Nachbericht zum DerTreasurer Webinar

01.11.13 09:29

Banken: Treasurer fordern mehr Gebührentransparenz

Von Desiree Backhaus

Das Thema Gebührentransparenz bei Bankabrechnungen brennt den Treasurern unter den Nägeln: Mehr als 100 Teilnehmer haben sich zu dem Webinar von DerTreasurer eingewählt. Langsam setzt auch bei den Banken ein Umdenken ein, doch viele sind noch am Anfang.

DerTreasurer Webinar: Martin Postweiler von TIS sprach über Bankabrechnungen und Gebührentransparenz.

DerTreasurer

DerTreasurer Webinar: Martin Postweiler von TIS sprach über Bankabrechnungen und Gebührentransparenz.

Der Appell war deutlich: Bankabrechnungen sollen transparenter und nachvollziehbarer werden. Vor mehr als 100 Teilnehmer hat Martin Postweiler vom Treasury-Cloud-Anbieter Treasury Intelligence Solutions (TIS) in einem Webinar von DerTreasurer darüber gesprochen, wie sich die Bank-Kunde-Beziehung im Transaction Banking verändern sollte. Der Fokus lag auf dem Thema Bankgebühren – Postweiler hat sich während seiner Zeit im Lufthansa-Treasury einen Namen als Verfechter der sogenannten Twist-Initiative gemacht. Die aus den USA stammende Initiative fordert ein deutliches Mehr an Transparenz. Sie hat in den vergangenen Jahren die sogenannten Bank Service Billing (BSB) Standards für eine elektronische Abrechnung auf XML-Basis entwickelt.

In der Praxis kommen sie allerdings noch kaum zum Einsatz: In einer Umfrage während des Webinars gaben lediglich 15 Prozent Befragten an, dass sie bereits elektronische Abrechnungen von ihren Banken erhalten. Bei weiteren 8 Prozent ist das in Planung. Das Problem: Viele Banken sehen derzeit kein Geschäftsszenario darin, in elektronische Abrechnungen zu investieren. Erst in den vergangenen Monaten wächst das Bewusstsein dafür. „Bankabrechnungen nachvollziehen zu können ist ein wirklicher Mehrwert für Kunden geworden – und es ist eine wichtige Anforderung um Ausschreibungen zu gewinnen oder auf die Shortlist zu kommen”, schreibt beispielsweise die Großbank BNP Paribas auf Anfrage von DerTreasurer.

Verhandeln auf Augenhöhe, nicht nur Kosten drücken

Doch die schleppende Adaption liegt nicht nur an den Banken: Auch viele Unternehmen verstehen den Nutzen der elektronischen Abrechnung noch nicht, meint Postweiler: „Viele schauen lediglich auf die Kosten.“ Doch es gehe nicht nur darum, Preise zu drücken, sondern auch darum, Transparenz und Vertrauen in der Kunde-Bank-Beziehung herzustellen, wie Postweiler immer wieder betont. Das sei notwendig, damit Unternehmen mit Banken auf Augenhöhe verhandeln können. „Ohne nachvollziehbare Abrechnungen kann ein Treasury Banken nur lückenhaft bewerten und gegenüber dem Management nur unvollständig Rechenschaft ablegen.“ Außerdem würden Fehler bei Gebührenabrechnungen nicht erkannt und könnten nicht reklamiert werden.

Umfrage von DerTreasurer zeigt leichtes Umdenken bei Banken

Im Laufe dieses Jahres hat die Twist-Initiative auch in Deutschland an Fahrt aufgenommen: „In den letzten zwölf Monaten konnten wir bei Firmenkunden ein steigendes Interesse an elektronischen Abrechnungsdiensten beobachten, da diese aktiv daran arbeiten ihre operative Effizienz zu verbessern“, sagt Beate Murray, Head of Global Transaction Services für Deutschland, Österreich und die Schweiz bei Bank of America Merrill Lynch.

Auch bei den Banken findet langsam ein Umdenken statt: Vor dem Webinar hat DerTreasurer zahlreiche Banken zu dem Thema Gebührentransparenz und elektronische Abrechnungen angeschrieben. Die Webinar-Teilnehmer konnten dann darüber abstimmen, welche Fragen sie besonders interessiert. Acht Banken haben die Anfrage von DerTreasurer beantwortet, sechs wollen ihre Antworten auch außerhalb des geschlossenen Webinars veröffentlichen: die Deutsche Bank, BNP Paribas, Unicredit, JP Morgan, Bank of America Merrill Lynch und Barclays.

Besonders interessierte die teilnehmenden Treasurer, in welchen Regionen Banken elektronische Abrechnungen in XML anbieten. Dabei stellte sich heraus, dass die Abdeckung sehr unterschiedlich ist. Insgesamt liegt der Schwerpunkt in Europa und Asien. In Deutschland bieten es beispielsweise nahezu alle Banken an, die geantwortet haben. Und die Verbreitung soll weiter zunehmen: Die Bank of America Merrill Lynch etwa plant elektronische Abrechnungen im Twist-BSB-Standard ab 2014 global anzubieten, BNP arbeitet an einem Pilotprojekt in Nordamerika, Brasilien und Asien.

Bei den meisten Banken ist es gemäß der Umfrage relativ schnell möglich, erste Abrechnungen zu erhalten. In der Regel erfolgt das Reporting monatlich, manchmal auch quartalsweise und kann mit der neuen Periode starten. Das gesamte Webinar können Sie sich noch einmal im Videomitschnitt anschauen.

backhaus[at]derTreasurer.de