JP Morgan macht es, die Deutsche Bank macht es und auch die Société Générale will nun mitmischen. Immer mehr Banken wollen ihre Dienstleistungen für digitale Marktplätze anbieten. Digitale Marktplätze wie etwa Amazon fungieren als Plattform, auf der Handelspartner miteinander kommunizieren und Geschäfte betreiben können. Sie werden sowohl im B2B- als auch im B2C-Bereich eingesetzt. Die Zahlungen werden meistens von Finanzdienstleistern, wie zum Beispiel Klarna, abgewickelt. Doch auch Banken wollen sich in diesem hart umkämpften Bereich als Anbieter von Finanzdienstleistungen positionieren.
Jüngst gab die Société Générale bekannt, mit dem Zahlungsanbieter Lemonway zusammenzuarbeiten, um B2B-Marktplätze großer europäischer Unternehmen zu fördern. Das „fachliche Know-how von Lemonway im Bereich der Zahlungsdienstleistungen an Dritte“ soll so mit „der Solidität und Sicherheit der Cash-Management-Dienstleistungen der Société Générale“ kombiniert werden, heißt es in einer Mitteilung.
Zusammen wollen sie Zahlungs- und weitere strategische Dienstleistungen anbieten, zum Beispiel die Identitätsprüfung und die Eröffnung von Zahlungskonten, die Aufschlüsselung und die Steuerung der Zahlungsströme für die Empfänger sowie das Performance Monitoring. Diese Dienstleistungen sollen in Frankreich, Italien, Spanien, Belgien, Niederlande, Großbritannien, der Schweiz und Deutschland angeboten werden.
Digitale Marktplätze: hart umkämpfter Bereich
Auch JP Morgan sieht mit seinen eigenen Payments-Lösungen großes Potential in Plattformen. Andreas Windmeier, Head of Payments EEA & Switzerland bei JP Morgan, sagt im Interview mit DerTreasurer: „Für Banken sind Marktplätze ein zunehmend spannender Bereich.“ JP Morgan hat dazu bereits im Herbst 2021 die Mehrheit von VW Payments übernommen, um unter anderem ein Gesamtkonzept für Zahlungen im Mobilitätsökosystem anzubieten.
Dabei hatten sich viele Banken in der Vergangenheit von ihrem Acquiring-Geschäft, also der Abwicklung von Kredit- oder Debitkartenzahlungen im Auftrag eines Händlers, getrennt. Dieses Geschäftsfeld umfasst sehr viele regulatorische Anforderungen. Doch jetzt zeigt sich eine Trendwende. Eike Maybaum, Managing Partner von Thede Consulting, sieht große Chancen für Banken: „In den vergangenen Jahren haben vor allem Fintechs und Zahlungsdienstleister Lösungen für die Abwicklung von Marktplatzzahlungen und anderen Multi-Party Payments entwickelt. Auch klassische Geschäftsbanken wenden sich diesem Feld wieder verstärkt zu.“
Das liege nicht nur an erwarteten Wachstumspotentialen, sondern auch am spürbaren Wettbewerbsdruck durch Zahlungsdienstleister, die zunehmend mit Lösungen im klassischen Transaction Banking und Cash Management in Konkurrenz zum angestammten Geschäft der Banken treten. Als Stärke könnten Banken dabei vor allem von ihrer internationalen Aufstellung profitieren und sich bei einer ganzheitlichen Betrachtung der Kundenbeziehungen oftmals flexibler in der Leistungserstellung für den Kunden zeigen als hochstandardisierte Zahlungsdienstleister.
Transformation der Prozesse
Auch die Deutsche Bank ist vor rund zwei Jahren wieder in das Acquiring-Geschäft eingestiegen. Seit Ende 2022 hat das Bankhaus zusammen mit dem Automobilunternehmen Smart eine Plattform für E-Commerce-Zahlungen entwickelt und will damit ein umfassender Finanzdienstleister für digitale Marktplätze werden. Künftig sollen sich also auch andere Akteure der White-Label-Plattform anschließen.
Die Deutsche Bank würde dann für alle Akteure die Zahlungen abwickeln und direkt dem jeweiligen Marktplatzteilnehmer richtig zuweisen. Ole Matthiessen, Leiter Cash Management bei der Deutschen Bank, glaubt, dass digitale Marktplätze künftig auch Chancen für weitere Finanzservices bieten. So könnte man darüber auch automatisiertes Debitorenmanagement anbieten oder Prognosen zu Verkaufs- und Umsatzzahlen.
Doch nicht nur für Banken, auch für Unternehmen und das Treasury werden Marktplätze wichtiger. „Die Digitalisierung und die damit einhergehende Einführung von Plattform- und Marktplatzgeschäftsmodellen transformiert die Vertriebs- und Bezahlprozesse. Die Treasury-Abteilung muss sich zunehmend mit neuen Payment- und Finanzierungslösungen jenseits des klassischen Zahlungsverkehrs auseinandersetzen“, sagt Maybaum von Thede Consulting.
Besonders die Integration von Leistungen von Drittanbietern in eigene Plattformen erhöhe die regulatorischen Anforderungen sowie die Komplexität der Zahlungsflüsse im Unternehmen und werde häufig unterschätzt, so Maybaum. Werde das Treasury frühzeitig in die Entwicklung solcher unternehmenseigenen Marktplätze eingebunden, könne es seine Kompetenzen einbringen, die Compliance sicherstellen und sich damit als Gestalter der digitalen Transformation positionieren.
Sarah Backhaus ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, Transformation, Zahlungsverkehr und Cash Management.

