Die EZB senkt den Einlagenzins weiter, aber führt die lange erwartete Staffelung ein. Jetzt beginnt das Verhandeln zwischen Unternehmen und Banken.

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24.09.19
Asset Management

Geschacher um die Strafzinsen

Die EZB hat den Einlagenzins auf ein neues Rekordtief gesenkt. Gleichzeitig führt sie Staffelzinsen ein. Was bedeutet das für Treasurer?

Banken reichen schon lange negative Zinsen an Firmenkunden weiter. Mit der jüngsten Entscheidung der EZB dürfte sich das Thema bei vielen verschärfen: Banken müssen noch einmal 10 Basispunkte mehr dafür zahlen, wenn sie über Nacht Geld bei der Zentralbank parken. Die EZB senkte den Einlagenzins auf -0,5 Prozent.

Gleichzeitig führte die Zentralbank aber auch den lange geforderten Staffelzins ein. Ab dem 30. Oktober erhalten Banken einen gewissen Freibetrag, für den sie keine negativen Zinsen zahlen müssen. Eine fixe Summe gibt es nicht, der Freibetrag beläuft sich auf die Höhe der sechsfachen Mindestreserve, die Banken aus regulatorischen Gründen bei der Zentralbank vorhalten müssen. Nach Berechnungen des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) ergibt sich daraus für die hiesigen Geldinstitute eine Entlastung von netto etwa 520 Millionen Euro.

Staffelzins wird Verhandlungsmasse

Doch was bedeutet diese Entlastung für Treasurer? Besteht jetzt wieder mehr Spielraum bei den Verhandlungen mit den Banken? DerTreasurer fragte bei verschiedenen Instituten wie ING, HVB und Deutscher Bank nach, ob die Einführung des Staffelzinses etwas an der bisherigen Praxis ändere.

Die Institute halten sich bedeckt, ihre Aussagen ähnelten den Anworten auf eine ähnliche Anfrage im Jahr 2017. Klar ist, dass Anleger bei "hohen Einlagevolumina" die Strafzinsen kaum vermeiden können. Allerdings zeigt sich an den Antworten, dass weiterhin verhandelt werden kann. Zur Verhandlungsmasse zählt dem Vernehmen nach etwa das begehrte Zusatzgeschäft wie Anleiheplatzierung oder M&A-Beratung.

Negativzinsen bleiben Stein des Antoßes

Dennoch bleibt das Thema ein wunder Punkt: Hinter vorgehaltener Hand gibt es Kritik an der Praxis der Banken, die den negativen Einlagenzins zumindest in Teilen an ihre Firmenkunden weitergeben, den Vorteil des niedrigen Zinsumfelds für ihre Kunden aber wiederum auf der Kreditseite ausbremsen, denn bei Darlehen ist ein Euribor-Floor gang und gäbe. Bei den Anleiheplatzierungen sieht die Lage derzeit ganz anders aus. Dort können Emittenten stark von den negativen Zinsen profitieren.

koegler[at]DerTreasurer.de

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