Ausländische Banken können die deutschen im Bereich Cash Management in diesem Jahr nicht vom Thron stoßen. Allen Umbrüchen im Bankensektor zum Trotz ist die Commerzbank die Top-Bank im Cash Management mit Blick auf die Marktdurchdringung – schon das dritte Jahr in Folge. 69 Prozent der Befragten setzen auf die Gelben, im vergangenen Jahr waren es 73 Prozent.
Dies ist eines der Ergebnisse aus der aktuellen jährlichen Befragung der Beratung Coalition Greenwich. Befragt wurden im europäischen Raum mehr als 900 CFOs und Treasurer aus Unternehmen ab 500 Millionen Euro Umsatz, darunter knapp 400 Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 2 Milliarden Euro. Im deutschen Raum wurden dazu knapp 100 Unternehmen befragt.
Mit Blick auf die Marktdurchdringung im Cash Management landet die Deutsche Bank wie im vergangenen Jahr auf Platz 2 und Unicredit auf Platz 3. 61 Prozent der Befragten stimmten für die blaue Bank, 2 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. 55 Prozent setzen auf Unicredit, im Vorjahr waren es 59 Prozent.
Europa: BNP Paribas ist auf Platz 1
Diese Rangfolge zeigt sich schon seit einigen Jahren, wobei die Werte bei allen drei Banken rückläufig sind: „Große Veränderungen im Cash Management laufen sehr langsam ab, da der Anbieterwechsel sehr teuer und aufwendig ist“, erläutert Tobias Miarka, Head of Corporate Banking bei Coalition Greenwich.
Profitiert hätte im vergangenen Jahr BNP Paribas, die „sich lange schwergetan hat, mehr Fuß zu fassen“. So nannten die meisten Befragten, die in den nächsten sechs bis zwölf Monaten neues Geschäft im Cash Management abschließen wollen, BNP Paribas. Ungefähr die Hälfte der Befragten will neues Geschäft abschließen. In der aktuellen Umfrage liegt BNP Paribas bei der Marktdurchdringung auf Platz 5, hinter HSBC auf Platz 4.
Auf europäischer Ebene hingegen liegt BNP Paribas bei der Marktdurchdringung im Cash Management wie im vergangenen Jahr auf Platz 1, gefolgt von HSBC. Den dritten Platz teilen sich Citi und Deutsche Bank.
Deutsche Bank und Unicredit sind Quality Leader
Auch mit Hinblick auf die Top-Qualitätsführer im Cash Management hat sich das Bild nicht verändert. In Deutschland stehen an der Spitze wieder die Deutsche Bank und Unicredit. „Auch hier hat BNP Paribas aufgeholt und liegt im Bereich Qualität zum ersten Mal nicht im negativen Bereich“, erklärt Miarka.
Mit positiven Werten sind alle über dem Durchschnittswert gemeint. Auch die LBBW und Helaba hätten aufgeholt, obwohl sie vergleichsweise eine geringe Marktdurchdringung hätten. Im negativen Bereich sei zum Beispiel HSBC, die Commerzbank habe es „gerade so“ noch in den positiven Bereich geschafft.
JP Morgan überzeugt mit Innovationskraft
Auf europäischer Ebene positioniert sich die US- Bank JP Morgan in Sachen Qualität an erster Stelle. „JP Morgan liegt vor allem mit innovativen Themen vorne“, ordnet der Experte ein. Das zeigt sich auch bei den „Excellence Awards“, die die Befragten vergeben konnten. So hat die US-Bank zum Beispiel den Award „Overall Digital Experience“ abgeräumt. Keine einzige deutsche Bank hat einen der Awards erhalten. „Die deutschen Banken spielen zumindest im Augenblick auf europäischer Ebene in Bezug auf Exzellenz keine Rolle“, sagt Miarka. In der Vergangenheit sei die Deutsche Bank in dieser Kategorie häufiger genannt worden.
Eine Veränderung hat es dagegen bei den Auswahlkriterien für eine neue Cash-Management-Bank gegeben, die Treasurer nennen konnten. Im vergangenen Jahr nannten die meisten Befragten die „wettbewerbsfähige Preisgestaltung“ als Top-Kriterium.
Nun ist für 80 Prozent der Befragten der Punkt „Kundenservice“ wieder am wichtigsten. Das liegt laut Miarka daran, dass die Anforderungen an das Treasury wieder gestiegen sind, zum Beispiel wegen der Neuausrichtung der Lieferketten. Banken, die in diesem Bereich besondere Expertise haben, seien deshalb derzeit sehr gefragt.
Auch das Kriterium „International Network“ wurde häufig genannt. Wegen der Schließung mehrerer Standorte „musste hier vor allem die Commerzbank Federn lassen“, sagt Experte Miarka und ergänzt, dass das Institut „international nicht mehr kompetitiv“ sei und deshalb den letzten Platz unter den zehn größten Banken in Deutschland belege.
Sarah Backhaus ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, Transformation, Zahlungsverkehr und Cash Management.

