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13.09.18
Finanzen & Bilanzen

EZB-Referenzzins Ester ersetzt Eonia

Die Wahl für die Nachfolge des Eonia ist auf den neuen Referenzzins Ester gefallen, der von der EZB veröffentlicht wird. Die Umstellung der Referenzzinsen kommt mit der Entscheidung einen wichtigen Schritt voran.

Der neue Referenzzins „Ester“, kurz für Euro Short-Term Rate, ist zum Nachfolger des bisherigen risikolosen Referenzzinses Eonia (European Overnight Index Average) auserkoren worden. Eine industriegeführte Arbeitsgruppe, die von der Europäischen Zentralbank, der EU-Kommission und weiteren europäischen Aufsichtsbehörden ins Leben gerufen wurde, empfiehlt allen Marktteilnehmern, diesen Zins als Ersatz heranzuziehen.

Der Eonia wird ab 2020 nicht mehr den Regeln der EU-Benchmark-Verordnung entsprechen. Diese hatte die Union verabschiedet, um Referenzzinsen vertrauenswürdiger zu gestalten. Sie waren nach jahrelangen Manipulationen durch Banker in Verruf geraten und müssen daher nun ersetzt oder reformiert werden.

Ester setzt sich gegen zwei Gegenkandidaten durch

Das Votum der Arbeitsgruppe gab die Europäische Zentralbank am heutigen Donnerstag bekannt. Die Entscheidung sei mit mehr als der notwendigen Zweidrittelmehrheit gefallen, heißt es in der Mitteilung.

Neben dem Ester, der von der Europäischen Zentralbank spätestens ab Oktober 2019 veröffentlicht werden wird, waren noch zwei weitere Kandidaten als mögliche Eonia-Nachfolger im Rennen: Der GC Pooling Deferred, der von der Deutsche-Börse-Tochter Stoxx produziert wird, und die Repo Funds Rate aus der britischen Nex-Gruppe, die vor der Übernahme durch US-Börsenbetreiber CME steht, konnten sich letztlich nicht durchsetzen.

Ester auch Basis für Fallback-Optionen für Euribor

Die Empfehlung der Arbeitsgruppe ist nicht rechtlich bindend, stellt allerdings den Marktkonsens dar, wie die EZB darlegt. Für Treasurer und andere Marktteilnehmer sorgt die Entscheidung für die nötige Klarheit, um sich nun auf den Wegfall des Eonia vorbereiten zu können. Der risikolose Zinssatz kommt vor allem bei Derivaten zum Einsatz.

Die heutige Entscheidung ist aber auch mit Blick auf Finanzierungsverträge relevant. Denn die EZB betont in ihrer Mitteilung, dass der Ester auch als Basis für die Entwicklung von Fallback-Lösungen bei Verträgen dienen kann, die auf den Euribor Bezug nehmen. Die Bemühungen, den Euribor zu reformieren oder einen Ersatz für den bei Finanzierungen weit verbreiteten Referenzzins zu finden, dauern weiterhin an. Auch der Euribor wird ab 2020 in seiner jetzigen Form nicht mehr den Regeln der EU-Benchmark-Verordnung entsprechen.

Koegler[at]derTreasurer.de

Weltweit arbeiten Marktteilnehmer und Regulatoren daran, nach den vergangenen Skandalen, die Referenzzinsen auf eine sicherere Basis zu stellen und Manipulationen zu erschweren. Mehr über die Umstellung der Referenzzinsen erfahren Sie auch in der nächsten Printausgabe von DerTreasurer, die am 21. September erscheint.

Weitere Informationen rund um die Umstellungen finden Sie außerdem auf unserer Themenseite Referenzzinssätze.