EZB akzeptiert künftig auch Scope-Ratings

Artikel anhören
Artikel zusammenfassen
Teilen auf LinkedIn
Teilen per Mail
URL kopieren
Drucken

Die EZB hat Scope Anfang November als neue externe Ratingagentur zugelassen. Damit können künftig die Scope-Bewertungen für Unternehmen, Finanzinstitute, gedeckte Anleihen sowie Staaten und öffentliche Einrichtungen im Euro-System genutzt werden.

Lediglich die ABS-Ratings von Scope könnten vorerst nicht berücksichtigt werden, da entsprechende technische Zulassungsvoraussetzungen noch nicht erfüllt seien. Wie Scope auf Anfrage von DerTreasurer erklärt, sollen diese Probleme aber bald gelöst sein, sodass die EZB auch die Scope-ABS-Ratings in absehbarer Zukunft anerkennen werde.

Scope rückt an die Seite der US-Ratingagenturen

Die Berliner sind damit die fünfte und zugleich erste europäische Ratingagentur, auf deren Urteil die EZB vertrauen wird. Bislang griff die Zentralbank auf die Einschätzungen der drei US-Häuser Fitch, Moody’s und Standard & Poor’s sowie der kanadischen Agentur DBRS Morningstar zurück.

Bis die Ratings von Scope für die geldpolitischen Zwecke der EZB tatsächlich einsatzbereit sind, werden nach Angaben der Euro-Währungshüter allerdings noch mehrere Monate vergehen. Der Integrationsprozess der Ratings in die IT-Infrastruktur des Euro-Systems sei umgehend begonnen worden. Ein konkretes Start-Datum will die EZB zu gegebener Zeit vorab auf ihrer Website bekanntgeben.

EZB-Zulassung ein wichtiger Schritt für Scope

Für Scope ist die Zulassung als externe Ratingagentur der EZB ein wichtiger Schritt. Das gilt vor allem mit Blick auf das seit Jahren verfolgte Ziel, zu den drei großen US-Ratingagenturen aufzuschließen.

Dass nicht zuletzt Treasurer von einer stärkeren Ratingagentur Scope profitieren könnten, hatte DerTreasurer Mitte dieses Jahres berichtet. Anlass für die damaligen Recherchen war der immer wieder zu vernehmende Frust unter Treasury-Experten über die Preispolitik der drei US-Häuser. Demnach würden diese ihre marktbeherrschende Stellung ausnutzen, um an der Preisschraube zu drehen.

Die Hoffnung: Scope als vierte und ernstzunehmende Alternative zu den drei US-Schwergewichten könnte den Wettbewerb beleben. Wie Scope damals gegenüber DerTreasurer mitteilte, wollen die Berliner gerade in puncto Pricing mit einem „transparenten und attraktiven Modell bei Emittenten und Investoren“ punkten.

Hafner[at]dertreasurer.de

Philipp Hafner ist Redakteur bei DerTreasurer und FINANCE. Er hat Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth sowie an der University of Amsterdam studiert. Zuvor arbeitete Philipp Hafner mehr als sechs Jahre bei der Verlagsgruppe Knapp/Richardi, zunächst als Volontär, anschließend dann als Redakteur für die Fachzeitschrift „Immobilien & Finanzierung“.