Seit Anfang dieses Jahres gibt es in Deutschland ein neues Verfahren, das Krisenunternehmen eine präventive Sanierung ermöglichen soll. Geregelt ist diese in einem Gesetz, kurz „Starug“, das bereits vor der Insolvenz ansetzt. Neu ist beispielsweise, dass durch einen Mehrheitsbeschluss einzelne Gläubiger überstimmt werden können – für Unternehmen eine wichtige Erleichterung im Umgang mit Querulanten.
Das neue Verfahren könnte so auch die Anforderungen an das Treasury verändern: Denn bei der Liquiditätsplanung gibt es eine Besonderheit. Um die präventive Sanierung beantragen zu können, darf ein Unternehmen nicht überschuldet und nur drohend zahlungsunfähig sein. Um die drohende Zahlungsunfähigkeit „zu beweisen“, muss ein Unternehmen eine Liquiditätsplanung vorlegen, die auch eine der Grundlagen des Restrukturierungsplans bildet. Das Neue dabei: Die Planung muss einen Prognosezeitraum von 24 Monaten haben, wobei hier nicht eindeutig im Gesetz geregelt ist, ob die Planung indirekt, also aus dem Controlling abgeleitet, oder direkt vom Treasury kommen soll.
Vorteile von Zweijahres-Cash-Forecast
„Das ist eine Herausforderung für das Treasury, denn einen Planungszeitraum von zwei Jahren in Bezug auf eine direkte Liquiditätsplanung haben nur sehr wenige“, merkt Peggy Schumm, Head of Finance bei TFI Think Form, an. Die meisten würden eine Prognose für zwölf Monate erstellen. Zudem wüssten viele Treasurer nicht, dass das Starug eine solche Verpflichtung vorsieht. Sie seien dann überrascht, dass sie auf einmal den Planungszeitraum umstellen müssten.
Schumm empfiehlt, dass Treasurer, unabhängig davon, ob deren Unternehmen das neue Instrument nutzen wollen, die direkte Zweijahresplanung etablieren. „Am Ende ist der Aufwand für eine Ausweitung des Planungshorizonts auf zwei Jahre überschaubar, erst recht, wenn das Unternehmen technische Planungstools nutzt.“
Eine Zweijahresplanung sei aber auch losgelöst von der Starug-Pflicht sinnvoll, argumentiert Tobias Moser, Rechtsanwalt und Senior Advisor bei der Restrukturierungsberatung Excelliance: „Eine langfristige Planung sollte unbedingt als Steuerungstool begriffen werden. Dadurch ergeben sich viele Vorteile.“
So könnten Treasurer und der CFO beispielsweise früher erkennen, ob Kapitalmaßnahmen benötigt werden oder ob sich ein bestimmtes Ereignis auf die Verbindlichkeiten auswirke. „Zudem können Unternehmen so im Voraus mehr Maßnahmen entwickeln und demnach früher möglichen Krisen entgegenwirken.“
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Sarah Backhaus ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, Transformation, Zahlungsverkehr und Cash Management.

