Eba Clearing

29.08.19
Cash Management & Zahlungsverkehr

Request-to-Pay wohl nicht vor Ende 2020

Vor allem Händler fordern die Einführung eines Request-to-Pay-Verfahrens. Auch Banken könnten von der Bezahlmethode profitieren, betont Eba Clearing. Trotzdem dürfte es noch dauern, bis die notwendige Infrastruktur steht.

Handelsunternehmen, die seit längerem die Einführung eines Request-to-Pay-Verfahrens (RTP) fordern, müssen sich wohl weiter gedulden. Denn die notwendige paneuropäische Infrastruktur dürfte erst im zweiten Halbjahr 2020 implementiert werden. „Einige Banken hätten das Projekt gern schneller vorangetrieben“, sagt Hays Littlejohn, CEO bei Eba Clearing, die das Projekt umsetzt. Doch insgesamt passe das Timing, „da die Banken bis Ende 2020 auch mit ihren eigenen Vorbereitungen so weit sein sollten und dann schnell eine kritische Masse für RTP aufgebaut werden kann“. 25 Banken hätten sich dazu bereit erklärt, die Entwicklung der Infrastruktur zu begleiten und zu finanzieren – darunter auch die Deutsche Bank, die Commerzbank und die Hypovereinsbank.

Grundsätzlich soll das neue Bezahlverfahren so funktionieren: Der Zahlungsempfänger – also etwa der Händler – versendet über seine Bank eine Zahlungsaufforderung („Request to Pay“) an die Bank des Kunden. Der Zahler erhält die Nachricht, die alle Informationen der Transaktion enthält und muss diese nur noch bestätigen. Die Unternehmen erhoffen sich davon eine schnellere Bezahlung offener Rechnungen sowie eine automatisierte Zuordnung eingehender Zahlungen zu Kundenbestellungen. „Das Verfahren könnte im E-Commerce, an der Ladenkasse, aber auch bei elektronischen Rechnungen im B2B-Umfeld zum Einsatz kommen“, sagt Littlejohn.

Auch Banken profitieren von Request-to-Pay

Für die Banken ist RTP aus zwei Gründen attraktiv: Zum einen können sie Händlern so ein bequemes, kontenbasiertes Zahlverfahren anbieten. Das ist wichtig, um sich gegen die Konkurrenz von Paypal, Apple, Google und Co. zur Wehr zu setzen. „Zum anderen erhöhen die Banken die Auslastung ihrer Instant-Payment-Systeme sowie die Ausschöpfung der dafür bereitgestellten Liquidität, und können so die Stückkosten für Echtzeitzahlungen senken“, erklärt Erwin Kulk, Head of Services Development bei Eba Clearing.

Hintergrund: Das RTP-Verfahren wird weitestgehend auf Sepa-Echtzeitzahlungen basieren, weil die Vorteile dann besonders zum Tragen kommen. Auch in Ländern wie Indien hat die Einführung von RtP-Verfahren der Verbreitung von Instant Payments einen Push Schub verliehen.

Für Industrieunternehmen könnte Request-to-Pay in Echtzeit perspektivisch ein Thema werden. Bei Eba Clearing gibt es nun eine Closed-User-Group von zehn Teilnehmern, die es 31 Zahlungsdienstleistern ermöglichen, untereinander Instant Payments oberhalb der Betragsgrenze abzuwickeln. „Das sind bislang vor allem niederländische und finnische Banken, aber die Gruppe wächst“, sagt Littlejohn.

Backhaus[at]derTreasurer.de