Dokumentation der Innenfinanzierung wird aufwendiger

18.08.16 07:56

US-Steuergesetz torpediert Cash Pooling

Von Desiree Backhaus

Die USA wollen aggressiven Steuergestaltern an den Kragen. Mit der sogenannten Rule 385 trifft das amerikanische Finanzministerium aber auch Corporate Treasurer. Unternehmensinterne Darlehen und der Cash Pool müssen auf den Prüfstand.

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Das amerikanischen Finanzministerium will durchgreifen, um Steuervermeidung zu bekämpfen. Das trifft auch deutsche Treasurer.

Eine geplante US-Steuerregulierung stellt bewährte Treasury-Strukturen in Frage. Die sogenannte Rule 385 des amerikanischen Finanzministeriums könnte dazu führen, dass konzerninterne Darlehen und damit auch das Cash Pooling in den USA künftig deutlich aufwendiger werden. Die Umsatzschwelle ist mit 50 Millionen US-Dollar niedrig angelegt, viele Unternehmen sind also potentiell betroffen. Deutsche Konzerne mit US-Töchtern sind alarmiert: „Wir prüfen gerade, ob und inwiefern die Regulierung unseren Cash Pool treffen würde“, sagt der Treasury-Chef eines MDax-Unternehmens.

Das Problem ist, dass den Unternehmen eine ausufernde Dokumentationspflicht droht: Treasurer müssen künftig gemäß Rule 385 sehr genau darlegen, welche Bedingungen der internen Kreditvergabe zu Grunde liegen. Auch über erfolgte Zinszahlungen und den Kapitaldienst müssen die Unternehmen detailliert Auskunft geben können. „Die Regeln gehen damit deutlich weiter als das auch in Deutschland übliche Arms-Length-Prinzip, das eine illegale Gewinnverschiebung verhindern soll“, sagt Achim Kreuzer, Treasury-Experte bei der Unternehmensberatung Horváth & Partners. Diese Dokumentation ist in den wenigsten Unternehmen vorhanden. Sie dürfte aber notwendig sein, um eine höhere Steuerlast zu vermeiden.

US-Treasury Rule 385: Konzerninterne Darlehen als Eigenkapital?

Rule 385 soll die Anreize für multinationale Konzerne verringern, ihren Sitz in Steueroasen zu verlagern und das Kapital über unternehmensinterne Kredite ins Ausland zu schaffen. Nach Meinung vieler Experten schießt der Vorschlag allerdings über das Ziel hinaus: „Die Regulierung gibt der US-Steuerbehörde umfassende Befugnisse, unternehmensinterne Darlehen als Eigenkapital einzustufen“, sagt Kreuzer. Damit könnten diese Darlehen nicht mehr von der Steuer abgesetzt werden, die Steuerlast würde steigen.

Noch ist unklar, ob und in welcher Form Rule 385 tatsächlich umgesetzt wird. „Wir rechnen damit, dass bis Ende des Jahres Klarheit herrscht“, sagt Lothar Meenen, Head of Trade Finance and Cash Management Corporates Deutschland bei der Deutschen Bank. Warum sich deutsche Unternehmen trotzdem schon jetzt vorbereiten sollten und wie ein großes Familienunternehmen dies angeht – das lesen Sie in der Aufmachergeschichte des aktuellen E-Magazins.

Backhaus[at]derTreasurer.de

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