturaussichten. So lagen die Insolvenzen im Juni auf dem höchsten Wert seit 2016.

Doch die Banken haben ihre Richtlinien insgesamt weit weniger gestrafft als in den vergangenen Quartalen. Am schärfsten haben die Banken die Zügel im Kreditgeschäft im dritten Quartal 2022 angezogen. Ähnlich sieht es bei den Kreditbedingungen aus. Auch diese wurden laut den Banken gestrafft, hauptsächlich in Form von Margenausweitungen.

Immobilienbranche am meisten betroffen

Der Bank Lending Survey führt auch auf, wie sehr sich die Richtlinien von unterschiedlichen Branchen entwickelt haben. Hierbei zeigte sich, dass im ersten Halbjahr besonders die Kreditrichtlinien im Gewerbe- und Wohnimmobiliensektor gestrafft wurden. Der Sektor befindet sich nach Jahren des Aufschwungs durch die Zinswende in der Krise. Dahinter folgen das Baugewerbe und das energieintensive Verarbeitende Gewerbe.

Zusätzlich wurde bei der Umfrage erstmals nach dem Zusammenhang von Klimarisiken und Kreditrichtlinien gefragt. Auffällig: Bei besonders „grünen“ Unternehmen seien die Richtlinien kaum angepasst worden. Anders sieht es bei Unternehmen im Übergangsprozess aus. Hier gaben Banken an, dass die Kreditrichtlinien restriktiver geworden seien. Am meisten haben die Kreditrichtlinien bei „braunen“ Unternehmen, die besonders viel CO2 emittieren, angezogen.

Unternehmen fragen weniger Kredite nach

Eine Überraschung gab es beim Thema Nachfrage der Unternehmenskredite. Diese ist weiter gesunken, obwohl die Banken zuvor prognostiziert hatten, dass sie unverändert bleiben würden. 

Die zwei wichtigsten Gründe hierfür sind die stark gestiegenen Zinsen und geringere Anlageinvestitionen. Viele Unternehmen scheuen sich wegen der anhaltenden Unsicherheit, große Investitionen einzugehen. Das war bereits im ersten Quartal einer der Hauptgründe für den Nachfragerückgang. Erstmals wurden auch Lagerhaltung und Betriebsmittel als Gründe für den Rückgang genannt. Das betrifft vor allem kurzfristige Kredite.

Für das dritte Quartal rechnen die deutschen Banken nicht mehr mit einer nennenswerten Straffung der Kreditvorgaben. Sie gehen von einer weitgehend unveränderten Nachfrage aus. Diese Woche steht noch die Entscheidung der EZB zu den Leitzinsen aus. 

brendel[at]dertreasurer.de

Eva Brendel ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Ihr Themenschwerpunkt ist Unternehmensfinanzierung.