ZF Friedrichshafen sorgte für die größte Schuldscheintransaktion im Jahr 2019.

ZF

27.01.20
Finanzen & Bilanzen

Belastungstest für Schuldscheinmarkt?

Es war ein aktives Jahr am Schuldscheinmarkt. ZF Friedrichshafen sorgte für den Megadeal des Jahres. In diesem Jahr könnte das Umfeld allerdings etwas schwieriger werden.

Das vergangene Jahr war am Schuldscheinmarkt ein sehr aktives, der Markt schloss allem Anschein nach an die gute Performance der vergangenen Jahre an. Wie hoch das Volumen genau ist, lässt sich allerdings nicht eindeutig beziffern, weil nicht jede Transaktion öffentlich ist. Während die Ratingagentur Scope mit einem Volumen von 28,7 Milliarden Euro ein neues Rekordjahr sieht, geht Capmarcon lediglich vom drittstärksten Jahr am Schuldscheinmarkt aus. Laut der Stuttgarter Corporate-Finance-Beratung wurden demnach rund 26 Milliarden Euro platziert.

Das Volumen liegt damit laut Capmarcon um 2,5 Milliarden Euro über dem des Vorjahres, allerdings bei einer kleineren Transaktionszahl. Die zehn größten Schuldscheine machten demnach allein 30 Prozent des Emissionsvolumens aus. Den größten Deal platzierte im vergangenen Jahr der Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen, gefolgt von Porsches Green Schuldschein über 1 Milliarde Euro. Zunehmend nutzen Emittenten dabei – wie auch ZF – Digitalplattformen.

Scope rechnet mit kritischeren Schuldschein-Investoren

Während im zweiten Halbjahr Unternehmensanleihen mit negativer Rendite für Furore sorgten, verlief die Zinsentwicklung am Schuldscheinmarkt weniger spektakulär. Im ersten Halbjahr gingen die Zinssätze zwar etwas zurück, blieben laut der Analyse allerdings bislang immer im positiven Bereich. Im zweiten Halbjahr zogen sie vor allem für Unternehmen mit schwächeren Bonitäten und bei Transaktionen mit längeren Laufzeiten sogar wieder etwas an. Im Schnitt lagen sie daher etwas über dem Durchschnitt des Vorjahres.

Die Ratingagentur Scope geht davon aus, dass die Konditionen auch in diesem Jahr wieder ansteigen könnten. Vor dem Hintergrund der gesamtwirtschaftlichen Lage erwartet die Agentur, dass Investoren kritischer auf Emittenten aus zyklischen oder anderweitig wirtschaftlich sensiblen Sektoren schauen werden. Das ist vor allem deshalb relevant, da Unternehmen aus den Bereichen Automotive, Baugewerbe und Industrie am Schuldscheinmarkt besonders aktiv sind. Die steigenden Spreads wiederum könnten laut Scope zu einem etwas niedrigeren Emissionsvolumen insgesamt führen. Die Agentur prognostiziert 20 bis 25 Milliarden Euro.

Scope geht sogar so weit, dieses Jahr als „Belastungstest“ für den Schuldscheinmarkt zu werten. Nachdem im vergangenen Jahr nur einige kleinere Emittenten in Schieflage geraten sind, könnte es laut Scope 2020 häufiger zu solchen Vorfällen kommen. Das wäre der Test, ob der mehrheitlich ungeratete Markt in der Phase eines wirtschaftlichen Abschwungs bestehen kann.

Koegler[at]derTreasurer.de

Keine Neuigkeiten aus dem Treasury mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos unser E-Magazin und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen im Treasury auf dem Laufenden.