EPI will den europäischen digitalen Zahlungsverkehr verändern.

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30.11.21
Cash Management & Zahlungsverkehr

European Payments Initiative: Der Druck wächst

Die European Payments Initiative (EPI) könnte den Zahlungsverkehr deutlich verändern. Dafür braucht die Gesellschaft jedoch Geld von den Banken, wobei die spanischen und niederländischen Banken laut einem Medienbericht einen Rückzieher machen könnten.

Die European Payments Initiative (EPI) wurde im Juli 2020 ins Leben gerufen. Sie will den US-Schwergewichten Apple Pay, Google, Paypal, Visa und Mastercard eine europäische Lösung für den elektronischen Zahlungsverkehr entgegensetzen. 19 Banken, ein Konsortium von zwölf kleineren Banken, sowie die Zahlungsdienstleister Worldline und Nets haben sich der Initiative angeschlossen.

Noch gibt es nur eine Übergangsgesellschaft, die von der früheren Oliver-Wyman-Beraterin Martina Weimert geleitet wird. Aber schon Anfang nächsten Jahres sollen die ersten Use Cases im Bereich Person to Person (P2P) live gehen, erklärt die EPI-Chefin im Interview mit DerTreasurer: „Bis 2024 soll die Lösung dann vollständig in Europa etabliert werden“, also auch im stationären Handel und im E-Commerce. So sieht es der Business Plan vor, den EPI den teilnehmenden Banken im Juli vorgelegt hat.

EPI braucht Unterstützung der Banken

„Jetzt entscheiden die Aktionäre darüber, ob wir in die praktische Phase übergehen.“ Die Entscheidung, ob EPI an den Start geht, soll im Herbst fallen, ein genaues Datum gibt es noch nicht. Laut dem Portal „Finanz-Szene“ soll eine Entscheidung aber bis Mitte November gefallen sein. 

Die Umsetzung ist mit Aufwand verbunden. Die teilnehmenden Banken rechnen für die kommenden vier Jahre laut „Handelsblatt“ mit Kosten von bis zu 4,2 Milliarden Euro. EPI-Chefin Weimert meint, dass die Summe „eindeutig geringer“ sei. Wie viel genau, wollte sie nicht sagen. Sie räumt aber ein: „Es wird wohl über zehn Jahre dauern, bis die Aktionäre die Investitionen wieder eingespielt haben.“ Mittlerweile rechnen die Institute in den nächsten fünf Jahren nur noch mit einem Investitionsbedarf von zunächst knapp 1,5 Milliarden Euro. Dass EPI an den Kosten scheitert, glaubt Weimert aber nicht.

Sparkassen-Verband unterstützt EPI auch finanziell

Eine erste Gruppe soll sich bereits angeschlossen haben. So soll laut dem Handelsblatt der deutsche Sparkassen-Verband in einer Vorstandssitzung Ende September beschlossen haben, sich an der Finanzierung des künftigen europäischen Payment-Schemes mit 148 Millionen Euro zu beteiligen. Die Sparkassen würden dann auf einen Anteil von 10 Prozent an dem EPI-Projekt kommen. Da weitere Investitionen nötig seien, entstehe in den kommenden fünf Jahren insgesamt ein weiterer Investitionsbedarf von 210 bis 219 Millionen Euro, heißt es in einer Sitzungsvorlage von Ende August für einen Sparkassen-Verband-Fachausschuss.

Bedenken soll es dagegen von den niederländischen Banken (ING) und den spanischen Banken, die rund ein Drittel der Unterstützer ausmachen, geben. Laut einem aktuellen Bericht der „Finanz-Szene" sollen diese Banken sich noch zieren, EPI mit Geld zu unterstützen. Der Grund dafür sei, dass es im Gegenteil zu Deutschland in beiden Ländern kein klassisches nationales Debit-Scheme gibt.

Falls die Niederländer und Spanier EPI nicht unterstützen wollen, wäre die Konsequenz, dass entweder die deutschen und französischen Banken die gesamten Kosten tragen müssen oder die Initiative scheitert. Das wäre problemtisch: Ein Banker sagt gegenüber DerTreasurer, dass EPI die letzte Chance sei, um den deutschen Zahlungsverkehr in Bezug auf Visa und Co. zu ändern.

Update 30.11.2021: Laut eines Berichts der "Finanz-Szene" zögern weiterhin vor allem die Niederländer und Spanier bezüglich der Teilnahme an dem EPI-Projekt. In beiden Ländern gebe es deutliche Zweifel sowohl an den Erfolgschancen als auch am Mehrwert eines pan-europäischen Payment-Projekts, zitiert der Blog aus Finanzkreisen. Beide Länder verfügen über etablierte Online-Payment-Dienste, der Druck könnte entsprechend nicht so hoch sein, sich zu beteiligen. Der Druck wächst nun indes auf das EPI-Projekt: In zwei bis drei Wochen müsse eine Entscheidung fallen, heißt es. 

Das will EPI anbieten

Die Details der Bezahllösung stehen indes schon fest: Zum einen soll es eine Debit- und Kreditkarte geben, mit der Nutzer europaweit kontaktlos bezahlen können. Zum anderen soll eine „Wallet App“ aufgesetzt werden, die es erlauben wird, die Karten zu digitalisieren und die auf Instant Payments aufbauende Zusatzdienstleistungen anzubieten. Mit ihr erhalten Verbraucher einen Überblick über Ausgaben, können bezahlen und Einkäufe finanzieren. „Instant Financing bedeutet, dass der Kunde entscheiden kann, ob er den Kauf auf Rechnung oder durch einen Kredit seiner Bank finanzieren will.“ Weil die App direkt mit der Hausbank verknüpft sei, müssten keine weiteren Daten eingegeben werden.

„Das ist der USP von EPI: Der Konsument bekommt alles aus einer Hand, das sorgt für mehr Transparenz und Sicherheit.“ Die Händler hätten den Vorteil, dass die Lösung leichter zu integrieren sei als bestehende Bezahlverfahren.

s.backhaus[at]dertreasurer.de

Anm. d. Red.: Dieser Text erschien erstmals im September 2021 und wird regelmäßig überarbeitet, um aktuellen Entwicklungen rund um das EPI-Projekt Rechnung zu tragen.