Schattenbankenregulierung

09.12.16 10:50

Neue Regulierung für Geldmarktfonds kommt

Von Antonia Kögler

Die EU kommt bei der Regulierung von Schattenbanken einen Schritt voran. Für Geldmarktfonds liegt nun eine Einigung auf dem Tisch. Für einige MMFs bedeutet die Regulierung das Aus.

Brüssel: Der EU-Rat und das Europäische Parlament haben sich auf eine neue Regulierung für Geldmarktfonds verständigt.

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Brüssel: Der EU-Rat und das Europäische Parlament haben sich auf eine neue Regulierung für Geldmarktfonds verständigt.

Der EU-Rat hat sich mit dem Europäischen Parlament auf eine neue Regulierung für Geldmarktfonds geeinigt. In Brüssel wird schon seit langem an den neuen Vorgaben gefeilt, um Geldmarktfonds resistenter für Krisensituationen zu machen. Die neuen Regeln sind Teil der EU-Initiative, die Schattenbanken stärker zu regulieren. Rund 1 Billion Euro sind aktuell in der Europäischen Union in Geldmarktfonds angelegt. Das Vehikel wird zur kurzfristigen Geldanlage genutzt und dient Treasurern und anderen Investoren als Alternative zu kurzfristigen Bankeinlagen.

Geldmarktfonds gibt es bisher in zwei unterschiedlichen Varianten, den sogenannten VNAVs und CNAVs. Bei den CNAVs handelt es sich um Fonds mit konstantem Nettoinventarwert. Die Anteile des Fonds werden nach einer speziellen Methodologie konstant mit 1 Euro bewerten. Bei den VNAVs ist der Nettoinventarwert dagegen variabel gepreist und bewegt sich mit den Marktschwankungen mit.

Gerade die CNAVs gelten in den Augen der Regulatoren als risikoreich,  da die Fonds durch ihren konstanten Rückkaufwert in Schwierigkeiten geraten können, wenn auf einmal viele Investoren ihre Gelder abziehen – und zwar zu einem im Vergleich zum Markt überhöhten Preis. Das tun Anleger vor allem, wenn sich Anzeichen einer Krise mehren.

Neue Kategorie für Geldmarktfonds

Für die meisten konstant gepreisten Fonds bedeutet die neue Regulierung das langsame Aus. Nach in Kraft treten der Regulierung sollen nur noch Public Debt CNAVs erlaubt sein –  also Fonds, die hauptsächlich in Staatspapiere investieren. Den Erhalt dieser Art der CNAVs hatte der europäische Treasury-Verband (EACT) im Vorfeld als elementar für das Liquiditätsmanagement von Unternehmen bezeichnet.

Nach einer Übergangsphase von 18 Monaten werden alle anderen CNAVs sich an neue Regularien zur Bewertung ihrer Assets halten müssen. Für sie hat die EU eine neue Kategorie der Geldmarktfonds geschaffen, die sogenannten LVNAVs (Low Volatility Net Asset Value). Diese Fonds können die bilanzielle Bewertung ihres Net Asset Values (NAV) nach wie vor auf einem stabilen Level halten, aber nur, wenn die Diskrepanz zum Marktpreis weniger als 20 Basispunkte beträgt. Bisher ist eine Divergenz von 50 Basispunkten möglich. Wenn das Limit von 20 Basispunkten überschritten ist, müssen die Fonds ihre Kalkulationsmethode auf ein variables Pricing-Model umstellen. Geldmarktfonds-Manager müssen die Investoren deshalb explizit darauf hinweisen, dass die Anteile des LVNAVs unter Umständen nicht zu dem konstanten Nettoinventarwert zurückgekauft werden.

„Diese neue Regel wird für die Fonds keine dramatischen Änderungen mit sich bringen“, erklärt Thierry Darmon, Head of Treasury Business Line bei dem Assetmanager Amundi, einem der größten Anbieter von Geldmarktfonds in Europa. „Die meisten CNAVs haben bereits eine Differenz von 25 Basispunkte zum eigenen Schwellenwert erklärt, bei dem sie reagieren.“

Strengere Regeln für die Liquidität der Fonds

Insgesamt bringt die EU-Verordnung striktere Regelungen auch im Hinblick auf die Transparenz und die Liquidität der Fonds mit. LVNAVs und CNAVs müssen daher mindestens 10 Prozent ihrer Investments in täglich fällig werdenden Assets halten und sogar 30 Prozent mit wöchentlicher Fälligkeit. Für VNAVs sind die Regeln etwas lockerer. In diesen Fonds müssen 7,5 Prozent auf täglich fällig werdende Papiere und mindestens 15 Prozent in wöchentlich fällig werdende entfallen. „Im Moment sind VNAV-Fonds im Hinblick auf ihre Liquiditätskennzahlen nicht reguliert“, sagt Darmon. „Es wird interessant sein zu sehen, wie schwer es für diese Fonds sein wird, genug Assets mit kurzen Laufzeiten zu finden, um der neuen Regulierung zu entsprechen.“

Ein Punkt der im Vorfeld für viel Kritik sorgte, war ein geplantes Verbot der Investitionen von einem Geldmarktfonds in einen anderen. Den Weg nutzen bisher viele Fonds zur Steuerung ihrer Liquidität. Die jetzt beschlossene Regelung sieht vor, dass ein solches Investment in einen anderen Fonds erlaubt ist, aber auf 17,5 Prozent begrenzt ist.

Prüfung nach fünf Jahren

„Die Ziele der Regulierung – wie der bessere Investorenschutz – sind sehr willkommen“, sagt Thierry Darmon. „Aber die neuen Regeln kommen zu einem Zeitpunkt, an dem der Markt sehr stark von den Aktivitäten der Europäischen Zentralbank beeinflusst ist.“ Die Zeit wird zeigen, wie Geldmarktfonds innerhalb der neuen Regulierungen funktionieren werden, wenn die EZB ihre Politik der niedrigen Zinsen beendet.

Die gesamte Regulierung soll nach fünf Jahren noch einmal geprüft werden. Sind unerwünschte Effekte eingetreten? Erfüllen Geldmarktfonds immer noch ihren Zweck als Instrument der kurzfristigen Geldanlage?

Das EU-Parlament hat dem Entwurf zwar bereits vorläufig zugestimmt, muss allerdings noch ein weiteres Mal sein Votum abgeben. Danach wird der Entwurf vom Europäischen Rat umgesetzt werden und für alle Mitgliedsstaaten bindend sein. Experten rechnen damit, dass die Richtlinie voraussichtlich im zweiten Quartal 2017 in Kraft treten wird.

Koegler[at]derTreasurer.de

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